Altes Schriftgut in neuen Räumen Bernrieder Gemeindearchiv in Rathaus verlegt – Ausstellung widmet sich Hausnamen

Auch der letzte Gouverneur von Kamerun, Seine „Excellenz“ Karl Ebermaier, bewohnte mit seiner Frau Helene von 1931 bis 1943 dieses Haus. Foto: Gemeindearchiv Bernried

Das Klosterdorf am Starnberger See hat eine reiche, bewegte Vergangenheit. Gemeindearchivarin Dr. Walburga Scherbaum sammelte über viele Jahre hinweg Dokumente aus alter Zeit, die jetzt im Untergeschoss des Rathauses einen würdigen Platz gefunden haben. Zur Einweihung des Archivs gibt die Ausstellung „Alte Hausnamen in Bernried – Einblick in die Geschichte des Dorfes“.

Die Zukunft, sagt uns eine gern zitierte Lebensweisheit, kann nur gut meistern, wer über seine eigene Vergangenheit Bescheid weiß. Die Ausstellung in dem neu geschaffenen Gemeindearchiv wird wohl bei manch älterem Bernrieder Erinnerungen wachrufen. Ihre Betrachter werden aber auch viel Neues erfahren. Zum Beispiel, wie der Name Gassenschuster („Schusterjakl“, früher Haus Nr. 3, Dorfstraße 2) entstand. Oder woher bei dem heute unter Denkmal stehenden blumengeschmückten Holzhaus am Reitweg 2 der seltsame Hausname „Stupper“ rührt. Bis in das 16. Jahrhundert lassen sich in Bernried einzelne Hausnamen zurückverfolgen. Ihre Herkunft war stets mit der Identifizierung von Personen und Häusern verknüpft und brachte die besonderen Merkmale der Bewohner zum Ausdruck („Kramer“, „Bäck“, „Bachwirt“). Ein Anwesen konnte so, ungeachtet vom Wechsel seiner Besitzer, eindeutig zugeordnet werden. Die unterschiedlichen Schreibweisen lassen darauf schließen, dass auf orthographische Regeln wenig geachtet wurde. Im Jahre 1808 trat, zur Bemessung der Grundsteuer, der erste Bernrieder „Häuser- und Rustikalkataster“ inkraft. Bis 1871 wurden die Hausnummern in Bernried mit Hausnamen ergänzt. Dies änderte sich wenige Jahre später mit der Einführung eines Reichsgesetzes, das die Erfassung von Geburt, Heirat oder Tod zur Pflicht machte. 1974 beschloss der Gemeinderat, auch im alten Ortskern Straßennamen einzuführen, die Hausnummern veränderten sich. Heute werden im Dorf kaum noch alte Hausnamen verwendet, wie Scherbaum in dem Begleitheft zur Ausstellung erklärt. Die Ausstellung „Alte Hausnamen in Bernried“ wird am Samstag, 20. Oktober, um 17 Uhr eröffnet, um 18 Uhr schließt sich die Einweihung der neuen Archivräume an. Bis zum 30. November bleibt die mit Fotos und Zeichnungen reich illustrierte Ausstellung im Rathaus an der Dorfstraße 26 aufgebaut. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei. hof

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