Dörfer investieren in ihre Zukunft – Für die Dorferneuerung fließen 28 Millionen Euro Fördermittel in den Landkreis

Von den 34 Landkreisgemeinden war Huglfing eine der ersten, die sich erfolgreich mit der Dorferneuerung beschäftigt haben. Davon überzeugten sich vor Ort (v.li.) Bürgermeister Bernhard Kamhuber, Landrat Dr. Friedrich Zeller, Erhard Michalke, Sachgebietsleiter Amt für Ländliche Entwicklung und Kreisbaumeister Horst Nadler. Nicht auf dem Bild ist Projektleiter Johannes Mühlbauer. Foto: Hofstetter

Gemächlich plätschert der Hungerbach durch den Ort. Im Zuge seiner Freilegung und Umgestaltung wurde das Gewässer ökologisch aufgewertet: Das Westufer ist abgeböscht und be-pflanzt, der Beton auf der Ostseite durch Wasserbausteine ersetzt, über den Bach führen Holzstege. „Die Dorferneuerung hat unserer Gemeinde baulich viel gebracht und unter großer Bürgerbeteiligung stattgefunden“, lautet Bürgermeister Bernhard Kamhubers Fazit.

So war es kein Zufall, dass sich Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberbayern in Huglfing einfanden, um an Landrat Dr. Friedrich Zeller den so genannten Landkreisbrief zu übergeben. In diesem alle zwei Jahre neu erstellten Heft informiert das Amt über aktuelle Tätigkeiten. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind zurzeit in 21 Gemeinden 23 Verfahren in Arbeit. Dazu zählen Bachrenaturierungen und Maßnahmen zum Hochwasserschutz ebenso wie der Ausbau von Dorfstraßen oder das Gestalten von Dorfplätzen. Durchgeführt werden die Projekte auf einer Gesamtfläche von rund 20000 ha, das sind 20 Prozent der Landkreisfläche. Für die Finanzierung der Maßnahmen fließen Gelder von EU, Bund und Freistaat in den Landkreis. Das gesamte Investitionsvolumen von 40,4 Mio. Euro wird mit 28,1 Mio. Euro bezuschusst. 15,8 Mio. Euro, davon sind neun Mio. Euro Zuschuss, werden noch verbaut. Landrat Dr. Friedrich Zeller freut es, dass viel Geld in die Region fließt. Er betont aber auch, dass es „in unserem schönen Landkreis noch viel zu tun gibt“. Als positiven Nebeneffekt beobachtet Zeller „eine gewisse Aufbruchstimmung in der Bevölkerung“, die Heimatgemeinde aktiv mitzugestalten. Ein Seminar im Jahr 1997, in dem den Huglfingern das Prozedere erklärt wurde, hat zur „Initialzündung“ für die Dorferneuerung geführt. Arbeitskreise wurden gegründet, gemeinsam Projekte überlegt und umgesetzt. 350000 Euro, bestätigte Erhard Michalke vom Amt für Ländliche Entwicklung bei der Überreichung des Landkreisbriefes, sind seither an Zuschüssen nach Huglfing geflossen. Heute ist der Prozess weitgehend abgeschlossen. Demnächst sollen, wie der Bürgermeister beim Rundgang durch den Ort anmerkte, sechs alte Hausbrunnen reaktiviert werden. Und dann steht noch der Umbau des alten Schlachthauses zur Gemeindebücherei an, wofür es Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II gibt. „Die Dorferneuerung ist etwas Lebendiges und funktioniert nur, wenn die Bürger mitziehen“, bestätigte Kamhuber den Gästen aus München. Wohl wissend, dass in seinem Ort die Dorfentwicklung von den Huglfingern zehn Jahre lang gelebt wurde. Entwicklung steuern: Mit der Dorferneuerung soll die Eigenständigkeit und Kultur der Dörfer gestärkt werden. Ein besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung ihrer Zentren, damit Altorte nicht verwaisen und der Flächenverbrauch beim Ausweisen von Neubaugebieten minimiert werden kann. Das Neuordnen der Flure hat eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe zum Ziel, weil lange Fahrtwege und Arbeitszeiten reduziert werden. „Viele Probleme“, ist Erhard Michalke vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern überzeugt, „lassen sich durch gemeindeübergreifendes Denken und Handeln besser lösen.“ Das bürgerschaftliche Engagement spielt eine wesentliche Rolle. Die Infobroschüre für den Landkreis gibt es in den Gemeinde- und Landratsämtern. Im Internet kann der Text unter www.ale-oberbayern.bayern.de/publikationen/28214/ heruntergeladen werden.

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