Erdfunkstelle Raisting feiert am Tag des offenen Denkmals doppelt das 50-jährige Bestehen

Einmal sachlich, einmal fröhlich

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Die Hülle des Radoms wurde im Jahr 2010 ausgetauscht. Mehr Fotos vom Tag der offenen Tür in Raisting unter www.kreisbote.de.

Raisting– Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte, sagt ein Sprichwort. Abgewandelt auf Raisting und sein Radom muss es heißen: „Wenn sich zwei nicht grün sind, haben die Dritten einen Mehrwert.“ So geschehen am vergangenen Sonntag, als gleich zwei Anlässe Besucher aus ganz Bayern in den Pfaffenwinkel lockten.

Die Radom GmbH des Landkreises lud zur „Entdeckertour“ ins Industriedenkmal Radom, der Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting e.V. feierte die „50 Jahre Erdfunkstelle Raisting“ an der Antenne 2 bei der Kapelle St. Johann. Da sich Radom GmbH und Förderverein auf kein gemeinsames Geburtstagsfest einigen konnten, wurde das Jubiläum eben doppelt begangen.

Das Radom - Via Satellit ins Wohnzimmer

Weit über 1000 Gäste nutzten die Gelegenheit, das weltbekannte Radom von innen zu besichtigen, kostenlos mit fachkundiger Führung. Der Eintritt begann spannend durch eine Luftdruckschleuse, da im Inneren ein Überdruck herrscht, um die Hülle zu stabilisieren. Die Pfaffenwinkler Kulturführer, derzeit zuständig für Besichtigungstouren, erklärten den technikinteressierten Gästen geduldig alle Details der Antenne 1 im Radom, das den Ort Raisting als „Satellitendorf“ weltweit bekannt gemacht hat.

Als fachkundiger Gästeführer erwies sich auch René Jakob, der Geschäftsführer der Radom GmbH. Sein Fokus lag auf der Gegenüberstellung von 50 Jahre alter und neu eingebrachter Technik. Imposante Zahlen unterstrichen die Geschichten: So beträgt der Durchmesser der Kunststoffhülle 49 Meter, der höchste Punkt ist 50 Meter über dem Erdboden. Der Durchmesser der gigantischen Parabolantenne beträgt 25 Meter, die Stahlkonstruktion wiegt 280 Tonnen.

Via Satellit ins Wohnzimmer

Spektakuläre Höhepunkte in der Betriebszeit des Radoms

Das Radom, ein Kunstwort aus Radar und Dom, wurde Anfang der 1960er Jahre von der Deutschen Bundespost erbaut und begann 1965 mit dem kommerziellen Telefonverkehr. Der Standort erwies sich als ideal, weil die Lage verhältnismäßig hohe Elevationswinkel für geostationäre Satelliten gewährleistet und die Entfernung von den Alpen eine optimale Südausrichtung der Antenne erlaubte.

In der 20-jährigen Betriebszeit des Radoms gab es spektakuläre Höhepunkte in den Anfängen der Telekommunikation via Satellit bei der Übertragung von Sprache, Bildern und Schrift. Erstmals konnten via Satellit Ereignisse wie die erste Mondlandung live in europäische Wohnzimmer übertragen werden. Sogar die Verbindung des berühmten „Roten Telefons“ zwischen Washington und Moskau wurde über Raisting hergestellt. Das Radom Raisting war unverzichtbares Glied der transkontinentalen Nachrichtenübermittlung.

Die rasend schnelle Weiterentwicklung der Technik im Kommunikationsbereich sorgte 1985 für die Einstellung der kommerziellen Nutzung. Während in Sichtweite technisch zeitgemäße Antennen entstanden, wurde lange über das Schicksal des Radoms diskutiert. Von Rückbau und Abriss war die Rede, bis engagierte Bürger und Radom-Fans einen Förderverein gründeten und für Restaurierung und Fortbestand als Industriedenkmal und Museum kämpften. Mit Erfolg. Von 2010 bis 2012 wurde das Radom generalsaniert, bekam eine neue Hülle und steht Besuchern aus aller Welt für geführte Besichtigungen offen.

Der Förderverein feierte wegen interner Differenzen mit der Radom GmbH an der Antenne 2 auf dem Gelände der Firma EMC (Emerging Markets Communications), die vor zehn Jahren die Erdfunkstelle übernommen hat. Ging es im Radom sachlich zu, wurde hier mit Bier, Brotzeit und Blasmusik zünftig gefeiert.

„Laptop und Lederhose“ waren zugegen mit der Blaskapelle Raisting und Heimatpfleger Albert Tafertshofer, der via Notebook und Beamer auf 50 Jahre „Satellitendorf Raisting“ zurück blickte.

Dr. Sabine Vetter, Vorsitzende des Fördervereins, hatte zahlreiche Zeitzeugen eingeladen, die die Anfänge des Radoms entscheidend mitgeprägt haben. Rede und Antwort gaben so Robert Uhlitzsch (85), von 1963 bis 1969 erster Stationsleiter des Radoms, oder Dipl.-Ing. Eckehart Jahreis (77), ab 1965 Projekt- und Abteilungsleiter.

Junge Radom-Fans wie Informatiker Sven Barth (26) erzählten von den aufwändigen Renovierungsarbeiten am und im Radom, wo er tatkräftig mitgeholfen hat.

von Dieter Roettig

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