Was die Regionalbischöfin zum 100-jährigen Kirchenjubiläum predigte

Mit Schild des Glaubens und Schwert des Geistes

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Beim Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche: Dinah Kurschatke, Vertrauensfrau im Kirchenvorstand (v. li.), Rosa Maria Brecht, Diakon i. R. Erich Mühlberger, Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes, Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler, Dr. Christian Sänger, Thomas Redmann und Helmut Konrad.

Schongau – „Ergreift das Schild des Glaubens und das Schwert des Geistes.“ Diese Worte aus dem 16. Kapitel im Epheserbrief rief Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler von der Kanzel den Gläubigen und Gästen zu, die sich in Schongau zum Jubiläum 100 Jahre Dreifaltigkeitskirche einfanden.

Was sich zunächst nach „Star Wars“ oder nach einer militanten Aufforderung anhörte, soll vielmehr ein flammender Appell dazu sein, Farbe zu bekennen, auf dem Fundament des Glaubens für das „Evangelium des Friedens“ einzustehen und sich nicht von Modetrends leiten zu lassen.

„Unsere Dreifaltigkeitskirche hat einiges erlebt“, führte Dinah Kurschatke, die Vertrauensfrau im Kirchenvorstand, in den Gottesdienst mit der Regionalbischöfin und mit Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes ein. Als das Bauwerk 1916 mitten in schlimmen Kriegszeiten fertiggestellt wurde, stand es in Schongau noch im freien Feld. Nun befinde sich die Kirche mitten in der Lechstadt. Man habe inzwischen viele Nachbarn. Viele Pfarrer habe man in den vergangenen 100 Jahren kommen und gehen sehen.

Am Schluss des Gottesdienstes, der vom Posaunenchor, vom Chor der Stadt Schongau und mit Gemeindegesang gestaltet wurde, richteten stellvertretender Landrat Karl-Heinz Grehl, Bürgermeister Falk Sluyterman und Pfarrerin Brigitte Weggel von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Peiting/Herzogsägmühle Grußworte an die Gemeinde.

Freie Religionsausübung

Vize-Landrat Grehl bekundete, hinter so einer Leistung, einen solchen Kirchenbau zu schaffen – gerade in schwierigen Kriegszeiten, stünde etwas Besonderes, nämlich „die Kraft einer christlichen Gemeinde“.

Sei es für evangelische Christen früher schwierig gewesen, ihren eigenen Weg zu finden und zu behaupten („Wir können uns nicht mehr vorstellen, dass katholische und evangelische Christen spinnefeind waren“), so müsse man das Recht auf ungestörte Religionsausübung ebenso heutzutage allen Menschen zugestehen – auch Asylbewerbern. Bürgermeister Falk Sluyterman, der eine Kerze an Pfarrerin Nicoly Menezes überreichte, sieht die Dreifaltigkeitskirche und die evangelische Gemeinde als „festen Bestandteil“ der Stadt. Immer wieder seien neue Bürger nach Schongau gekommen, darunter auch Protestanten. In der Dreifaltigkeitskirche hätten sie ein religiöses Zuhause gefunden.

Pfarrerin Weggel gratulierte namens der evangelisch-lutherischen Nachbargemeinde Peiting/Herzogsägmühle. Besser spreche man von einer „Tochter“. Denn erst Anfang der sechziger Jahre sei Peiting mit Herzogsägmühle als eigene Kirchengemeinde gegründet worden.

Neue Lutherbibel

Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler hatte etwas Besonderes mitgebracht. Nach der Predigt überreichte sie an Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes die kürzlich erschienene neue Lutherbibel. Es sei wohl die erste, die in Bayern verschenkt werde. In 100 Jahren habe die evangelische Gemeinde in Schongau „auch belastende und schwere Zeiten erlebt“; sie habe gelitten. Aber sie sei, so die Regionalbischöfin in der Predigt, „voller Zuversicht“, dass es mit Gottvertrauen weitergehe. Mit der neuen Pfarrerin Nicoly Menezes habe die Gemeinde eine „quicklebendige und wortgewandte Theologin, die einen weiten Horizont hat“. Die Seelsorgerin bekenne Farbe, werde dem Verlangen nach Orientierung gerecht und stehe zu den Fundamenten des Glaubens, sagte die Bischöfin, die Nicoly Menezes ordiniert hatte.

Zum Jubiläum 100 Jahre Dreifaltigkeitskirche hat Harald Scharrer vom Historischen Verein im Jahrbuch Der Welf 2015 einen ausführlichen Aufsatz veröffentlicht.

von Johannes Jais

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