Soziale Betreuung der Asylbewerber überwiegend auf Ehrenamtliche abgewälzt

Von der Turnhalle in den Container

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Essen und schlafen in der Berufsschulturnhalle. Eine andere Möglichkeit, die von der Regierung geschickten Asylanten unterzubringen, gibt es zurzeit nicht.

Weilheim – Nach den Herbstferien, kündigte Bürgermeister Markus Loth an, sollen die Asylanten von der Berufsschulturnhalle in Wohncontainer umquartiert werden. Im Gespräch ist ein Firmengrundstück am Leprosenweg. „Wir müssen noch Verhandlungen führen“, erklärte Loth.

Ob diese Lösung sozialverträglicher ist? Pfarrer Jost Herrmann vom Unterstützerkreis (UK) Asyl bezweifelt es: „18 Leute mit unterschiedlichen Sprachen in einem Container, das ist kaum besser als in der Turnhalle. Diese Menschen können nicht miteinander kommunizieren und keinen Konflikt verbal austragen.“ Derzeit hätten sie nicht einmal Gelegenheit, ihre Wäsche zu waschen. 92 Asylsuchende, hauptsächlich Männer, wohnen zur Zeit in der Stadt und in Wielenbach. 43 haben in der Berufsschulturnhalle behelfsmäßig Schrank und Bett, zehn leben in Töllern, 13 in Privathäusern und zwei bei Stadtpfarrer Dr. Ulrich Lindl. 24 weitere Flüchtlinge haben in einem Wielenbacher Gasthaus Quartier bezogen. „Wo können wir unsere Wäsche waschen? Mich friert, wo gibt es Decken? Der Fernseher funktioniert nicht. Es ist so laut in der Turnhalle…“ Solche Aussagen bekommt der UK Asyl oft zu hören. Über 50 Weil- heimerinnen und Weilheimer helfen den Flüchtlingen, die die Regierung von Oberbayern zugeteilt hat, ihren Alltag zu meistern. Sie rekrutieren Übersetzer, geben Nachhilfe, vermitteln Kontakte, begleiten zu Ärzten und Behörden. Alles unentgeltlich, Tag für Tag. In den Privatquartieren seien die Flüchtlinge so gut integriert, dass sie als Asylsuchende in Weilheim kaum wahrgenommen werden, berichtete Alfred Honisch (Grüne) im Stadtrat. Weilheims Integrationsbeauftragter mach- te aber auch deutlich, dass sich Ehrenamtliche bis an ihre Kapazitätsgrenzen engagieren, wofür eigentlich der Staat zustän- dig wäre. Für einen Asylanten habe er nach einiger Überzeugungsarbeit sogar ein Bankkonto eröffnen können, freute sich Honisch. In die Freude mischt sich aber auch Unverständnis darüber, dass der Staat seiner Verpflichtung nicht nachkommt, für die soziale Betreuung der Asylbewerber zu sorgen. So müssten Ehrenamtliche in die Bresche springen. Für ihr Engagement sprach der Stadtrat den Unterstützern, von denen einige in der Sitzung anwesend waren, seinen Dank aus. „Die Wertschätzung hat uns gut getan“, sagte der UK-Vorsitzende Herrmann unserer Zeitung. „Man hat erkannt, dass die Stadt von unserer Arbeit profitiert.“ Herrmann hält eine sozialpädagogische Fachkraft, die nicht beim Ausländeramt angesiedelt ist, dringend für geboten: „Sie soll ein Scharnier zwischen Unterstützerkreis und Landratsamt sein.“ Ob der UK, bei dessen Einsätzen ja auch Kosten anfallen, von der Stadt finanziell unterstützt werden kann, wollte Honisch wissen und regte an, eine Resolution zu verfassen. Der Freistaat Bayern solle darin aufgefordert werden, die soziale Betreuung der Asylbewerber in Weilheim unverzüglich aufzunehmen. Bürgermeister Markus Loth verwies auf die Kreistagssitzung im Oktober, in der das Ausländeramt zu der Thematik Stellung nehmen soll.

„Die Situation in der Berufsschulturnhalle ist beschämend. Es gibt tatsächlich Leute in der Stadt, die sich an den Fenstern ihre Nasen platt drücken, um die Asylanten wie im Zoo zu beglotzen“, entrüstete sich Stadtrat Dr. Ulf Knabe (BfW). Karl- Heinz Grehl von den Grünen kritisierte das Landratsamt, viel zu spät mit der Wohnraumsuche für die Asylanten begonnen zu haben, was wiederum Ingo Remesch nicht unwidersprochen ließ: Das Ausländeramt habe nichts versäumt und früh auf die Quartiersuche gedrängt, so der SPD-Stadtrat.

Von Maria Hofstetter

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