Viel Diskussionsstoff in nur mäßig besuchter Bürgerversammlung

Informiert und nachgefragt

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Die Blicke in der Stadthalle richten sich auf das Podium, wo der Vertreter der Telekom die Versammlungsteilnehmer über den Ausbau des schnellen Internets aufklärt.

Weilheim – Einen Bericht zum Ausbau des schnellen Internets (wir berichteten) sah die Tagesordnung nach der Rede des Bürgermeisters vor. Die Weilheimer waren an diesem Abend recht diskutierfreudig, wie ihre zahlreichen Anfragen und Wortmeldungen in der Bürgerversammlung zeigten.

In seinem Streifzug ging Bürgermeister Markus Loth auf die Finanzen sowie große Baumaßnahmen in der Stadt ein und stellte die neue Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt vor. Die gebürtige Fränkin, aufgewachsen in Rosenheim und seit 1995 als freiberufliche Architektin in Weilheim tätig, übernimmt das Amt von Wolfgang Frank, der zum 31. Juli in den Ruhestand wechseln wird.

Loth kam auch auf die Schäden zu sprechen, die Sturm „Niklas“ Ende März verursacht hatte. Abgesperrte Bereiche in Weilheimer Erholungsgebieten dürfen weiterhin nicht betreten werden, warnte er: „Es besteht immer noch Lebensgefahr.“

Die Kosten für den Hochwasserschutz an Anger- und Stadtbach, für den derzeit noch Abstimmungsgespräche geführt werden, kletterten inzwischen auf 21 Millionen Euro. „Aussichtslos“ sei auf Weilheimer Flur die Realisierung von Windkraft, berichtete Loth. Wie sieht es mit der Energiegewinnung aus Wasserkraft aus? Im Bereich des Stadtbaches werden mögliche Standorte untersucht. Ob die Wasserkraft an der Ammer genutzt werden kann, „steht in den Sternen“, führte Loth aus, da dies von übergeordneten Behörden abgelehnt wird.

An einem Tisch verfolgten junge Asylbewerber interessiert die Reden. Auch wenn sie wegen sprachlicher Handicaps wohl vieles nicht verstanden, setzten sie damit ein Zeichen, zur Gemeinschaft dazugehören zu wollen. „Sie integrieren sich im Stadtleben“, brachte ihnen das Anerkennung von Landrätin Andrea Jochner-Weiß ein. Die Zwangszuweisung der Regierung – „wöchentlich muss der Landkreis 22 neue Asylbewerber aufnehmen“ – sei ein großes Problem. „Das geht nur noch einige Wochen gut“, schilderte Jochner-Weiß die prekäre Situation und appellierte, dem Landratsamt verfügbare Grundstücke, leer stehende Wohnungen und Gebäude umgehend zu melden. Ansonsten müsse bei der weiteren Unterbringung auf Turnhallen ausgewichen werden. Applaus brachte der Landrätin ihr Hinweis auf den Erhalt der Geburtenstation in der Weilheimer Klinik ein. Ihr Grußwort endete mit dem Satz: „Ich drücke euch die Daumen, dass Weilheim ein Hotel bekommt!“

– Anwohner der Hans-Guggemoosstraße äußerten in der Diskussion Bedenken gegen den geplanten Straßenausbau und weitere Gewerbeansiedlungen. Auch das Fällen einer „kerngesunden“ Esche wurde moniert. Der Baum sei vom Eschentriebsterben befallen gewesen, bezog sich Stadtbaumeister Frank auf ein Gutachten. Bürgermeister Loth wies auf laufende Schallschutzuntersuchungen hin. „Ein Blick auf die Karte“ hätte den Kritikern gezeigt, dass es sich hier um ein bestehendes Gewerbegebiet handle, sagte Loth.

– Zu dem genehmigten Abbruch und den Neubauplänen für das „Medienhaus“ gab es Fragen wie jene nach einer Bürgerbeteiligung beim Neubau. Stadtbaumeister Frank stellte nochmals klar, dass das bestehende Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Der temporäre Gestaltungsbeirat wird im Juni zusammentreffen. Das Landesamt für Denkmalpflege soll eingebunden werden und der Beirat alle Informationen – einschließlich Argumente der Neubaugegner – erhalten. Das Ergebnis des Beirates wird dem Stadtrat als Empfehlung an die Hand gegeben.

– Für manche Innenstadtbewohner wird die Stellplatzsuche immer mehr zum Problem, da mittlerweile die meisten Parkplätze kostenpflichtig sind. Ihr Vorschlag: Kurzzeitparkplätze schaffen oder den Anwohnern Parkausweise ausstellen. Bürgermeister Loth kündigte an, dass im Stadtrat nach einer Lösung gesucht wird und erinnerte an ein laufendes Gutachten, das Aufschluss über Standorte für weitere Parkhäuser geben soll.

– An der Deutenhausener Straße und am Wiesenweg wohnende Weilheimer beschwerten sich über zunehmenden Straßenlärm wegen zu schnellen Fahrens. Sie fordern eine permanente Geschwindigkeitskontrolle. Die Weilheimer Polizei, so ihr Leiter Harald Bauer, hat bereits Tempokontrollen durchgeführt, die jedoch nur eine geringe Beanstandungsquote ergeben hatten. Die Messungen seien aber nicht zur Hauptverkehrszeit zwischen fünf und 7 Uhr sondern nachts durchgeführt worden, entgegnete ein Anwohner und klagte: „Die Kanaldeckel sind nicht plan, die Lkw brettern drüber.“

Von Maria Hofstetter

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