Bernrieder Sommerkeller wird seiner alten Bestimmung zugeführt

Ausbau im Zeitplan

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Bürgermeister Josef Steigenberger unter dem imposanten Backsteingewölbe des Bernrieder Sommerkellers.

Bernried – Das Buchheim-Museum, die Klinik Höhenried, zwei Landschaftsparks, ein Kloster, eine Bahnstation, eine Grundschule, Kindergärten und bald noch eine neue Turnhalle sowie ein topausgebautes Gemeindezentrum mit historischer Veranstaltungsstätte: Es wird vermutlich nur wenige Dorfgemeinden geben, die infrastrukturell so gut ausgestattet sind wie Bernried.

Kein Wunder, dass die 2200 Einwohner-Kommune mit ihren 750 Hotelbetten auch in Bezug auf die jährlichen Übernachtungszahlen – zuletzt waren es rund 270 000 – der absolute Spitzenreiter im Landkreis Weilheim-Schongau ist. Man setzt hier auf den sanften Tourismus. Die Landschaft und der Starnberger See sind natürlich die Hauptattraktionen – und kulturell soll neben dem Buchheim-Museum und dem Kloster eben bald auch der geschichtsträchtige Sommerkeller unterhalb des Rathauses zu einem überregionalen Anziehungspunkt werden.

Der Ausbau des 1 400 Quadratmeter großen Backsteingewölbes, das von 1860 bis 1910 der damaligen Schlossbrauerei als Bierkeller diente, ist ein zentrales Projekt im Zuge der zweiten Ausbaustufe des Bernrieder Gemeindezentrums. Die Kommune hatte den Keller Anfang der Jahrtausendwende vom Hofgut gekauft und parallel zum Rathausneubau in den Jahren 2003/2004 die ersten Sanierungsmaßnahmen zur Gebäudesicherung in Auftrag gegeben. Der Sommerkeller wurde seitdem bereits wieder provisorisch für verschiedene Veranstaltungen genutzt.

So wie früher: Ab 1870 fanden dort in den Herbstmonaten, wenn die Bierfässer nicht mehr unterirdisch gelagert werden mussten, regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Mehrere Stiftungsfeste des Veteranenvereins Bernried gingen ebenso über die Bühne wie Bezirksfeuerwehrtage oder im Jahr 1880 das „Wittelsbacher Jubiläum“. Auch gab es im Sommerkeller musikalisch zum Teil hochkarätig besetzte Konzerte mit Solisten aus München und Berlin.

„Der Sommerkeller war immer schon etwas Besonderes. Jetzt wird er seiner alten Bestimmung wieder zugeführt“, schwärmt Bürgermeister Josef Steigenberger über den „Festtempel“. Neben dörflichen Feiern sollen dort künftig Tagungen, Konzerte, Kongresse und Firmenveranstaltungen stattfinden. Durch die Fremdvermietungen will man einen Teil der Unterhaltskosten refinanzieren.

Der Ausbau des Sommerkellers wird von einem breiten politischen Konsens getragen. Lediglich die SPD-Fraktion im Bernrieder Gemeinderat lehnt ihn strikt ab: Nach Meinung der Genossen ist das Projekt zu teuer und aufwändig. Außerdem gebe es kein wirtschaftlich schlüssiges Betriebskonzept.

Inklusive der ersten Baustufe und der jetzigen Errichtung des Verbindungsbaues – unter anderem für die Touristeninfo und die Gemeindebücherei – schlagen die Baukosten nach derzeitigem Stand alles in allem mit rund neun Millionen Euro zu Buche. Allerdings wurde respektive wird ein ordentlicher Teil dieser Summe über die Zuschussmittel der Städtebauförderung gedeckt.

Unter dem Strich wird die Gemeinde Bernried wohl „nur“ rund vier Millionen Euro aus eigener Tasche berappen müssen: „Das ist für so ein Objekt nicht viel. Ganz im Gegenteil“, betont Steigenberger: „Der Sommerkeller verschafft uns ein Alleinstellungsmerkmal. Er tut unserem Dorf gut.“

Bis zum Spätherbst sollen dann die Arbeiten an der Außenfassade abgeschlossen sein. Danach geht es je nach Haushaltslage der Gemeinde mit dem Innenausbau weiter. Laut Bürgermeister Steigenberger liegen die Bauarbeiten bislang voll im Zeitplan. Er erklärt: „Wir versuchen, den Bau gleichmäßig vorwärts zu bringen.“

Von Bernhard Jepsen

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