Weilheimer Stadtrat befürwortet Entwurf, sieht aber noch viel Klärungsbedarf im Detail

Ärztehaus nimmt erste Hürde

+
Der Entwurf des Weilheimer Architekturbüros Rill+Lechner als  Westansicht: Links das Stadtarchiv, im Anschluss die vier Giebelhäuser und rechts der Verbindungsgang zum Krankenhaus.

Weilheim – Eine Ärztegemeinschaft will in Weilheim kräftig investieren und gegenüber dem Krankenhaus in Richtung Rathausplatz ein privates Ärztehaus errichten. 24 Mediziner verschiedener Fachrichtungen könnten dort ab Ende 2016 tätig werden und jährlich über 80 000 Patienten betreuen. Der Stadtrat hat den Aufstellungsbe- schluss zur Änderung des Bebauungsplanes „Obere Stadt I“ einstimmig gebilligt. Aber es gab auch kritische Fragen, mit denen sich das Gremium auseinanderzusetzen hatte.

So wurde die mögliche Konkurrenzsituation zu den bereits niedergelassenen Ärzte thematisiert. Auch die verkehrstechnische Erschließung sowie die erforderlichen Stellplätze warfen Fragen auf und es zeigte sich, dass viele Interessenslagen zu berücksichtigen sind. Vom Bauausschuss war der Entwurf des Weilheimer Architekturbüros Rill+Lechner, das sich bei einem Wettbewerb der Planungs- gemeinschaft durchgesetzt hatte, wohlwollend aufgenommen worden. Positiv bewertet wurde unter anderem, dass bei dieser Variante ein Zwischenbau profil- und höhengleich an das Stadtarchiv angrenzt und optisch eine Einheit vermittelt. 

Dr. Wolfgang Vogt – er gehört dem Orthopädischen Fachzentrum (OFZ) in Weilheim, Garmisch-Partenkirchen und Starn- berg an – stellte als Vertreter der Planungsgemeinschaft die Idee vor. Neben Praxen für Orthopädie, Kardiologie, Urologie, Neurologie, Dermatologie und Diabetologie sollen ein Sanitätshaus, eine Apotheke (Vogt: „es gibt vier Anfragen“) sowie ein Café unter das Dach des Ärztehauses einziehen. Facharztpraxen und Klinik würden von den sich ergebenden Synergieeffekten profitieren. Über die Planungsschritte, so Vogt weiter, stehe man mit der Krankenhaus GmbH in Kontakt. Auf eine Frage der Stadträte eingehend, stellte er fest: „Die Allgemeinärzte gehören nicht in dieses Konzept.“ 

Vogt unterrichtete den Stadtrat über eine neue Situation, die in der Bauausschusssitzung noch nicht bekannt gewesen war: Die im Krankenhaus untergebrachte Dialysepraxis von Mitinvestor Dr. Töpfer muss voraussichtlich doch nicht ihren Platz in der Klinik räumen und ins geplante Ärztehaus übersiedeln. Im Vorfeld war von Eigenbedarf der Klinik die Rede gewesen. Diese Änderung, so Vogt, würde den geplanten Verbindungstrakt in Frage stellen, der auch von der Kranken- haus GmbH ausdrücklich befürwortet worden war. 

Nach Berechnungen der „Planungsgemeinschaft Ärztehaus Weilheim GmbH“ sind für den aktuellen Entwurf rund 80 Stellplätze nötig. In der Planung sind 33 oberirdische und 53 Stellplätze in einer eingeschossigen Tiefgarage nachgewiesen, klärte Stadtbaumeister Wolfgang Frank auf. Ihre Anzahl sei erneut zu überprüfen, sobald eine Detailplanung vorliegt. Laut Bürgermeister Markus Loth hat die Krankenhaus GmbH ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die angespannte Parksituation rund um die Klinik und mögliche Entlastungen aufzeigen soll. Loth: „Es ist aber noch nicht spruchreif.“ Der überarbeitete Entwurf für das Ärztehaus kam bei den Stadträten gut an. Sie befürworteten das Projekt als Aufwertung für den Medizin- standort Weilheim, machten aber deutlich, dass mit der Inbetriebnahme des Ärztehauses bestehende Arztpraxen benachteiligt werden könnten. 

„Mit diesem Plan können wir uns abfinden“, kommentierte Dr. Claus Reindl (BfW) den Entwurf, den auch Saika Merx (FDP), Uta Orawetz (CSU), Karl-Heinz Grehl und Alfred Honisch von den Grünen architektonisch gut gelöst finden. Orawetz gab zu bedenken, dass das Vorhaben von Weilheimer Ärztekollegen „teilweise kritisch gesehen“ wird. Honisch und Wolfgang Mini (FW) vermissen die Kommunikation der Investoren mit ihren Berufskollegen vor Ort. CSU-Stadträtin Marion Lunz-Schmieder sieht bei der Lösung der Parkplatzsituation „ein großes Problem auf die Stadt zukommen“. Parteikollege Stefan Zirngibl pflichtete ihr bei und stellte fest: „Die anfängliche Euphorie aus der Bauausschusssitzung ist jetzt verflo- gen.“ Aus den Reihen der BfW wurde gedrängt, das Projekt auf den Weg zu bringen, was dann auch einstimmig geschah. Bei zeitlichen Verzögerungen, das hatte Vogt dem Gremium klar gemacht, würde sich die Planungsgemeinschaftnach einem anderen Standort umschauen. In sechs bis zwölf Monaten, so der Stadtbaumeister, könnte ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegen.

Von Maria Hofstetter

Meistgelesene Artikel

Es war einmal...

Region – Geschichten dienen als kulturelles Gedächtnis der Gesellschaft und sie regen die Fantasie an. Eine Form des Geschichtenerzählens ist das …
Es war einmal...

Starker Start ins neue Jahr

Weilheim – Immer öfter kämpfen kleinere Geburtshilfeabteilungen ums Überleben – in der Weilheimer Frauenklinik scheint das nicht der Fall zu sein.
Starker Start ins neue Jahr

KönigsCard ab Mai

Landkreis – Die Gäste im Blauen Land, im Werdenfelser Land und im Allgäu nutzen sie bereits: Die KönigsCard, die ihnen im Urlaub zahlreiche …
KönigsCard ab Mai

Kommentare