Demenz soll im Landkreis kein Tabuthema bleiben

Demenz ist eine Krankheit, die oft im Verborgenen abläuft. Weil sich Betroffene und Angehörige schämen und niemandem zu Last fallen wollen. Das Projekt „Menschen mit Demenz in der Kommune“, das die Alzheimergesellschaft Pfaffenwinkel unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Friedrich Zeller gestartet hat, und das von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wird, will helfen, ein anderes Bewusstsein für dieses Tabuthema zu schaffen.

Im ländlich strukturierten Bereich ist es auf Grund eines gut funktionierenden sozialen Umfeldes oft möglich, dass ältere Menschen und Menschen mit Demenz lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Diese sozialen Netze müssen aber gepflegt und unterstützt werden. Deshalb strebt die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e.V. ein innovatives „Demenznetz“ in der Region an. „Basierend auf Selbsthilfe und der Förderung von freiwilligem, ehrenamtlichen Engagement wollen wir in der Kommunen vor Ort Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen schaffen“, erklärt die Diplom-Sozialgerontologin Petra Stragies, die das Projekt leitet. Neben öffentlichen Veranstaltungen und Schulungen soll auch eine klare Ansprache der politischen Ebene erfolgen. Bürgermeister, Gemeindevertreter, Markt- und Stadträte sollen als Wegbereiter und Multiplikatoren fungieren. Ein ehrenamtlicher Demenzberater im Kreistag soll die Wahrung der Bürgerrechte von Demenzkranken ermöglichen. Der Erfolg des Projektes hängt sehr von der Präsenz in der Öffentlichkeit ab. Denn nur wenn Menschen, die an den so genannten Schnittstellen tätig sind, also zum Beispiel Verkaufspersonal, Polizisten, Gemeindemitarbeiter, aber auch Kinder ausreichend geschult sind, können sie entsprechend mit den Betroffenen umgehen. So kann für Demenzkranke ein soziales Umfeld geschaffen werden, das ihnen mit Respekt, Wertschätzung und Verständnis begegnet. Bei diesem Vorhaben wird die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e.V. vom Landkreis Weilheim-Schongau unterstützt. Geplant sind Veranstaltungen in den Gemeinden des Landkreises, mit denen möglichst viele Mitbürger erreicht werden sollen. Weiterhin sind Veranstaltungen geplant, bei denen ein Zusammentreffen von Bürgern mit Demenz ermöglicht wird. Der Landkreis stellt das Projekt in den Bürgermeisterdienstbesprechungen, Sozial- und Gesundheitsausschüssen vor und ermöglicht Kontakte in und zu den Gemeinden. „Wichtig ist uns vor allem, dass die Demenz nicht weiter ein Tabu- thema bleibt. Durch einen offeneren Umgang mit der Krankheit, wird der Alltag zum einen für die Betroffenen, zum anderen aber auch für ihre pflegenden Angehörigen einfacher“, erhofft sich Projektpatin Heike von Lützau-Hohlbein, erste Vorsitzende der Deutschen Alzheimergesellschaft und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande, von der Aktion. „Demenz ist eine relativ ,neue’ Krankheit, das heißt, sie ist noch wenig erforscht. Geheilt werden kann sie nicht, aber es gibt Medikamente, die den Verlauf verzögern. Vor allem ist es für die Betroffenen wichtig, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben. Die Verwirrung wird sonst noch größer“, erklärt Lützau-Hohlbein. Das Projekt „Dialog Demenz im Pfaffenwinkel“ wird von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert und läuft ein Jahr. In diesem Jahr soll ein Hilfe-Netzwerk geschaffen werden, dass sich anschließend selbst trägt. Gegenseitiges Stützen der Betroffenen und der Angehörigen und Verständnis in der Bevölkerung sind die wichtigsten Ziele, die erreicht werden sollen um ein Umfeld zu schaffen, das Betroffenen das Leben mit Demenz erleichtert. Weitere Informationen sind auf der Internetseite der Alzherimergesellschaft Pfaffenwinkel www.alzheimer-pfaffenwinkel.de einzusehen. Außerdem können sich Interessierte an das Büro an der Lohgasse 5 in Weilheim, Tel. 0881/9276091, wenden. Bürozeiten sind montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr. Nachmittags finden Gruppen und Kurse statt.

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