"Wir wissen, was wir tun"

Beim Podium zu „Chancen und Risiken der Geothermie“ im Rahmen des Tutzinger Volksfestes sind am Samstag noch einmal die bekannten Positionen von Gegnern und Befürwortern ausgetauscht worden – fokussiert auf das in Bernried geplante Geothermie-Projekt. Der veranstaltende Verein „Energiewende im Landkreis Starnberg“ feierte mit dem gut dreistündigen Schlagabtausch auf dem Podium zugleich fünfjähriges Bestehen.

Den Zwischenrufen aus dem nur dünn besuchten Bierzelt war allerdings schon bald zu entnehmen, dass das Thema Geothermie eher zur „Glaubensfrage“ zu verkommen droht und viele Bürger sich in ihren prinzipiellen „Pro“- beziehungsweise „Contra“-Überzeugungen auch durch Sachargumente kaum noch erschüttern lassen: „Wir haben Angst“, rief eine Besucherin aufgebracht Richtung Podium, als das Risiko von Erdbeben auslösenden Tiefenbohrungen ihrer Ansicht nach allzu sehr bagatellisiert worden war. Während bei den Gegnern einer Geothermie-Nutzung in Bernried, häufig Mitglieder der dort ansässigen Bürgeriniti-taive, vor allem der Landschaftsschutz, mangelndes Mitspracherecht der Kommunen, der mögliche Wertverlust von Immobilien oder auch der geringe Wirkungsgrad des Projekts von zehn Prozent angeführt wurde, warben Befürworter mit der „einmaligen Chance“ CO-2-freier, nachhaltiger Energiegewinnung: „Wir wären ganz schöne Deppen, wenn wir´s nicht einmal probieren würden“, sagte Franz Sengl, Geologe aus Starnberg und dort Stadtrat der Grünen. Der ehemalige Bürgermeister der seit Jahren Geothermie nutzenden Gemeinde Unterhaching, der Physiker Erwin Knapek, warb sowohl mit dem seiner Meinung nach beispiellos hohen Wirkungsgrad als auch mit positiven Cash-flow-Zahlen der von der Kommune gegründeten GmbH für die Nutzungsform – prompt brachte Regina Fischer-Jech von der Bürgerinitiative andere Zahlen ins Spiel. Sprach BI-Anwalt Andreas Chowanetz beim Bernrieder Vorhaben von einem „Pilotprojekt mit in jeder Hinsicht ungewissem Ausgang“ und forderte „geothermiebohrungsfreie Schutzzonen“, konterte Achim Schubert von „BE-Geothermie“ mit dem Satz: „Wir machen hier doch nichts Unerprobtes, wir wissen, was wir tun.“ So ging das eine ganze Weile mehr oder weniger polemisch hin und her. Dem Kampberger Diplom-Ingenieur Björn Schütt (BI) war die ganze Diskussion vor allem seitens der Befürworter „viel zu wenig differenziert“. Moderatorin Karin Wurzbacher (STAgenda) öffnete schließlich die Diskussion auch für die aufgewühlten Zuhörer: Ein vor drei Jahren nach Tutzing zugezogener Norddeutscher kritisierte sogleich die Informationspolitik der Rathäuser und bemängelte, „dass ich erst durch die Bürgerinitiative von dem Projekt erfahren musste“. Die Bürgermeister Josef Steigen-berger (Bernried) und Stephan Wanner (Tutzing) versicherten hingegen, dass sie die entsprechenden Verträge mit Investoren öffentlich machen werden: „Die Gemeinde Bernried hat ein Mitspracherecht“, so Steigenberger. „Und wir werden unseren Vertrag nach dem gleichen Muster stricken“, ergänzte Wanner für Tutzing.

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