Tagsüber grenzwertig, nachts unerträglich

Seit Jahren kämpfen die Anwohner der Autobahn München-Lindau in Gilching um mehr Lärmschutz. Doch jeder Vorstoß bei der Autobahndirektion in München endete im Leeren. Nun soll der neue Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) ein Machtwort sprechen.

„Ist der Lärm schon tagsüber grenzwärtig, nachts wird es unerträglich“, sagt Dieter Moehring, Sprecher und Initiator der Interessengemeinschaft für mehr Lärmschutz. Der Knackpunkt ist, dass die Autobahn anlässlich der Olympiade vor 1972 fertig gestellt wurde und seinerzeit der Lärmschutz keine sonderliche Beachtung fand. „Rechtlich besteht also kein Anspruch“, bedauert Moehring. Außerdem sei seitens der übergeordneten Behörde festgestellt worden, dass bei gemessenen Werten von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts der Grenzwert nicht überschritten wird. Nun hat sich auch Bürgermeister Manfred Walter der Sache angenommen und wurde Mitte Dezember zusammen mit Moehring bei der zuständigen Autobahndirektion Südbayern vorstellig. „Wir haben zwar erfahren, dass ab Januar auf einem Teilstück der Autobahn eine Begrenzung auf 120 km/h eingeführt wird“, erklärte Moehring auf Anfrage. Unverständlich aber bleibe, wieso diese Maßnahme nicht entlang der gesamten Wohnbebauung geht. „Die Maßnahme wird nur gemacht, nicht um unsere Anwohner vor Lärm zu schützen, sondern um dort eine homogene Verkehrsführung zu erreichen. Derzeit staut sich der Verkehr jeweils in der Hauptverkehrszeit.“ Zudem habe der zuständige Sachbearbeiter erklärt, dass sowieso mit einem sechsspurigen Ausbau der Autobahn zu rechnen sei und dass dann auch andere Lärmschutzauflagen gelten. Der Schwellwert wird mit 45 Dezibel für die Nachtstunden angegeben. Bis wann jedoch die Baumaßnahme beginnt, stehe noch in den Sternen, so Moehring. „Die Planung, einschließlich der Lärmschutzvorkehrungen, soll bis Mitte 2009 abgeschlossen sein. Allerdings sind bislang noch keine finanziellen Mittel dafür vorgesehen.“ Es gebe allerdings den Umweg über einen „unvorhersehbaren Bedarf“, sagt Moehring. „Wird der anerkannt, für mich bestehen da keine Zweifel, könnte frühestens 2010 mit dem Planfeststellungsverfahren und 2012 mit dem Ausbau begonnen werden.“ Moehring wandte sich nun an Wirtschaftsminister Martin Zeil. In einem Schreiben ersucht er um Beistand. Zum einen, sich bei der Autobahndirektion für eine sofortige Temporeduzierung auf 80 km/h in den Nachtstunden stark zu machen. „Dies wäre eine Maßnahme, die mit wenig Aufwand möglich ist.“ Zum anderen aber, Druck auf den Bundesverkehrsminister auszuüben, Mittel für die Ausbaumaßnahmen bereit zu stellen. Moehring: „Ich selbst werde zum wiederholten Male auch die für den Landkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten anschreiben und um Unterstützung bitten.“

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