Ein Jahr Tagesklinik für Schmerztherapie in Schongau

Raus aus dem Teufelskreis

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Dr. Mareen Bakemeier und die Medizinische Fachangestellte Anja Schkölzinger im Bewegungsraum der Tagesklinik.

Schongau – Mehr als zwölf Millionen Deutsche leiden laut Deutscher Schmerzgesellschaft unter chronischen Schmerzen. Um Betroffenen in der Region zu helfen, hat die Krankenhaus GmbH vor einem Jahr die Tagesklinik für Schmerztherapie am Schongauer Krankenhaus ins Leben gerufen. Die erste Bilanz fällt positiv aus.

 Wer den Schmerz besiegen will, der muss in die Tiefe gehen. Das gilt in Schongau nicht nur im übertragenen Sinn für die Behandlung, sondern ist wortwörtlich zu nehmen. Denn die Tagesklinik für Schmerztherapie befindet sich im Souterrain, hier hat sich die leitende Ärztin Dr. Mareen Bakemeier ihr Reich geschaffen. „Als wir hier vor einem Jahr angefangen haben, war alles noch im Rohbau“, blickt sie zurück.

Ein Glücksfall, denn so konnte die Ärztin ihre Wünsche hinsichtlich der Inneneinrichtung einbringen. Eine wohnliche Atmosphäre schaffen stand dabei ganz oben auf der Liste und tatsächlich weist der Trakt mit seinen großen Fenstern, dem aufgemalten Alpenpanorama an den Wänden und den freundlich gestalteten Therapieräumen wenig Ähnlichkeit mit dem üblichen Klinik-Chic auf.

Die Botschaft ist klar: Der Patient soll sich wohlfühlen, wenn er fünf Wochen lang von Montag bis Freitag die Klinik gegen sein Zuhause eintauscht. Denn so lange dauert die ganzheitliche Behandlung, die chronischen Schmerzpatienten eine neue Perspektive geben soll.

Sie beginnt mit einer zweitägigen Diagnostik, in der die Betroffenen komplett durchgecheckt werden. Anschließend wird entschieden, ob eine Behandlung Sinn macht. Das sei auch abhängig von der Bereitschaft des Einzelnen, sich einzubringen, erklärt Dr. Bakemeier. „Der Patient muss voll dahinter stehen.“

100 Behandlungseinheiten stehen während der fünfwöchigen Therapie, die in Achtergruppen absolviert wird, auf dem Programm. Das Motto dabei lautet aktiv statt passiv. Ob Nordic Walking, der Besuch im Fitnessstudio oder Übungen im hauseigenen Gymnastikraum: Viel Bewegung spielt eine große Rolle im Kampf gegen die chronischen Schmerzen. Dazu kommen autogenes Training zur Entspannung, Gespräche mit Psychologen, Verhaltenstherapie.

„Wir wollen, dass die Patienten raus aus der Opferrolle, rein in eine aktive Rolle kommen“, erklärt Dr. Petra Schwinn, Oberärztin der Tagesklinik. Die Betroffenen sollen lernen, mit ihrem Schmerz umzugehen. Oder bildlich gesprochen: Wäre der Schmerz ein Boot, soll der Patient der Kapitän werden.

Ein Ziel: Weniger Schmerzmittel 

Zu diesem Prozess gehört auch, dass die Patienten lernen, nicht allein auf Schmerzmittel zu vertrauen. „Viele kommen zu uns und denken, dass sie jetzt das rettende Medikament bekommen“, berichtet Bakemeier. Vielmehr sei ein Ziel der Therapie, den Einsatz von Schmerzmitteln herunterzufahren. „Wir wollen, dass unsere Patienten trotz der Schmerzen gut leben können und wieder aktiv werden.“

Es gilt den Teufelskreis zu durchbrechen, den die Krankheit für viele Betroffene nach sich zieht. So führen die körperlichen Einschränkungen im Alltag oft dazu, dass sich die Patienten aus dem sozialen Umfeld zurückziehen.

Damit dies dauerhaft gelingt, müssen die Patienten das Erlernte auch nach den fünf Wochen weiter verfolgen. „Wir geben ihnen quasi einen Fahrplan mit“, sagt Dr. Bakemeier. Nach sechs bis neun Monaten wird beim Patienten nachgefragt, wie er zurechtkommt. Wenn nötig, wird eine Auffrischungswoche angeboten.

Knapp 90 Schmerzgeplagte haben das Angebot der Schongauer Klinik bereits in Anspruch genommen, der Großteil ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Seit Herbst bietet die Tagesklinik auch eine spezielle Seniorengruppe an, die wöchentlich an zwei Tagen zur Therapie vor Ort ist, dafür aber drei Monate statt fünf Wochen.

Schongau ist einer von 26 Standorten in Bayern, an denen es eine derartige Einrichtung gibt. Der Freistaat ist damit bundesweit führend. Ein lohnenswertes Engagement, denn dank der Therapie kehren viele Patienten wieder zurück ins Berufsleben. Das spart Geld.

Vortrag und Besichtigung am Aktionstag gegen den Schmerz

Passend zum einjährigen Bestehen beteiligt sich die Schongauer Tagesklinik am alljährlichen Aktionstag gegen den Schmerz. Am Dienstag, 7. Juni, spricht Oberärztin Dr. Petra Schwinn über „Schmerztherapie gestern und heute“. Ort des Vortrags ist der Vortragsraum im Klinikum Schongau. Beginn ist um 18 Uhr. Anschließend ist die Besichtigung der Tagesklinik möglich.

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