Münchner Architektenbüro gewinnt Wettbewerb für Peißenberger Bürgerhaus und Jugendzentrum

"Ein starker städtebaulicher Akzent"

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Freuten sich über den ersten Preis beim Architektenwettbewerb: Stefan Grassler (2.v.l.), Thomas Pfeiffer (3.v.l.) und Edgar Brian (4.v.l.). Mit auf dem Bild Bürgermeisterin Manuela Vanni und Prof. Ulrich Holzscheiter.

Peißenberg – Braucht es dafür wirklich einen Architektenwettbewerb? Im Marktgemeinderat gab es durchaus kritische Stimmen, ob für den zwischen Bergwerkstraße und Schongauer Straße vorgesehenen Kombinationsbau „Bürgerhaus-Jugendzentrum-Café“ tatsächlich so viel Planungsaufwand betrieben werden muss.

Die Regierung von Oberbayern machte den Wettbewerb aber zur Bedingung für die finanzielle Projektförderung – und damit war das Thema schnell erledigt.

Bei der Präsentation des Wettbewerbssiegers und der gleichzeitigen Ausstellungseröffnung der 15 eingereichten Entwürfe ließ der Münchener Professor Ulrich Holzscheiter ebenfalls keinen Zweifel am Sinn und Zweck des Wettbewerbs: „Keinen zu machen, wäre ein eklatanter Fall von kommunalpolitischer Verantwortungslosigkeit“, so der Fachpreisrichter. Es gehe darum, möglichst viele Varianten gegeneinander abzuwägen: „Durch die Konkurrenz werden die Kollegen bis aufs Äußerste stimuliert“, erklärte Holzscheiter.

Am meisten stimuliert wurde demnach das Büro „abp, Burian + Pfeiffer“, das einstimmig zum Wettbewerbssieger gekürt wurde. Die Münchner Architekten überzeugten mit ihrem Entwurf derart, dass die aus Fachleuten und Gemeinderäten bestehende Jury keinen zweiten Preis vergab. Damit sollte der qualitative Abstand zu den nachfolgenden Arbeiten unterstrichen werden.

In seiner Beurteilung führte das Preisgericht aus, dass der geknickte und mit einem Pultdach versehene Baukörper „einen starken städtebaulichen Akzent an der Nahtstelle der beiden Peißenberger Ortsteile“ setzt sowie „dicht und markant an die Schongauer Straße heranrückt und so bestmöglich im öffentlichen Raum präsent ist“. Andere Entwürfe richteten die Baukörper stattdessen mehr in das Blickfeld der Bergwerkstraße, was bei der Jury nicht so gut ankam. Laut Holzscheiter ist der „abp“-Entwurf zudem funktionstüchtig, sehr gut in das bestehende Wegenetz eingebunden und im Gegensatz zu manch anderen Wettbewerbsarbeiten „nicht zu nobel und nicht zu feierlich“. Auch die finanzielle Nachhaltigkeit sei bei dem eingeschossigen und behindertengerechten Bau gegeben.

Der Entwurf werde sich vermutlich zu „vertretbaren Kosten“ umsetzen lassen: „Die Doppelnutzung mit Bürgerhaus und Jugendzentrum ist hervorragend gelöst“, lobte Holzscheiter.

Aber ganz ohne Kritik kam auch der erste Preisträger nicht davon. Dass der gewöhnlich eher wenig Wasser führende Wörthersbach, wie von „abp“ beschrieben, „über Stufen entlang der Schongauer Straße erlebbar“ gemacht werden könnte, bezweifelt Holzscheiter: „Das kann höchstens etwas werden, wenn am Hohenpeißenberg die Gletscher schmelzen.“ Auch die dunkle Holzfassade rügte der Jury-Vorsitzende: „Das ist deplaziert für ein Jugendzentrum. Aber in den Plänen ist das mit einem Mausklick behoben.“

Edgar Burian verwies darauf, dass man mit der Farbgestaltung einen Bezug zu Peißenbergs Bergbaugeschichte und einen Kontrast zum hellen Eingangsbereich schaffen wollte: „Es soll wie bei einer Laterne eine Strahlkraft von innen heraus entstehen“, erklärte Burian, der diesbezüglich noch Überzeugungsarbeit wird leisten müssen: „Wir wollten dieses Mal eigentlich ganz bewusst nichts mit Bergbaubezug haben“, sagte Bürgermeisterin Manuela Vanni.

Noch im April, kündigte Rathauschefin Manuela Vanni an, werde sich der Gemeinderat mit den besten drei Entwürfen befassen – wobei das Jury-Votum für „abp“ mehr als ein Fingerzeig sein dürfte: „Das ist zwar keine Vorentscheidung“, betonte Holzscheiter, „aber wenn ein Preisgericht sich so deutlich äußert, ist das für den Beschluss des Gemeinderats sicher sehr hilfreich.“

15 Entwürfe

15 Wettbewerbsarbeiten sind insgesamt eingegangen, darunter neben dem Siegerentwurf auch die Pläne der 3. und 4. Preisträger Bembé und Dellinger, Architeken & Stadtplaner, Greifenberg respektive Angele+Roppelt, Oberhausen.

von Bernhard Jepsen

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