20 Jahre Betreuungsrecht: Vereine zogen in Weilheim ihr Resumee

Plötzlich Pfegefall – und dann?

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Weilheim – Ein Unfall, ein Herzinfarkt oder eine psychische Krankheit – jeden kann es treffen. Doch wie geht es weiter? Was passiert mit einem Menschen, der nicht mehr selbst für seine Angelegenheiten sorgen kann? Wer regelt Bankgeschäfte für ihn, kümmert sich um die ärztliche Versorgung oder persönliche Wünsche und entscheidet im schlimmsten Fall über Leben oder Tod? Viele dieser Fragen sind im Betreuungsrecht detailliert geregelt. 

Mit großen Erwartungen wurde dieses vor 20 Jahren beschlossen. Aus der Vormundschaft wurden Gesetze, die Wunsch und Wille des Betreuten in den Vordergrund rückten. Kürzlich zogen Betreuungsvereine und Betreuungsstellen im Pfarrheim Miteinander Resumee. 

Von „Perspektivenwechsel“ und „Jahrhundertreform“ war einst die Rede, erinnerte sich Horst Böhm, leitender Oberstaatsanwalt, zurück. Doch auch negative Stimmen wurden seinerzeit laut. Heute, glaubt Böhm,  sei das „Speeddating aller Professionen“, wie er die Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen mit einem Augenzwinkern nannte, grundsätzlich gelungen: „Zum großen Teil kann man mit der Rechtssprechung zufrieden sein. Dennoch sehe er weiteren Handlungsbedarf. Beispielsweise seien einige Definitionen veraltet oder zu schwammig. 

Rund 1 750 Personen im Landkreis haben einen Betreuer, fasste Landrat Dr. Friedrich Zeller zusammen. 60 Prozent der Betreuer arbeiten ehrenamtlich. Das Wesen der Betreuung besteht darin, dass für eine volljährige Person ein Betreuer bestellt wird, der in einem festgelegten Umfang für sie handelt. 

Psychisch Kranke oder auch seelisch, geistig oder körperlich Behinderte können die Unterstützung bekommen. Das Spektrum reicht von Neurosen und Persönlichkeitsstörungen über Suchterkrankung bis zur angeborenen Behinderung. Vor allem sind aber immer mehr ältere Menschen betroffen. Wird ein Betreuer genehmigt, kümmert dieser sich, je nach Bedarf, um Vermögens-, Renten- und Wohnungsprobleme aber auch um Fragen der Gesundheitsfürsorge und des Aufenthalts. Der Betreuer kann ein nahestehender Mensch sein, aber auch ein Mitglied eines Betreuungsvereins oder ein Berufsbetreuer. 

Damit ein möglichst selbstbestimmtes Leben auch im Betreuungsfall möglich ist, ist es ratsam, sich um Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung zu kümmern. Nur so kann gewährleistet werden, dass im Ernstfall so entschieden wird, wie der Betroffene es wünscht. Hilfe dabei gibt es beispielsweise beim Caritasverband, Tel. 0881/90959011, der AWO, Tel. 08803/9009055, oder beim Verein Lebensbeistand der Diakonie, Tel. 08861/25330.                                                                                                                         Von Ursula Gnadl

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