Woher das Mutter-Kind-Haus seinen Namen hat

Katharina Funke (rechts) hinterließ 220.000 D-Mark zugunsten notleidender Kinder. Eva Ott (links) von der ökumenischen Hilfe und Edith Stenzel kramen in alten Unterlagen und erinnern an das bewegte Leben der 1977 verstorbenen Funke. Fotos: Polster/Archiv Polster

Gilching – Kaum war Edith Stenzel mit Ehemann Adolf anno 1955 von Neuaubing nach Gilching gezogen, wurde sie auch schon in den Dienst der evangelischen Kirche genommen. „Man hat mich gleich zum Sammeln geschickt. Damals ging man noch von Haus zu Haus“, erinnert sich die 91-Jährige. Durch ihr Engagement bei der Kirche hat sie auch Katharina Funke, die Namensgeberin des Gilchinger Mutter-Kind-Hauses, kennen gelernt.

„Katharina Funke war eine ruhige und stille Frau, die immer ein offenes Ohr für Menschen in Not hatte“, erinnert sich Edith Stenzel. „Sie war sehr sparsam, aber nicht geizig. So kaufte sie zu Weihnachten regelmäßig einem Flüchtling Tannenzweige mit Zapfen ab, obwohl sie im Garten selbst jede Menge Bäume hatte. Wenn ich sie daran erinnerte, meinte sie nur: Lassen sie es gut sein. Er braucht das Geld.“ Sie selbst habe von Katharina Funkes unerschöpfliches Wissen um haus- und landwirtschaftliche Themen profitiert. Stammte Funke doch aus einem schwäbischen Bauernhof. Edith Stenzel schoss auch eines der wenigen Fotos, die es von Katharina Funke gibt. Zum Fotografieren ist die ehemalige Krankenschwester durch ihren vor 17 Jahren verstorbenen Ehemann Adolf gekommen. „Er war früher bei der Filmproduktion der Gebrüder Diehl in Gräfelfing, die als Väter der berühmten Mecki-Figur gelten. Damals entstanden bereits einige der ersten Kinderfilme mit Trickfiguren, die es auch heute noch gibt“, weiß Stenzel. Die passionierte Fotografin war seinerzeit auch mit der Tochter von Katharina Funke befreundet. „Elisabeth und ich waren im gleichen Alter. Leider hatte Elisabeth als Kind Scharlach und war deshalb bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1972, sie wurde nur 52 Jahre alt, immer kränkelnd. Das Schicksal ihrer Tochter war auch der Anlass für Katharina Funke, ihr Vermögen nach ihrem Tode der Kirche zu vermachen mit dem Ziel, damit etwas für Kinder in der Not oder die krank sind zu schaffen.“ Irgendwie aber wurde innerhalb der Kirchenverwaltung vergessen, dass auf dem Konto ein kleines Vermögen liegt. Immerhin waren es 220.000 D-Mark, die Katharina Funke als Stiftungskapital hinterlassen hat. Erst 1991 wurde die Summe zufällig entdeckt und auch der Zweck der Erbschaft verfolgt. Es gründete sich die ökumenische Hilfe mit dem Ziel, ein Mutter-Kind-Haus auf die Beine zu stellen. Fünf Jahre später wurde dann das Mutter-Kind-Haus in der Rosenstraße eingeweiht. Eva Ott, seit vielen Jahren Vorsitzende des Vereins, erinnert sich noch an die Anfangzeiten. „Wir nannten die Einrichtung erst Mutter-Vater-Kind-Haus und hatten dann auch einen allein erziehenden Vater in der Einrichtung. Doch das ging schief.“ Unter den Müttern nämlich habe ein regelrechtes Buhlen um den einzigen Mann im Haus begonnen. Man wollte ihm Wäsche waschen, Einkäufe erledigen und sich um dessen Kind kümmern. Nach einem Vierteljahr habe man dann den Versuch abgebrochen, erzählt Ott. Doch das ist Vergangenheit. In diesem Jahr werden der Verein 20 und das Mutter-Kind-Haus 15 Jahre alt. Nur durch Katharina Funkes Vermächtnis sei es möglich gewesen, eine ehrenamtlich geführte Einrichtung zu schaffen, die in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gilching einzigartig im Landkreis Starnberg, ja, sogar in Oberbayern, ist, betont Ott. Bedauerlich finden es Stenzel und Ott, dass man Katharina Funke im hohen Alter in ein Altenheim nach Germering gesteckt hat. „So viel ich weiß, hatte sie ihr Haus in der verlängerten Römerstraße auf Leibrente hergegeben mit der Auflage, dass sie bis zu ihrem Lebensende dort bleiben darf und dass man sich auch um sie kümmert. Daraus wurde leider nichts“, so Stenzel. Unverständlich für sie ist außerdem, dass es kein Grab mehr von Katharina Funke gibt. „Sie wurde nach ihrem Tode am Friedhof St. Vitus beerdigt. Wahrscheinlich hatte sie das Grab zu Lebzeiten auf zwölf Jahre gekauft. Plötzlich war es nämlich weg. Wenn ich gewusst hätte, dass es aufgelöst wird, hätte ich die Grabgebühren persönlich übernommen.“ Katharina Funke starb am 3. April 1977 im Alter von 91 Jahren.

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