Weßlings Umgehungsstraße

Die älteste Bestattung in Weßling

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Kurz wurde der Bau der Umgehungsstraße im vergangenen Sommer unterbrochen: ein Knochenfund. Es sollte sich herausstellen, dass die Knochen fast 5.000 Jahre alt sind.

Jetzt werden sie weitergehend untersucht. Dem vorausgegangen waren Luftbildaufnahmen, auf denen 1985 ganz in der Nähe der Trasse ein einzelner flacher Grabhügel auftauchte. Nicht abwegig also die Annahme des Amtes für Denkmalpflege, dass im näheren Umfeld weitere Überreste aus anderen Zeitaltern liegen. Somit wurde dem Projekt per Auflage in gewissen Bauphasen Archäologen zur Seite gestellt – die im vergangenen Sommer prompt Knochen und Grabbeilagen entdeckten. Und zwar nicht irgendwelche, sondern die „älteste bekannte Bestattung im Gemeindegebiet von Weßling“. Dorothee Ott vergleicht die Ausgrabung mit einer Prinzregententorte: Schicht für Schicht wird die Oberfläche abgegraben und in den einzelnen Schichten liegen auch die Relikte der unterschiedlichen Epochen übereinander. Anders gesagt: Je tiefer man ins Erdreich gräbt, desto älter der Fund. „So könnte oben ein Stück aus der Vorzeit liegen, darunter ein Nachweis aus der Römerzeit und noch tiefer aus dem Mittelalter“, erklärte die Pressesprecherin vom Amt für Denkmalpflege. In unserem Fall legte das Grabungsteam ungefähr 70 Meter vom bestehenden Grabhügel entfernt, nördlich der Bahnlinie und westlich der Trasse, Skelettteile einer vermutlich weiblichen Person frei. „Innerhalb einer quadratischen Grube (...) befanden sich mehrere verzierte Gefäße aus gebranntem Ton sowie ein Metallpfriem, wahrscheinlich aus Kupfer, sowie einzelne nur noch sehr schlecht erhaltene Knochen.“ Die Tote lag mit angewinkelten Beinen auf der rechten Seite, der Kopf nach Süden und die Füße nach Norden ausgerichtet. „Dies entspricht der charakteristischen Bestattungssitte für weibliche Verstorbene in der Glockenbecherkultur“ – und stammt folglich aus dem 3. Jahrtausends vor Christus. „Weitere Aussagen sind nur mithilfe einer anthropologischen Bestimmung, einer Restaurierung der Funde und einer wissenschaftlichen Auswertung möglich.“ Jetzt liegen die Knochen für weitere Untersuchungen in der archäologischen Staatssammlung in München. Dass weitere historische Kostbarkeiten unter dem bereits geteerten Bereich begraben sind, hält Ott für unwahrscheinlich. Vielmehr gehen die Spezialisten von einer damals üblichen Einzelbestattung aus. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass in Weßling bei Bauarbeiten etwas gefunden wurde: Bereits Ende 2012 grub ein Bagger an der Hauptstraße zwei Skelette aus. Nach ersten gruseligen Befürchtungen eines Mordes, ordneten Untersuchungen diese im frühen Mittelalter ein. Bürgermeister Michael Muther hätte sie gerne im örtlichen Friedhof begraben, die liegen jetzt aber ebenfalls in der Staatssammlung. Das sei bei Funden dieser Art üblich, betonte Ott. mk

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