Vom Wasserfachmann zum Schafhirten

Der Professor mit den Schafen: Werner Hegemann. Foto: Polster

Was verbindet Israel und der Mittlere Orient mit der Gemeinde Andechs? Es ist Professor a.D. Dr. Werner Hegemann, der vor vier Jahren den Mittleren Orient bereiste und einen Bericht über die Wasserwirtschaft in Israel in einer Fachzeitschrift veröffentlichte. In Andechs und der Region kennt man ihn allerdings eher in Begleitung seiner Schafe oder als Marketender am Herrschinger Bauernmarkt. Den Markt hinter dem Herrschinger Rathaus hat der heute 73-Jährige zusammen mit den Grünen vor gut 25 Jahren ins Leben gerufen. Zu einer Zeit, als er noch an der TU Berlin forschte und lehrte. Thema war die Siedlungswasserwirtschaft, über die er etliche Abhandlungen geschrieben und veröffentlicht hat.

Geboren wurde Werner Hegemann am 24. August 1937 in Göttingen in Niedersachsen. Nach dem Studium kam er zum Abwasserverband Wuppertal, wo ihn sein damaliger Vorgesetzter bat, ihn zu Forschungszwecken, unter anderem über die Erweiterung von Kläranlagen, an die TU München zu begleiten. Es war mehr Zufall als gewollt, dass er und seine Frau Jutta letztendlich in Erling eine Wohnung bekamen, ansässig wurden und 1980 in das eigene Haus an der Mühlstraße einzogen. „1988 las ich dann, dass für die TU Berlin eine Professorenstelle für Siedlungswasserwirtschaft frei wurde. Ich habe mich sofort darum beworben und bin auch genommen wurde. Bis zu meiner Pensionierung im Jahre 2003 pendelte ich dann zwischen Berlin und Erling hin und her“, erzählt Hegemann. Da ihm nicht nur das Wasser, sondern die Umwelt und die Natur grundsätzlich am Herzen liegen, hat er nebenher im eigenen Krautgarten Gemüse angebaut und, weil plötzlich auch eine Nachfrage da war, an Privatpersonen verkauft. Damit war der Grundstein für Beteiligung am Bauernmarkt in Herrsching gelegt. Doch beim Gemüse ist es nicht geblieben. Mittlerweile ist Werner Hegemann registrierter Herdbuchzüchter und darf sich Schafsbauer nennen. „Die ersten Schafe hatte ich einem Wanderschäfer aus der Rhön abgekauft. Es waren vier Coburger Fuchsschafe.“ Dazu kamen sehr schnell die zur Zucht notwendigen Böcke und weitere Schafe. Derzeit sind es mit den Lämmern 40 Tiere, mit denen er regelmäßig den Standort wechselt. Am Gründonnerstag zog er von einer Weide an der Gartenstraße quer durch Andechs bis auf eine Wiese am Hörndlweg. „Früher passierte es schon mal, dass mich ein Autofahrer aggressiv beschimpft hat, weil er wegen der Herde etwas warten musste. Heute freuen sich Menschen, wenn sie eine Schafherde sehen und warten geduldig, bis der Weg frei ist.“ Insgesamt sind es elf Hektar Acker imd Grünland, die Hegemann im Auftrag der heimischen Landwirte mit seinen Tieren aufsucht. Ist eine Fläche fein säuberlich abgefressen, wird weiter gezogen. Seit Mai steht Hegemann dann wieder jeden Samstagvormittag am Bauernmarkt in Herrsching. Alleine, da Ehefrau Jutta vor zwei Jahren verstarb. Außer Gemüse bietet der „Professor mit den Schafen“, wie er liebevoll in Andechs genannt wird, Felle, Wolle, selbst angebautes Getreide, Brot und Orangen-Marmelade, hergestellt nach einem Rezept einer Großtante aus Amerika, an. Im Herbst stehen dann die Lämmer, frisch geschlachtet, zum Verkauf. „Ich lasse im Schlachthof Fürstenfeldbruck schlachten und werde auch regelmäßig kontrolliert. Zerteilen darf ich die Tiere nicht. Es gibt sie deshalb nur als halbe oder ganze Lämmer“, sagt Hegemann.

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