Gemeindewerke Peißenberg ziehen nicht in das "BHS-Bürohaus" ein

Kaufpläne sind vom Tisch

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Das BHS-Bürogebäude diente zu Bergwerkszeiten als Verwaltungsunterkunft. Die heute zum Evonik-Konzern gehörende BHS soll bis Jahresende in einer anderen Unternehmensgesellschaft aufgehen. Zur BHS gehörten auch die Bergwerksgruben von Peißenberg und Peiting. Im Zuge des Strukturwandels steht der markante Bürokomplex nun zum Verkauf.

Peißenberg – Im Rathaus herrscht akute Raumnot. Betroffen davon sind vor allem die in engen Büros im Erdgeschoss untergebrachten Gemeindewerke. In der Markt- ratssitzung wurde erstmals öffentlich über das Problem debattiert. Das Gremium sprach sich mit großer Mehrheit für den Bau eines Nebengebäudes aus.

Intern wurde über die Raumnot öfters diskutiert, zuletzt soll es im Verwaltungsrat der Gemeindewerke zu heftigen Streitereien gekommen sein. Werk- leiter Uwe Horn hatte dort erneut seine Präferenz kundgetan, das ehemalige Verwal- tungsgebäude der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (BHS) an der Bergwerkstraße als Ausweichquartier für das Kommunalunternehmen (KU) zu kaufen. Doch damit stieß der KU-Chef auf heftigen Widerstand des Personalrats, der an der organisatorischen Nähe zur Rathausverwaltung festhalten will. Außerdem verweisen Mitarbeiter auf den Sanierungsbedarf, der im 1959 errichteten BHS-Bürokomplex für die Werke entstehen würde. Auch im Gemeinderat erhielten Horns Pläne eine deutliche Abfuhr: Bei nur zwei Gegenstimmen von Jutta und Klaus Geldsetzer (beide SPD) wurde die „Empfehlung“ ausgesprochen, die Neubauvariante weiterzuverfolgen. Vize-Rathaus- chef Hans Streicher regte an, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: „Wir haben schon lange vor, den Rathausplatz neu zu gestalten. Da wäre es jetzt sinnvoll, ein Angebot von unserem Stadtplaner erarbeiten zu lassen.“ Horn blieb nichts anderes übrig, als Kompromissbereitschaft zu zeigen: „Das Projekt BHS ist vom Tisch. Das ist in Ordnung so, aber es wurde zu wenig über die Chancen diskutiert.“ Der Kauf des BHS-Gebäudes, so der KU-Chef, hätte die Werke und letztlich die Bürger finanziell am wenigsten belastet. Dem Erwerbs- und Sanierungsaufwand wären adäquate Einnahmen durch die Vermietung nicht genutzter Büroräume entgegengestanden. Den Marktrat überzeugten Horns Argumente nicht. Die Räte waren sich lediglich nicht ganz einig, wie schnell der Neubau realisiert werden soll. Während CSU/Parteilose aufs Tempo drücken wollen, warnte Robert Halbritter vor übereilten Entscheidungen. Bei den Gemeindewerken, so der SPD-Gemeinderat, würden demnächst wichtige Entscheidungen mit eventuellen personellen Veränderungen anstehen. Öffentlich könne man dazu noch nichts sagen. Zur kurzfristen Deckung des Raumbedarfs könnten Büros im näheren Umfeld des Rathauses angemietet werden. Für ein neues Bürogebäude neben dem Rathaus und einem zusätzlichen Raumbedarf von rund 250 Quadratmetern hat Marktbaumeister David Oppermann Kosten von rund 430 000 Euro ermittelt. Ein Entwurf des Schongauer Architekten Fritz Weinberger über 734 000 Euro wurde zuvor ad acta gelegt. Die Kalkulation erschien den Werken als zu hoch. Wie es in der Sitzung hieß, sollen die Baukosten für den Neubau komplett vom KU getragen werden. 

Werke im Plus trotz Rigi-Rutsch`n

Die Gemeindewerke haben im zurückliegenden Wirtschaftsjahr erneut schwarze Zahlen geschrieben. Das Kommunalunternehmen (KU) weist in seiner Abschussbilanz für 2012 ein positives Gesamtergebnis von 449 000 Euro aus (2011: 85 000). „Die Zahlen sind zufriedenstellend“, kommentierte Werkleiter Uwe Horn auf Nachfrage den vorgelegten Jahresabschluss. Die Kapitalstruktur des KU sei „gut aufgebaut“, auch wolle man die Werke im Bereich der „Schwarzen Null“ halten. Die auf den ersten Blick recht ansehnlich wirkenden Zahlen verbergen aber einige Fallstricke: Der Überschuss im Abwasserbereich (613 000 Euro) drückt das Gesamtergebnis zwar ordentlich nach oben, ist aber eigentlich nur eine fiktive Größe, da mit dem Betrag in der rein kostendeckend zu betreibenden Sparte angefallene Defizite aufgefangen werden müssen. Sind die Unterdeckungen kompensiert, ist das KU verpflichtet, die Gebühren nach unten zu korrigieren, was sich negativ auf die Einnahmen auswirkt. Ein tiefes Loch in die Bilanz reißt die „Rigi-Rutsch’n“ (Defizit 2012: 703 000 Euro, Besserung nicht in Sicht). Kritische Stimmen behaupten seit Jahren, dass der Freibadbetrieb über die kommerziell orientierte Strom-Vertriebssparte (2012: + 509 000 Euro) subventioniert wird: Der Stromkunde zahlt über seine Stromrechnung für das Freibaddefizit mit. Horn hält dagegen: Zunächst müsse jede Betriebssparte getrennt voneinander betrachtet werden. Außerdem würde sich der steuerliche Querverbund zwischen der Rigi-Rutsch’n und anderen Sparten positiv auf die Gesamtbilanzierung auswirken.„Es könnte sein, dass wir nächstes Jahr eine weitere Sparte dazu bekommen“, sagt Horn, ohne Details preiszugeben. Möglich sei ein Engagement im Erdgasgeschäft oder auch im Bereich der Wärmeversorgung: „Da wird derzeit geprüft, ob das alles wirtschaftlich ist“, so Horn.

Von Bernhard Jepsen

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