Verkehr ist hausgemacht

Herrsching – Die Verkehrsprobleme in Herrsching sind zum Großteil hausgemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung von Verkehrsplaner Christian Fahnberg vom Ingenieurbüro Ingevost aus Planegg. Neben einem zentralen „Auffang“-Parkplatz empfahl er dem Gemeinderat, der am Montagabend zu einer Sondersitzung zusammengekommen war, eine Neugestaltung der Kreuzung Rieder Straße/Bahnhofstraße (Rathausplatz) und die Überplanung des Platzes vor dem Gasthof Post. Die Erschließung der geplanten P+R-Anlage sollte nicht über den Ortskern, sondern möglichst von Norden aus geschehen. Ein umfassendes Rad- und Fußwegekonzept sollte die Kommune ebenfalls in Angriff nehmen.

Vor einer Aufhebung des Bahnübergangs warnte der Ingenieur in seinem engagierten Vortrag genauso wie vor einer Entzerrung der örtlichen Hauptverkehrsachsen (Seefelder-/Luitpold-/Mühlfelderstraße und Rieder Straße), beziehungsweise deren Umlenkung auf „sekundäre“ Straßennetze. Vielmehr sollte die Gemeinde die Durchgangsstraßen durch bauliche Maßnahmen so umgestalten, dass der Verkehr zügig abfließen kann. Als Beispiel nannte Fahnberg unter anderem die Ampelanlage im Kreuzungsbereich Luitpold-/Mühlfelderstraße, „die nicht so optimal“ sei. Einzelnen Maßnahmen erteilte er eine klare Absage, „was sie zur Bewältigung ihrer Verkehrsprobleme brauchen, ist ein allumfassendes, integrierendes Konzept“, sagte Fahnberg. Zum Politikum Bahnschranke hielt sich der Planegger Planer bedeckt und sagte mit Blick auf die Achse Inning-Herrsching nur soviel: „Wenn wir Löcher aufmachen, dann kommt auch der Verkehr.“ Für die umfassende Analyse für ein städtebaulich integriertes Gesamtverkehrskonzept – übrigens das erste in dieser Qualität – hat Fahnberg und sein Mitarbeiterstab neben einer Verkehrszählung im Juni und Juli sowie im Oktober vergangenen Jahres im Vorfeld mit einem Fragebogen Daten über das Mobilitätsverhalten der Herrschinger erhoben. Daran teilgenommen haben 1.089 Personen, was einen repräsentativen Schnitt von 53,5 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Wie berichtet, wurde unter anderem nach Alter, Geschlecht, Beruf, Familiengröße, Anzahl der Pkw’s pro Haushalt und Fahrziele sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und des Fahrrads gefragt. Ebenso enthalten sind Angaben, etwa wer zu Fuß zum Einkaufen und zum Bahnhof geht oder wer mit dem Motorroller seine Strecken zurücklegt. Die Ortsteile Breitbrunn und Widdersberg wurden in die Untersuchung ebenfalls einbezogen. Über 60 Prozent der Befragten sind den Erhebungen zufolge mit dem Auto unterwegs, knapp zehn Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel und exakt 30 Prozent der Herrschinger sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. In der „Wegebeziehung“, also wie oft jemand pro Tag seine Wohnung verlässt, liegt Herrsching im Vergleich mit anderen Kommunen im Durchschnitt. In stadtnahen Gemeinden wie Martinsried und Neuried sind die Menschen aufgrund der Möglichkeiten öfters unterwegs. Und auch zu welchem Zweck man die eigenen vier Wände verlässt, wurde erfragt. Unabhängig von der Art des Verkehrsmittels (meist jedoch mit dem Pkw) wurden zu vorderst Einkäufe und Besorgungen (27,8 Prozent) genannt, gefolgt von der Fahrt zum Arbeitsplatz (21,1 Prozent), Freizeitaktivitäten (18,1 Prozent), Bringen und Holen (Schule, Freunde und Verwandte; 11,3 Prozent), Dienstfahrten (7,6 Prozent) und Fahrten zum Ausbildungsplatz (5,9 Prozent). Die Annahme, Herrsching leidet vor allem unter dem Durchgangsverkehr stimmt lediglich für die Hauptachsen, also von Phäl oder Andechs kommend in Richtung Breitbrunn oder nach Seefeld beziehungsweise umgekehrt. Beispiel: Von Wartaweil kommend wurde ein Durchgangsverkehr in Richtung Norden von über 55 Prozent gezählt, in der Hechendorfer Straße dagegen nur etwas mehr als zehn Prozent. Auch die Riederstraße wird mit 64 Prozent mehr durch den Ziel- und Quellverkehr belastet. Fahnberg nannte dem Gemeinderat noch eine weitere Beobachtung. Die meisten Fahrten würden für Strecken von unter einem Kilometer unternommen. Im dritten Teil beschäftigt sich die Untersuchung mit den Wünschen aus der Bürgerschaft. Zufrieden mit der Verkehrssituation sind eigentlich nur die S-Bahn-Nutzer, deren lediglich zu 15 Prozent mit dem Pkw zum Bahnhof fahren. Auch die Fußgänger geben noch eine positive Bewertung ab. Auto- und Radfahrer, Anwohner, Busnutzer und Menschen mit Behinderungen sind unzufrieden. Die Wunschliste – sie reicht von mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum über Vermeidung vom Autoverkehr generell bis zu einem Geh- und Radewegenetz – ist lang und soll in das Gesamtkonzept einfließen. Das weitere Prozedere sieht so aus, dass die Gemeinderatsfraktion bis 15. Mai Zeit haben, ihre Fragen zu formulieren und eine Stellungnahme im Rathaus abzugeben. Ende Mai will Bürgermeister Christian Schiller dann in die „politische Debatte“ einsteigen. Dazu soll Christian Fahnberg noch einmal eingeladen werden, um die Fragen aus den Fraktionen zu beantworten.

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