"Wiesengipfel" in Pähl? – Bürgerin initiiert Unterschriftensammlung

Streit um Biotoppflege am Hirschberg

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Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer mit dem Flurplan rund um die Hirschbergalm.

Pähl - In Brüssel gibt’s den Krisengipfel, in Pähl könnte bald ein „Wiesengipfel“ stattfinden. Denn gestritten wird um die Pflege der naturgeschützten Gemeindewiesen am Hirsch- und Eichberg. Widersprüchliche Aussagen der Parteien und eine Unterschriftensammlung für einen Bürgerantrag sorgen derzeit für Verwirrung.

Da sind auf der einen Seite Dr. Helmut Hermann, Vorsitzender der Kreisgruppe Weilheim-Schongau im Bund Naturschutz Bayern (BN) und seine Sprecherin Hildegard Kosmann sowie Christine und Winfried Simon, die derzeit Unterschriften von Befürwortern eines Bürgerantrags in der Postfiliale Pähl sammeln. Auf der anderen Seite verteidigen Bürgermeister Werner Grünbauer und die Mehrheit des Gemeinderats ihren Standpunkt einer ganzheitlichen Lösung.

Vordergründig geht es um die von der Gemeinde seit einem Jahr nicht mehr durchgeführte Mahd, das fachgerechte Mähen des ökologisch wertvollen Hangs unterhalb der Hirschbergalm an der B 2. Der Steilhang ist berühmt für seine einzigartige Blumenpracht wie Enziane, Kalkastern, Küchenschellen, Ragwurz und anderen Orchideen. Durch das ausgefallene Mähen gewinnen hohes Gras und junge Eichen langsam die Oberhand und verdrängen die seltenen Blütenpflanzen.

Bis vor einem Jahr haben ehrenamtliche Helfer des BN für die Mahd gesorgt. Die Pflege der Gemeindegrundstücke am Hirsch- und Eichberg wurde dieses Jahr dem BN entzogen. Eine anderweitige Vergabe der Mäharbeiten sei aber bisher nicht erfolgt.

Bürgermeister Grünbauer betont in seiner Stellungnahme sehr wohl das Interesse der Gemeinde an der Erhaltung der artenreichen Magerwiesen. Aber das Aussetzen der Mäharbeiten sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden, nachdem insbesondere zum Hirschberg wie auch zur Pähler Schlucht noch einige Ungereimtheiten zu klären sind. Zudem sei das bisherige Pflegekonzept aus Sicht der Gemeinde unzureichend. Um eine baldige und einvernehmliche Lösung des Pflegeproblems voranzutreiben, haben sich Winfried und Christine Simon für die Unterschriftensammlung zu einem offiziellen Bürgerantrag entschieden.

Bürgermeister Grünbauer wehrt sich in seiner Stellungnahme auch gegen die Pläne des BN-Kreisvorsitzenden Hermann, den Weg in die Pähler Schlucht für die Öffentlichkeit zu sperren. Grünbauer beharrt auf die Zugänglichkeit für alle Bürger.

Angesprochen auf das angebliche „Betretungsverbot“ für Mitglieder des BN stellt Grünbauer klar: „Das Verbot der Betretung bezieht sich nur auf gewerblich durchgeführte Führungen, wie sie Dr. Hermann mit seiner Firma Alpenvorland-Natouristik veranstaltet. Dies ist nicht tolerierbar.“ Normalen Bürgern und Mitgliedern der Naturschutzverbände sei der Zutritt selbstverständlich möglich.

Konkret erwartet der Pähler Gemeindechef vom BN und von den Behörden ein Gesamtkonzept, das alle Belange dauerhaft sicherstellt. Es sei nicht zu vermitteln, dass der Zutritt nur noch Naturschutzverbänden zu naturkundlichen Zwecken gewährt wird und normale Bürger ausgeschlossen werden. Statt dessen werde das in seinen Augen unrealistische Projekt einer Aussichtsplattform in der Pähler Schlucht vorgeschlagen, das einen massiven Eingriff in die Natur darstellen würde.

Von Dieter Roettig

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