Zankl moniert Vertrauensbruch

Die Gilchinger Bauern fühlen sich über den Tisch gezogen. Denn entgegen eines Beschlusses von 2007 wurde jetzt neu beschlossen, in Punkto Wasserschutzzone III-B einen Verbotskatalog für Landwirte auf den Weg zu bringen. Für Kreisbauernobmann Georg Zankl ein Vertrauensbruch, der nur schwer gekittet werden kann.

„Für uns ist das nicht nachvollziehbar, dass man in Gilching über Versprechen hinweg sieht und ohne Begründung und ohne Notwendigkeit einen Beschluss einfach so aufhebt. Da werden rechtliche Dinge vorgeschoben, ohne sie geprüft zu haben“, sagte Starnbergs Kreisobmann Georg Zankl nach der Ratssitzung. Wie berichtet, stand die Aufhebung eines Passus im Beschluss aus dem Jahre 2007 zur Ausweisung der Wasserschutzzone IIIB auf der Tagesordnung im Gemeinderat. Gestrichen wurde, dass im Zuge der Ausweisung die Landwirte außen vor bleiben, beziehungsweise in ihrer Arbeit nicht reglementiert werden. Auch deshalb nicht, weil die betroffenen Landwirte seit 16 Jahren in Zusammenarbeit mit dem landwirtschaftlichen Berater Peter Zimmermann eine freiwillige Vereinbarung zugunsten der Verbesserung des Grundwassers unterschrieben haben. Seither hat sich die Trinkwasserqualität um ein Vielfaches verbessert, was allgemein als lobenswert beurteilt wurde.  Laut Gilchings Wasserreferentin Dorothea Heutelbach (CSU) ging es ursprünglich lediglich um Gefährdungen des Trinkwassers durch den Ausbau des geplanten Geschäftsreiseflugverkehrs am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen, durch den Kiesabbau, durch Altlasten und durch den Verkehr auf der Autobahn. Ein Umdenken fand erst statt, nachdem der Hydrogeologe Johannes Straub in der Herbstsitzung erklärt hatte, dass bei Bevorzugung der Landwirtschaft eine Ungleichbehandlung gegenüber dem Flughafen und den Kiesbetreibern entsteht. Eine Begründung, die kein Verständnis bei Peter Zimmermann fand. „Wir haben vor 16 Jahren in Zusammenarbeit mit den Gilchinger Bauern ein Vorzeigeprojekt für ganz Bayern ins Leben gerufen und einen vorbildlichen Trinkwasserschutz erreicht", erklärte er in der Ratssitzung. Zimmermann wies außerdem darauf hin, dass ein Kiesbetreiber und ein Flughafen nicht mit bäuerlichen Betrieben gleichzusetzen sind. „Kommt der Verbotskatalog bedeutet dies auch eine erhebliche Wertminderung der landwirtschaftlichen Flächen.“ Heutelbach hielt dagegen, dass möglicherweise das Verfahren zur Ausweisung der Wasserschutzzone behindert werden könne, sollte auf den Verbotskatalog für Landwirte verzichtet werden. Auf die Frage von Michael Hauser (CSU), ob dies rechtlich abgeklärt ist, gab es keine Antwort. Vielmehr räumte Bürgermeister Manfred Walter ein, dass er von zwei Kommunen mit Wasserschutzzonen III-B wisse, bei denen auf eine Reglementierung für Landwirte verzichtet wurde. Diese seien aber laut Walter an besondere Vereinbarungen gebunden. Thomas Reichs (FW) Antrag, den Punkt bis zur Klärung der rechtlichen Frage zu vertagen, lehnte das Gremium mehrheitlich ab. Stattdessen wurde der Verbotskatalog als Bestandteil für den Antrag zur Ausweisung einer Wasserschutzzzone III-B beschlossen. KOMMENTAR: Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Partner beim Gewässerschutz. Überdüngen sie, was schwerlich nachzuweisen ist, führt dies letztendlich zu einer schlechteren Trinkwasserqualität. In Gilching haben rund 20 Bauern vor 16 Jahren eine freiwillige Vereinbarung zugunsten einer verbesserten Trinkwasserqualität unterschrieben und sich daran gehalten. Was in Gilching zu hervorragenden Ergebnissen geführt hat. Der Nitratgehalt konnte von 90 Milligramm pro Liter auf unter 30 gesenkt werden. Doch Qualität scheint das Gilchinger Gremium nicht überzeugt zu haben. In einer Zeit, in der Bürger mehr und mehr entmachtet und ganz normale Vorgänge reglementiert werden müssen, wurde nun auch den Landwirten ein zusätzlicher Verbotskatalog übergestülpt. Der Grund? Kein ersichtlicher! Unverständlich auch, dass dem Hydrogeologen Johannes Straub ungeprüft Gehör geschenkt wurde. Man erinnere nur an die Gutachten bezüglich der geplanten Flughafenerweiterung. Während Straub in der Ratssitzung in Gilching eindrucksvoll schilderte, dass durch den geplanten Geschäftsreiseflugverkehr keinerlei Gefährdung für das Trinkwasser besteht, schilderte er vor Gericht wiederum eine drohende Gefahr desselben. So dass selbst der Richter skeptisch nachfragte: „Ja, was ist nun richtig?“ Polly Polster

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