Trotz Leistung fehlt die Lobby

Vielen Grundschülern vergeht der Spaß beim Eintritt in die vierte Klasse. Foto: Polster

Die Stärkung der Mittelschule als Alternative zum Gymnasium und zur Realschule war Thema eines CSU-Infoabends im Schützenhaus in Gilching. Kritischen Fragen stellte sich Kerstin Schreyer-Stäblein, Bildungsexpertin der CSU-Landtagsfraktion.

„Bei meinem Sohn steht dieses Jahr der Übertritt auf das Gymnasium an. Deshalb baut sich in der Schule ein fürchterlicher Stress und Druck auf. Spaß hat er am Lernen nicht mehr und er geht nur noch ungern zur Schule. Und das, obwohl er drei Jahre lang mit Begeisterung zur Schule ging und auch gute Noten hatte“, erzählt die Mutter eines zehnjährigen Grundschülers. Eine Aussage, die Karin Zauchner von der James-Krüss-Grundschule in Gilching bestätigt. „Wir können bald nicht mehr zuschauen. Es wird immer schlimmer.“ Laut Zauchner leidet bereits ein Großteil der Grundschüler wegen des Leistungsdrucks unter Legasthenie oder sie sind von Tabletten abhängig. Grund ist, dass die Hauptschule beziehungsweise Mittelschule trotz hervorragender Arbeit keine Lobby besitze, bedauert Zauchner. Laut Schreyer-Stäblein ein Phänomen, das sich nur in Landkreisen bemerkbar macht, die eine ähnlich akademisch ausgerichtete Bevölkerungsstruktur wie Starnberg hat. Ihrer Meinung nach „definiert sich Bildungserfolg nicht nur über das Erreichen formal höherwertiger Abschlüsse, sondern auch über den Erwerb von beruflichen Qualifikationen". Insbesondere die Wirtschaft suche verstärkt nach Schülern, die von der Mittelschule oder Hauptschule kommen und handwerklich begabt sind. „Wie sollen wir Profil und Selbstbewusstsein entwickeln, wenn die Intension des Kultusministeriums der Übertritt auf eine höhere Schule ist und uns nahe legt, die zur Verfügung stehenden Förderstunden entsprechend zu verwenden. Sobald dann die Noten gut sind, sind die Schüler weg“, erklärte Udo Wiese, Schulleiter der Paul-Hey-Hauptschule in Gauting. Schreyer-Stäblein versprach, mit Kultusminister Ludwig Spaenle zu reden und ihn darauf hinzuweisen, dass behördliche Anordnungen mit Zielsetzung Übertritt auf eine höhere Schule den Selbstwert der Haupt- oder Mittelschulen schwächt.

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