Kunstwerke "brechen aus" und empfangen die Besucher: Ein offener Prozess

"Wunderwelt Bernried"

+
Dorf, Landschaft und Buchheim-Museum (roter Pfeil) sollen bald zur „Wunderwelt Bernried“ verschmelzen. Unser Bild zeigt bei der Präsentation der Konzepte die Studenten mit v. li. Felix Lüdicke und Prof. Regine Keller (TU München) sowie Museums-Direktor Daniel J. Schreiber.

Bernried – Bernried, mit 2 200 Einwohnern eines der schönsten Dörfer am Starnberger See, hat ein „Problem“, um das es andere Gemeinden beneiden: Fast 267 000 Übernachtungen wurden letztes Jahr in den rund 1 000 Gästebetten gezählt, dazu kommen vor allem im Sommer viele Tausende Tagestouristen.

Aber die Ziele und Intentionen der Besucher sind sehr verschieden. Die einen suchen Bade- und Seglerspaß im See. Die anderen Naturgenuss im Höhenrieder und Bernrieder Park mit seinen mächtigen Eichen und Buchen oder im Bernrieder Filz, einem der ältesten Moorschutzgebiete Bayerns. Wieder andere bestaunen den Altort mit seinen Baudenkmälern und schmucken Holzhäusern – und da ist schließlich noch das Museum der Phantasie mit den weltberühmten Sammlungen des Malers und Schriftstellers Lothar Günther Buchheim. Die Wahrnehmung der Besonderheiten Bernrieds ist also geteilt. Alles nah beisammen, aber doch irgendwie verschiedene Welten!

Aus einem Feierabendbier in der Dorfgaststätte „Drei Rosen“ wurde für Bürgermeister Josef Steigenberger und Museumsdirektor Daniel J. Schreiber ein lange nicht endendes Brainstorming: Wie kann man Dorf und Museum in ein Netz von naturräumlichen, künstlerischen und architektonischen Attraktionen miteinander verweben, zu einem Mittelpunkt einer entdeckungswürdigen Landschaft?

„Wunderwelt Bernried“ wurde dieses Gesamtkonzept betitelt, für das schnell kompetente Mitstreiter gewonnen werden konnten: Prof. Res Ingold (Akademie der Bildenden Künste München), Professor Regine Keller (Lehrstuhlinhaberin für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum der Technischen Universität München) und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Felix Lüdicke. Auch der Bernrieder Gemeinderat befasste sich im Februar positiv mit der Idee und beantragte für die Umsetzung EU-Fördermittel aus dem Leader-Programm.

Als erster Schritt wurden elf Studenten aus dem Bachelorstudiengang Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung mit einer „aktionistischen Recherche“ beauftragt, nämlich dem „Bernried Arrival“, Ankommen in Bernried. Ob mit der Bahn, dem Auto oder dem Schiff, mit dem Fahrrad oder zu Fuß – Besucher hätten hier ein „eher wenig angenehmes und phantasievolles Ankommen“. Nach tagelangen intensiven Exkursionen und Analysen haben die Studenten nach monatelanger Arbeit jetzt vier gehaltvolle, amüsante und auch provokative Entwürfe vorgelegt, die noch bis zum 6. November im Buchheim-Museum zu bestaunen sind: „s‘Klupperl für Bernried“, „Mississippi Wonderland“, „Parks der Phantasie“ und „Reise der Phantasie“. Bei letzterem stellen sich Lisa Fitzek, Martin Rehm und Brian Schulz vor, dass einzelne Kunstwerke aus dem Museum „ausbrechen“ und sich ihren Weg in die Landschaft suchen. An wechselnden Standorten im gesamten Gemeindegebiet sollen Duplikate (aus Glasfaser und Epoxidharz) von „Lufttaxi“, „Töff Töff“, „Pferde-Zirkel“ oder „Sitzgold“ aufgestellt werden und mit den ankommenden Besuchern bereits eine Beziehung aufbauen. So werde ganz Bernried zu einem Museum.

Nach der Eröffnung der Sonderausstellung „Wunderwelt Bernried“ marschierten Studenten und Gäste mit Picknick-Körben durch die wunderbare Landschaft rund um Bernried und Museum und erläuterten an Ort und Stelle ihre Konzepte, die vielleicht bald ganz oder teilweise umgesetzt werden. Wie betonte Museumsdirektor Daniel J. Schreiber doch: „Wunderbares wird hier in Bernried geschehen. Was genau es sein wird, wissen wir noch nicht. Es ist ein offener Prozess!“ Über den wird übrigens am Samstag, 15. Oktober, mit den Bürgern von Bernried diskutiert. Bürgermeister Josef Steigenberger und das Museum laden hierzu bei freiem Eintritt ein.

Von Dieter Roettig

Meistgelesene Artikel

Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Schongau – Mit dem Zug von Schongau nach München ohne umzusteigen: Bislang ist das für Fahrgäste der Pfaffenwinkelbahn nur ein Wunschtraum. Ginge es …
Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Hoher Peißenberg ist Gipfel der Klimaforschung

Hohenpeißenberg– Mit einem Mausklick startete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vom Hohen Peißenberg aus den Dauerbetrieb der Messstation …
Hoher Peißenberg ist Gipfel der Klimaforschung

Auf frischer Tat ertappt

Schongau/Peiting – Waren da die gleichen Täter am Werk? Am Sonntagabend ist es der Polizei gelungen, einen Einbrecher in Schongau zu verhaften. Seine …
Auf frischer Tat ertappt

Kommentare