Fast ganze CSU-Fraktion stimmte notgedrungen dafür – "Eichtweide führt in Sackgasse"

Achalaich nun im Rennen

Weilheim – Es ist geschafft. Nach langer Diskussion hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen, dass das künftige Interkommunale Gewerbegebiet Achalaich, dessen Flächen im derzeitigen Flächennutzungsplan für die Landwirtschaft ausgewiesen sind, künftig als gewerbliche Baufläche genutzt werden soll. Alle anwesenden Stadträte stimmten dafür, nur Uta Orawetz (CSU) hob ihre Hand und war dagegen.

Die CSU- Fraktion stellte noch vor Beginn der Stadtratssitzung den Antrag, die Abstimmung zurückzustellen, bis es eine „ordentliche Vergleichsrechnung“ der beiden Gebiete gibt. „Saubere Zahlen sollen zuerst auf den Tisch“, forderte Klaus Gast (CSU). Der Antrag wurde abgelehnt, schließlich gab es Untersuchungsergebnisse vorzustellen. Für die meisten Stadträte lag es klar auf der Hand, dass „Achalaich“ das nächste Gewerbegebiet in Weilheim werden solle. Spätestens nach dem Standortgutachten der beiden Gewerbe­bauflächen von Ute Wellhöfer vom Büro U-Plan (Pro und Contra im Infokasten) und der Baugrunduntersuchung (Steinbach Consult) des Gebietes „Eichtweide“ war für viele klar, dass dieses Gebiet nicht in Frage kommt. Ralph Meuerer von der Ingenieursgesellschaft Augsburg erklärte, dass 22 Bohrungen auf der Eichtweide durchgeführt wurden. Sein Fazit: „Für den Straßenbau müsste man den Boden 50 Zentimeter unter dem Planum (eine eben hergestellte Oberfläche, auf der weitere Baumaßnahmen stattfinden) sowie die Torfe austauschen.“ Diese besonderen Gegebenheiten seien im Rahmen der Planung zwingend zu beachten, wegen der Au- und Torfböden müssten Pfähle eingerammt werden. „Technisch ist alles möglich, aber das ist mit hohen Kosten verbunden“, erklärte er. 

 Gast sieht den großen Vorteil beim Gebiet Eichtweide darin, dass die 66 000 Quadratmeter großen Flächen der Stadt schon gehören. Weilheim könne so vielleicht fünf bis sechs Mio. Euro erwirtschaften, wenn die Grundstücke verkauft sind. „Beim Gebiet Achalaich muss die Stadt zuerst die Grundstücke kaufen“, erklärte er. Dr. Norbert Vidal (BfW) sieht das ganz anders, denn: „Weilheim würde nie auf sechs Millionen Euro städtisches Vermögen kommen! Das ist eine Zwangsidee der CSU.“ Die Zahlen sind da, jeder kennt auch die Grundstückspreise, erklärte Bürgermeister Markus Loth (BfW). 

 Nach der Abstimmung verteilte Gast ein Schreiben, in dem stand: „Angesichts der Tatsache, dass Weilheim dringendst Gewerbefläche braucht und durch den getroffenen Beschluss zur Eichtweide keine Gewerbeflächen mehr hat, um sich zukünftig wirtschaftlich weiterentwickeln zu können, stimmen einige aus unserer Fraktion der Aufnahme von Achalaich in den Flächennutzungsplan zu.“ Nur Orawetz gab die Eichtweide nicht auf, sie ist seit langem Bestandteil ihres Wahlprogrammes. BfW, SPD, Grüne, FDP, UWV stimmten für Achalaich. „Die Eichtweide führt in eine Sackgasse“, so Jochen Knittel (BfW).


Gewerbebauflächen Achalaich und Eichtweide

Pro Eichtweide: - Die Fläche befindet sich zum großen Teil im Besitz der Stadt Weilheim und könnte aktiv vermarktet werden. 

Contra Eichtweide: - Mangelnde Erschließung: Die Errichtung einer weiteren Ammerbrücke ist Voraussetzung für das entstehende Gewerbegebiet. - Eingeschränktes Branchensprekturm wegen schlechter Einsehbarkeit. - Wassersensibler Bereich, welcher auf hohe Grundwasserstände schließen lässt. -Lage westlich der Ammer: In dem Bereich soll gemäß städtebaulichem und naturschutzfachlichem Leitbild keine weitere bauliche Entwicklung stattfinden. 

 Pro Achalaich: - Sehr gute überörtliche und örtliche Anbindung. - Eignung für breites Branchenspektrum aufgrund sehr guter Anbindung und Einsehbarkeit - Vorbelastetes Gebiet aufgrund Straßen- und Bahntrassen sowie vorhandenem Gartenbaubetrieb. - Nach Abschluss der Hochwasserfreilegungsmaßnahmen an der Ammer gibt es die Option zu einer Anbindung über Wohn- und Mischbauflächen an das Gewerbegebiet Trifthof und die Wohnbauflächen Weilheim Süd-West. 

Contra Achalaich: - Derzeit keine Anbindung an vorhandene Bauflächen. Dadurch muss als Voraussetzung für eine Genehmigungsfähigkeit gemäß dem bayerischen Landesentwicklungsprogramm unter anderem die Alternativlosigkeit des Standortes begründet werden. - Die Fläche befindet sich nicht im Besitz der Stadt. Entsprechende Vorverträge wurden jedoch mit Grundstückseigentümern bereits abgeschlossen.

Von Alma Jazbec

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