Plakat-Aktion sorgt für Ärger

BDM: CSU und Bauernverband schuld am Milchpreisverfall

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Mit insgesamt 30 solcher Transparente macht der BDM-Kreisverband im ganzen Landkreis CSU und Bauernverband für die Milchpreis-Misere verantwortlich.

Landkreis – Sie sind nicht zu übersehen: „Quotenende, Milchpreisabsturz auf 30 Cent – CSU und Bauernverband treiben die Bauern in den Ruin“ heißt es auf den riesigen Plakaten, die seit dieser Woche im ganzen Landkreis stehen. Der Bundes-verband Deutscher Milchviehhalter Weilheim-Schongau will damit auf die schwierige Situation der Landwirte aufmerksam machen. Beim so angegriffenen BBV zeigt man sich ob der Schuldzuweisung erzürnt.

2009, 2012 und jetzt 2015: Zum dritten Mal binnen weniger Jahre ist Krisenstimmung bei den Bauern. Der Milchpreis kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. „Die Nerven liegen blank“, sagt Bernhard Heger. Der BDM-Kreisvorsitzende ist als Landwirt mit 65 Kühen selbst betroffen von der Entwicklung. 

Schuld daran, so ist auf den großen Plakaten seines Verbands im ganzen Landkreis zu lesen, trügen CSU und Bauernverband. Dies sei eine nüchterne Erkenntnis und keine Provokation, betont Heger, schließlich stelle die CSU den Landwirtschaftsminister in Bayern und im Bund, mit denen der Bauernverband eng zusammenarbeite. Beide hätten aus den vergangenen Krisen nichts gelernt. „Es wurde verpasst, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Bauern eine Perspektive haben“, wettert Heger. Mit der Milchquote sei stattdessen das letzte Instrument aufgegeben worden, das eine „gewisse Bremswirkung“ gehabt habe. 

Um das Überangebot am Markt, das für den niedrigen Milchpreis verantwortlich sei, zu reduzieren, müsse die Produktion zurückgefahren werden, fordert er. „Da brauchen wir eine europäische Regelung.“ Als Anreiz schlägt Heger vor, die Bauern für weniger Milchlieferungen finanziell zu entschädigen. Die dafür nötigen Mittel könnten aus den Strafzahlungen bestritten werden, die die Bauern vor Abschaffung der Quote geleistet hätten. 

Doch statt eine Verringerung der Produktion zu unterstützen, fordere der BBV, noch mehr zu produzieren für noch weniger Geld, schimpft der BDM-Kreisvorsitzende. „Das ist pervers.“ 

Beim Bauernverband weist man die Anschuldigungen scharf zurück und kritisiert die Plakat-Aktion als „bedauerlich“, da sie, so Wolfgang Scholz, „grundlegend falsche Informationen“ verbreite. So habe die Milchpreis-Misere überhaupt nichts mit dem Wegfall der Milchquote zu tun, stellt der Kreisvorsitzende des Bayerischen Bauernverbands fest. 

Er verweist stattdessen auf die eingebrochene Nachfrage durch die Entwicklungen in China und Russland. „Die Entscheidung über den Milchpreis fällt am internationalen Markt.“ Aus diesem Grund hält Scholz auch nichts von einem europäischen Milchmengenmanagement, das schließlich auch nur wieder eine Quote sei. 

Dass der BBV die Belange der Milchbauern nicht unterstütze, weist Scholz von sich. Man setze sich im Gegenteil auf politischer Ebene für eine ganze Palette an Maßnahmen ein. Dabei gehe es unter anderem darum, Exporthürden abzubauen, um so den Absatz von bayerischen Milchprodukten weltweit zu erleichtern. 

Auch eine Erhöhung des Interventionspreises, also ab wann die EU Milch aufkauft, um sie als Milchpulver einzulagern und so aus dem Markt zu nehmen, stehe auf der Agenda. „Die derzeit geltenden 21 Cent sind zu niedrig. Wir brauchen mindestens 25 Cent.“ 

Eine Mitschuld am Verfall des Milchpreises gibt Scholz auch den Discountern. Diese würden die Preise aus Wettbewerbsgründen senken ohne Not des Marktes.

Staffelfahrt als Zeichen des Protests:

Um auf die angespannte Situation der Milchviehhalter aufmerksam zu machen, hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu einer Staffelfahrt durch ganz Deutschland aufgerufen. Feste Schleppergespanne fahren seit vergangenen Montag auf vier Routen bis nach München und werden von Milchviehhaltern aus der Region mit ihren Traktoren begleitet. 

Die Teilnehmer der Süd-West-Route erreichen am kommenden Montag den Landkreis Weilheim-Schongau. An der Kreuzung Erbenschwang erfolgt die Staffelübergabe vom Team Baden-Württemberg an das Team Bayern. Anschließend sind Stippvisiten bei der Molkerei Hochland in Schongau sowie dem CSU-Wahlkreisbüro in Peißenberg geplant. Am Dienstag geht es für die Demonstranten weiter nach München zur großen finalen Kundgebung am Odeonsplatz.

Christoph Peters

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