Agenda fordert von Stadt und Stadtwerken Antworten ein

Zwischenbilanz zur Energiewende

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Maria Hofstetter

Weilheim – Das Einspeisen von Strom aus erneuerbaren Energiequellen hat Vorrang im deutschen EEG-Gesetz. Seine Neuregelung ist bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin heiß umstritten. Unsichere Rahmenbedingungen verzögern die Energiewende – auch in Weilheim. Der Agenda-Arbeitskreis (AK) „Energie und Klimaschutz“ vermisst ein ganzheitliches Konzept zur Energienutzung. „Wir brauchen eine Gesamtstrategie“, fordert AK-Sprecher Prof. Dr. Stefan Emeis.

Kommt die Energiewende in Weilheim zu langsam voran? Vertreter der Stadt und Stadtwerke nahmen in einem Pressegespräch im Rathaus zu einem Fragenkatalog Stellung, den die Agenda an die Stadt gerichtet hatte (wir berichteten). Das Thema birgt Zündstoff, wie sich zeigte. So wies Peter Müller, Leiter der Stadtwerke Weilheim Energie GmbH (SWE, Tochter der Stadtwerke, Anm.d.Red.), den „latenten Vorwurf der Untätigkeit“ konsequent zurück. Die SWE würden sich nur mit „greifbaren Ergebnissen“ zu Wort melden. Einen Gesamtplan für 15 Jahre, wie ihn die Agenda vorschlägt, lehnt Müller ab: „Die ewige Planwirtschaft wird die Energiewende nicht weiterbringen, Handeln ist angesagt.“ Zusammen mit einem Ingenieurbüro werden die SWE einen Energieleitfaden erstellen. Ein Energienutzungskonzept dagegen mache nur Sinn, „wenn es ständig fortgeschrieben wird“, so Müller. 

 Marcus Reichenberg, Kreisrat und Agenda-Vertreter, kritisierte, dass das vom Landkreis in Auftrag gegebene Klimaschutzkonzept („ein Papiertiger“) vom Landkreis nicht weiter entwickelt worden sei und forderte – auch für Weilheim – „messbare Indikatoren“. 

Energie-Allianz Bayern 

Ob sich die Stadtwerke an der Energie-Allianz Bayern beteiligen, die ein Konzept zur Speicherung und Abgabe von Spitzenenergien verfolgt (Jochberg-Becken)? Müller verneinte dies, bestätigte jedoch eine einprozentige Beteiligung an deren Tochtergesellschaft Pumpspeicherwerk Oberbayern GmbH. Müller sieht Chancen für das Bauvorhaben am Jochberg: „Wir haben den Fuß in der Tür“, sagte er. 

 Energieverbrauch 

Wie sich der Strom- und Wärmeverbrauch in Weilheim von 1990 bis 2013 verändert hat, wurde von Emeis erreicht. Während der Strombedarf insgesamt um 30 Prozent (Gas +13) gestiegen ist, zeigte sich beim Verbrauch je Einwohner ein differenzierteres Bild: Strom plus acht Prozent, Gas minus fünf Prozent. Insgesamt reduzierten die Bürger aber in diesem Zeitraum den Verbrauch an fossil erzeugtem Strom um 20 Prozent. „Wir sind hier ein gutes Stück vorangekommen“, freute sich Emeis. In allen städtischen Liegenschaften werden die Energie- und Wasserverbräuche monatlich erfasst und starke Abweichungen umgehend kontrolliert, berichtete Stadtkämmerer Christoph Scharf. Eine tiefer gehende Analyse sei mangels Personal aber nicht durchführbar und Aussagen zur Energieeinsparung könnten ebenfalls nicht getroffen werden. Den mit den Stadtwerken geplanten Aufbau eines „Verbrauchsmonitorings“ begrüßt die Agenda. „Gehen Sie mit Verbrauchsdaten an die Öffentlichkeit“, empfahl Emeis. 

 Wärme 

Will die Stadt auch dann in die Fernwärmeversorgung einsteigen, wenn das Wielenbacher Geothermievorhaben erfolglos bleibt? heißt es weiter in dem Fragenkatalog. Bei einem Ausstieg des Investors sollte die SWE das Geothermieprojekt selbst in die Hand nehmen und den Standort näher an die Stadt rücken, denn, so Müller: „Die sechs Kilometer Leitung nach Weilheim sind viel zu lang, um den Kunden konkurrenzfähigen Strom anbieten zu können.“ Scheitert das Projekt aus technischen Gründen, hält der SWE-Chef ein Biomasseblockheizkraftwerk am Standort Kläranlage für denkbar.

 Strom 

Der Konzessionsvertrag für das Stromnetz läuft demnächst aus. Werden die Stadtwerke als Vertragspartner einsteigen? „Die Stadt muss ein transparentes, diskriminierungsfreies Verfahren durchführen“, äußerte sich Bürgermeister Markus Loth, die Stadtwerke können sich „wie jeder andere Interessent“ bewerben. Die Verfahren für Gas und Strom laufen getrennt, Konzessionen an zwei verschiedene Bieter sind nicht ausgeschlossen. Emeis bedauerte, dass die Stadt die Daten über das Dachflächenkataster nicht öffentlich macht. Die Energiewende Oberland wäre bereit, die Internetpräsentation zu arrangieren. Das Kataster müsse erst aufgearbeitet und aktualisiert werden, entgegnete Müller. 

 Windkraft 

Zum Thema Windkraft erklärte Müller, dass die SWE eine Windpotenzialanalyse mit möglichen Standorten an den Planungsverband für die Region Oberland gegeben habe. Er könnte sich eine SWE-Windkraftanlage, eine von Bürgern betriebene sowie eine Kombination aus beiden vorstellen. „Man muss den Bürger an die Hand nehmen und ihn profitieren lassen“, meinte Emeis. 

 Elektromobilität/Verkehr 

Zur Förderung der Elektromobilität werden am Parkplatz bei der Bäckerei Grünwald und am Unteren Graben gegenüber der Musikschule zwei Elektroladesäulen installiert. Die Anlage soll noch vor Weihnachten in Betrieb gehen, ihre Nutzung wird zunächst kostenlos sein. Die Stadt will laut Loth mit gutem Beispiel vorangehen und im Frühjahr ein Elektrofahrzeug anschaffen. Bei der Reduzierung des innerörtlichen Pkw-Verkehrs sieht die Agenda noch großen Handlungsbedarf. Die SWE könnten ihre Erlöse aus Strommerzeugung, Energieverkauf und Netzbetrieb zur Finanzierung eines „richtigen“ Stadtbussystems mit Viertelstundentakt und optimierten Fahrtrouten verwenden, führte Müller aus. Allerdings müsste dann die Verkehrskonzession an die Stadtwerke oder SWE vergeben werden, die wiederum die RVO oder andere mit der Betriebsführung beauftragen könnte.

Maria Hofstetter

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