Stichwahlen 2014

von Winning ohne Chance

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Tutzing – Es dauert nur bis gegen 18.07 Uhr, als aus dem Stimmlokal „Trachtenheim Diemendorf“ das erste Ergebnis der Tutzinger Bürgermeister-Stichwahl eintrifft.

Die Beamer-Projektion im Rathaussaal nimmt zu diesem Zeitpunkt das vorweg, was sich in der folgenden Stunde mehr oder weniger deutlich bestätigen wird – einen klaren Sieg für Rudolf Krug mit einem Stimmenanteil um die 70 Prozent. Der gemeinsame Kandidat von ödp und Freien Wählern hat sich offenbar nicht nur in den ländlich geprägten Ortsteilen Diemendorf, Kampberg, Unterzeismering und Monatshausen durchgesetzt, sondern sogar in einer bisherigen Hochburg der CSU, in Traubing: Dort bringt es der 57-jährige Krug nach vorläufiger Auszählung auf 59,84 Prozent gegenüber 40,16 Prozent der christsozialen Stichwahl-Konkurrentin Stefanie von Winning. Als sich im Laufe der folgenden halben Stunde der Rathaussaal mit interessierten Bürgern und Unterstützern der Kandidaten füllt, herrscht bemerkenswerte Andächtigkeit. Den Freunden der CSU ist eine gewisse Enttäuschung anzumerken, doch sie reagieren trotz der unerwartet deutlichen Niederlage gefasst, die Anhänger des designierten neuen Bürgermeisters freuen sich in gemessener Zurückhaltung. „Dass es so klar ausgeht, hätte ich nicht gedacht“, sagt FW-Gemeinderätin Marlene Greinwald, und auch Rudolf Krug als Sieger des Tages meint: „Ich war schon zuversichtlich, aber es ist in dieser Form für mich auch ein überraschendes Ergebnis.“ Krug wird erst der dritte ödp-Rathauschef Bayerns und gar der allererste in Oberbayern sein. Auf Ursachen dieses Erfolges angesprochen, deutet er vorsichtig an, dass der von der CSU in den Tagen vor der Stichwahl verteilte Flyer dieser eher geschadet als genutzt haben dürfte – in dem Papier hatten die Christsozialen anhand von thematischen Stichpunkten Krug eine gewisse Untauglichkeit als Bürgermeister bescheinigt. Obwohl es bei der Tutzinger CSU nun einige lange Gesichter gibt, erweist sich Stefanie von Winning als vorbildlich sportliche Verliererin: Extra fürs Pressefoto schüttelt sie dem Wahlgewinner sogar ein zweites Mal die Hand und sagt dazu: „Ich gratuliere ihm herzlich und wünsche ihm das Quäntchen Fortune, das man als Bürgermeister braucht.“ Der CSU-Ortsvorsitzende Thomas Parstorfer ist froh, dass die zwei Durchgänge der Kommunalwahl-Schlacht nun geschlagen sind und zeigt sich pragmatisch: „Gestern war Wahlkampf, heute die Wahl und morgen werden wir uns konstruktiv hinter den neuen Bürgermeister stellen – zum Wohle von Tutzing.“ Man ist an diesem Abend im Rathaussaal quer durch die politischen Lager miteinander im Gespräch – ein erstes gutes Zeichen für die neue Periode. Wahlsieger Krug wird später noch feiern gehen: Im „Tutzinger Keller“. mps

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