Diskussion über neues Parkraumkonzept

Zu kompliziert

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Hatten einen schweren Stand: Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt und Bürgermeister Falk Sluyterman.

Schongau – Mitte April hatte die Stadt das neue Parkraumkonzept für die Schongauer Altstadt erstmals vorgestellt (der Kreisbote berichtete). Am Mittwoch waren die Bürger gefragt, ihre Meinung zur neuen Regelung, die im Oktober in Kraft treten soll, kund zu tun. Die gut besuchte Veranstaltung im Ballenhaus verlief teils hitzig und zeigte, dass das neue Konzept vielen immer noch eines war – zu kompliziert.

Bürgermeister Falk Sluyterman schien zu ahnen, dass der Abend kein leichter werden würde für ihn und Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt, die das neue Parkraumkonzept in Federführung erarbeitet hatte. Schon in seiner Begrüßung schickte das Stadt­oberhaupt vorweg, man würde wohl nicht jeden im Saal überzeugen können, dass die Stadt hier einen guten Weg eingeschlagen habe. Dass der Gegenwind gegen die seit langem überfällige Neuordnung der Parkregeln aber derart groß sein würde, damit dürften Sluyterman und Voigt allerdings nicht gerechnet haben.

Dabei begann der Abend recht friedlich. An Pinnwänden durften die rund 100 erschienenen Bürger – darunter viele Anwohner und Geschäftsleute – Zettel mit ersten Gedanken zum Parkraumkonzept aufhängen. Anschließend ging Voigt noch einmal darauf ein, warum eine Neuordnung dringend nötig sei.

Es gebe zu viele Zonen, teils mit Parkscheibe, teils mit Parkticket, was verwirrend sei. Dazu kämen Dauerparker, die zentrale Parkplätze blockieren und es fehle an modernen Angeboten wie etwa die Möglichkeit, sein Parkticket mit dem Handy zu bezahlen.

All dies soll das neue Konzept besser machen. Die ersten Rückmeldungen hatten Voigt schon vor der Veranstaltung erreicht. So manches Missverständnis, etwa dass Anwohner in der blauen Zone vermeintlich nur noch ab 18 Uhr stehen dürften, habe sie bereits ausräumen können, so Voigt. Neben Lob habe es aber natürlich auch kritische Stimmen gegeben.

Dass diese auch an diesem Abend in der Überzahl waren, zeigte sich schon, als Moderatorin Maren Schüpphaus mit ihrem Team die in Gruppenarbeit von den Anwesenden zusammengetragenen Vor- und Nachteile auf Zetteln an die Pinnwände hing.

Positiv wurde das Handy-Parken gewertet, ebenso, dass es künftig an der Hauptachse keine Dauerparker mehr geben würde. Auch die kostenfreie Stunde in der gelben Zone kam gut an.

Doch schon bei letzterer fingen die Nachteile an. So wurde kritisiert, dass man anders als jetzt künftig auch bei der Frei-Stunde ein Ticket lösen muss. Viele Sorgen drehten sich um die Anwohnerparkplätze. Da Altstadtbewohner künftig tagsüber von 8 bis 18 Uhr nicht mehr in der gelben Zone parken dürfen, fürchtete manch einer einen regelrechten Kampf um die restlichen Stellplätze.

Besonders sauer stieß vielen auf, dass es Anwohnern künftig nur noch nachts erlaubt sein soll, kostenfrei in der Tiefgarage zu stehen. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Tiefgarage 1986 gebaut worden sei, weil der Einzelhandel mehr Parkplätze für seine Kunden gefordert habe. Zu dieser Nutzung müsse man zurückkehren, auch vor dem Hintergrund, dass am Marienplatz über 40 Parkplätze durch die Schaffung der Fußgängerzone wegfielen, betonte er.

Widerstand regte sich auch gegen die Überlegung, kleinere Seitenstraßen künftig ab 18 Uhr ausschließlich für Anwohner zu reservieren.

Oft waren es auch einfach nur Verständnisprobleme, die zu Nachfragen oder falschen Annahmen führten, welche dann von der Wirtschaftsförderin ausgeräumt werden mussten. Es zeigte: Zwar hatte man die Zahl der Zonen von acht auf drei massiv reduziert, richtig selbsterklärend war das neue Konzept immer noch nicht.

Die Komplexität war dann auch der Hauptkritikpunkte an diesem Abend. „Sie haben sicher viel Hirnschmalz investiert, aber es ist zu kompliziert“, brachte es der ehemalige Stadtrat Peter Blüml auf den Punkt, wofür er zustimmenden Applaus erntete. Seine Lösung war pragmatisch: „Warum nicht eine Zone für die gesamte Altstadt, in der man eine Stunde kostenlos stehen darf und wo das Parken mit der Dauer teurer wird?“

Man darf gespannt sein, in wie weit die Stadt die vorgebrachte Kritik in das Parkraumkonzept einfließen lässt. Fest steht: Es soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

Christoph Peters

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