Apnoetaucher aus Pähl holt zwei deutsche Rekorde

Im Reich der blauen Tiefe

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„Free Immersion“ - Tommy hing am Seil fest und kam auf eine Tiefe von 82 Meter.

Pähl/Dahab (Ägypten) – Drei tiefe Atemzüge, den Puls runterbringen und dann abtauchen in die Tiefe des blauen Meeres. Thomas Reiner ist Apnoetaucher, also Freitaucher, und holte vor kurzem zwei deutsche Rekorde von drei existierenden Wettkampfdisziplinen Tieftauchen.

In Dahab, ein kleines Fischerdorf bei Sharm El Sheikh, bereitete sich der 36-jährige Pähler einige Monate auf den Wettkampf vor. In der Disziplin „Konstantes Gewicht“ tauchte er mit einer Flosse an einem Führungsseil 86 Meter tief - und das in zweieinhalb Minuten. „Free Immersion“ - dabei zieht sich der Apnoetaucher an dem Führungsseil hinunter und wieder rauf. Tommy, wie er sich selbst auch nennt, schaffte so 82 Meter in etwas mehr als drei Minuten. 

 Die erste Frage, die man sich stellt, wenn man dem passionierten Freitaucher zuhört, ist: Bleibt einem nicht die Luft weg? „Nein, Freitauchen ist 80 Prozent Kopfsache“, erklärte Tommy. Das Atmen ist ein unwillkürlich Vorgang. Man kann es aber auch bewusst steuern. Durch den steigenden Kohlendioxidgehalt des Blutes wird der Atemreiz ausgelöst. Bei gezieltem Training ist die Tauchdauer dagegen hauptsächlich durch den Sauerstoffgehalt des Blutes begrenzt. Fällt sein Partialdruck unter eine individuelle Grenze, wird der Taucher ohnmächtig. Schnelleres oder bewusstes Atmen führt daher nicht zu einer Erhöhung des Sauerstoffs im Körper, sondern zur Absenkung des Kohlendioxidgehalts im Blut. Je nach Dauer und Intensität der Voratmung vor dem Tauchgang kommt es zu einem verzögerten Atemreiz. Dieser kann sogar erst nach dem Unterschreiten des notwendigen Sauerstoffgehalts einsetzen. In der Tiefe des Meeres steigt der Umgebungsdruck – je zehn Meter um etwa + ein bar. Diese Druckzunahme wirkt auf alle luftgefüllten Körperhöhlungen. Umso tiefer man taucht, verändern sich die Gaspartialdrücke. Den Druckunterschied merkt der Taucher durch einen heftigen Schmerz im Ohr. 

„Da gibt es verschiedene Techniken, um für den Druckausgleich zu sorgen. Ab einer gewissen Tiefe mache ich das mit Hilfe der Zunge“, erklärte Tommy beim Besuch in der Redaktion. Der Luftdruck in diesen Körperhöhlungen muss häufig gegen den Außendruck angeglichen werden. Hierzu presst er wiederholt Luft aus seinen Lungen in die Höhlungen. Die Lunge selbst ist jedoch bereits in etwa 25 bis 35 Meter Tiefe auf das Volumen bei maximaler Ausatmung komprimiert. Die Faszination zum Apnoetauchen begann vor 13 Jahren und 2006 begann seine Leidenschaft in Thailand. Er begann mit 30 und dann mit 40 Metern. 

„Eigentlich ist Freitauchen eine der faulsten Sportarten, die es gibt“, lachte er. In der Vorbereitungsphase trainierte er fleißig seine Kondition und machte Fitnessübungen. Als er dann anfing tiefer zu tauchen, hörte mit dem Training auf. Dann setzte er zwei neue deutsche Rekorde. „Bei einer Competition bin ich immer nervös. Mein letzter Wettkampf war die Hölle. Man muss ruhig sein. Ich hatte Glück, dass mein erster Tauchgang funktionierte und mein Selbstvertrauen gestiegen ist“, erzählte er. No risk, no fun? Ganz wichtig: Nicht in Panik geraten und sich konzentrieren - denn „In der Tiefe passiert normalerweise gar nichts.“ Es ist, wie Tommy es beschreibt, immer ein bisschen Angst dabei. Der psychische Druck ist zu spüren. „Der Respekt hält dich am Leben. Es gibt Leute, die sich überschätzen. Ist man in 80 Meter Tiefe, muss man bedenken, dass man da auch wieder hoch muss. Es ist wichtig, eine gesunde Einstellung zu haben. Was kann ich und was traue ich mir zu?“ Mit der Einstellung „No risk, no fun“ kommt man nicht weit. Beim Hochtauchen kann es schon passieren, dass es einen „zerlegt“, wenn der Umgebungsdruck sinkt. Magische 100 erreichen 

Das nächste Ziel von Tommy Reiner ist? „Nun, ich möchte auf alle Fälle die magischen 100 Meter erreichen. Der Reiz ist da noch etwas draufzupacken“, sagte er. Der studierte Fachinformatiker ist seit 2011 im deutschen Nationalteam der Apnoetaucher und sieht diesen Sport nicht wirklich als Trendsport an. Es gibt Wettkampfsparten und der Russe Alexey Moltchanov tauchte im November 2013 in Kalamata 128 Meter tief. Er hält nach AIDA International den offiziellen Weltrekord im „Tieftauchen konstantes Gewicht“. Damit Tommy seine magischen 100 Meter auch schafft, muss es noch üben. Im Weilheimer Hallenbad hätte er die Möglichkeit. Es fehlt ihm aber jemand, der an diesem Sport interessiert ist. Denn alleine an seine Grenzen gehen, sollte man auf keinen Fall. Wer Interesse hat, kaann den Apnoetaucher über facebook unter Tommy Reiner finden.

Alma Jazbec

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