Zweisprachige dreigruppige Kindertagesstätte an der Friedensstraße 11

Seit langer Zeit setzt sich die seit 20 Jahren in Gräfelfing ansässige und in Jamaika geborene Elsa Schober von „Sunrise ABC“ für die Errichtung einer zweisprachigen (englisch-deutsch) Kindertagesstätte in Gräfelfing ein. Nun hat es endlich geklappt. Eine Million Euro hat die Gemeinde Gräfelfing hierfür in den Haushalt eingestellt, informierte Bürgermeister Christoph Göbel jüngst die Mitglieder des Ausschusses für soziale Angelegenheiten. „Die letzten drei Jahre haben wir das Vorhaben immer geschoben, auch vor dem Hintergrund der offenen Grundstücksfrage.“

Auf dem gemeindeeigenen Grundstück an der Friedenstraße 11 wird nun ein Neubau errichtet. Das alte Bestandshaus wird abgerissen. Untergebracht wird eine Kindergruppe für zwölf Kinder im Alter von ein bis drei Jahren und zwei Kindergartengruppen für insgesamt 30 Kinder. Der Träger „Sunrise ABC“ zahlt eine angemessene Miete. Die Kinder werden mindestens von je einer englisch- und einer deutschsprachigen pädagogischen Fachkraft betreut. Dabei spricht jede Erzieherin mit den Kindern nur ihre Muttersprache. Durch den Ansatz „eine Person – eine Sprache“ wird eine natürliche zweisprachige Umgebung geschaffen. Dies hilft den Kindern, beide Sprachen gleichermaßen schätzen zu lernen und zu nutzen. Beide Sprachen sind Unterrichts-, Alltags-, Umgangs- und Spielsprache. „Die Kinder tauchen ein in die neue Sprache und erwerben diese mühelos und ohne jeden Zwang – quasi nebenbei“, teilt Schober den Gemeinderäten mit. Zudem unterrichten zwei Honorarkräfte in Musik und Kunst. Der Bedarf ist groß, da die Anzahl an ausländischen Fachkräften unter den in Gräfelfing ansässigen Gewerbetreibenden zunimmt. Fünf Gräfelfinger Kinder besuchen derzeit die „ABC Sunrise“ Kindertagestätte in Krailling. Von daher ist sich der Bürgermeister sicher, dass alle Plätze belegt werden. Zumal auch alle Unternehmen im Ort angeschrieben und über die neue Einrichtung informiert wurden. Bisher zeigten 38 Gräfelfinger Familien ihr Interesse an einem Platz in der internationalen Einrichtung. „Moderne Kinderbetreuung muss Vielfalt schaffen“, betont Göbel und überzeugte die Räte für den Bau der Kindertagesstätte. „Bisher sind wir weit davon entfernt, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bis 2013 zu erfüllen“, bemerkte der Rathauschef nebenbei. Eine Woche später folgte der Gemeinderat dem vorberatenden Beschluss des Sozialausschusses und gab grünes Licht für den Bau. Zu Beginn des Kindergartenjahres 2010/11 soll die Einrichtung bezogen werden. Von 7.30 bis 17 Uhr ist die Kindertagesstätte mit eigener Küche im Haus geöffnet. Ein warmes Mittagessen wird von einer erfahrenen Köchin im Hause zubereitet. „Gegenseitige Anteilnahme und Integration ist Prinzip unseres Handelns“, so Elsa Schober bei der Vorstellung ihres Konzeptes. „Unser Selbstverständnis definiert sich auch durch kulturelle Offenheit und eine Kultur der Begegnung. Der gesetzliche Auftrag unserer Einrichtung, erklärt Schober, ergibt sich aus der Verordnung zum Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz.“ Architekt Rolf Unser stellte in der Ratssitzung verschiedene Planungen zu dem Neubau vor. Was die bauliche Gestaltung betrifft, so entschied sich der Gemeinderat für einen neutralen Baukörper mit quadratischem Grundriss und einem Zeltdach. Diese Variante fügt sich gut in den Wohnbestand ein, erklärte der Architekt. „Ein moderner Baukörper ließe sich nicht den alten Wohnbestand an der Friedenstraße integrieren.“ Im Untergeschoß befinden sich verschiedene Funktionsräume sowie ein fast 50 Quadratmeter großer Mehrzweckraum für künstlerische und sportliche Aktivitäten. Im Erdgeschoß wird der Gruppen- und Ruheraum für die Kindergrippe zum Garten hin untergebracht sowie ein Personalraum und ein Büro für die Leitung. Die Küche ist im 1. Stock vorgesehen. Dort befinden sich auch die Räume für die zwei Kindergartengruppen sowie ein Intensivraum. Der Eingangsbereich besticht durch seine großzügige Fläche mit fast 50 Quadratmetern und bietet ausreichend Platz für Garderobe. Da die Bauzeit eine große Rolle spielt, im September soll die Einrichtung bereits eröffnen, wird in Ziegelbauweise vorproduziert, erklärt Unser. „Dies bedeutet aber keine Abstriche bei der Wohn-, Lebens- und Funktionsqualität.“ Konkrete Angebote sollen nun auf dem Markt eingeholt werden, um möglichst die Kosten auf eine Million Euro zu deckeln. Petra Schaber (IGG) begrüßte den schnellen Startschuss für den Bau, zweifelte aber an Seriösität der Baupreise. Hans Furbach (AIG) beantragte angesichts der hohen Bausumme während der Sitzung eine Projektsteuerung. Der Antrag wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt. Heidi Plank Schwab (SPD) glaubte nicht so recht an die Notwendigkeit eines Abrisses des jetzigen Bestandsgebäudes an der Friedensstraße 11, auch nicht als der Bürgermeister die absolut marode Bausubstanz des Gebäudes ansprach. Außerdem wollte Plank-Schwab wissen, warum ein Neubau nicht auf dem anderen ebenfalls gemeindeeigenen Grundstück an der Friedenstraße in Frage komme. Hierzu wies Bauamtsleiterin Elisabeth Breiter darauf hin, dass dieses Grundstück zu klein sei. Letztlich stimmte der Gemeinderat der Errichtung einer weiteren Kindertagesstätte und dem Neubau zu.

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