Vierminüter über die Schongauer Altstadt erobert das Internet

Image-Film der etwas anderen Art

„Schongau – Entdecke Deine Altstadt“ lautet der Titel des neuen Imagefilms der Stadt, mit dem die Lust auf einen Besuch geweckt werden soll.

Schongau – Film ab hieß es in der jüngsten Sitzung des Schongauer Stadtrats. Über die Leinwand flimmerte der neue Image-Film über die Altstadt, den die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Das gut vier Minuten lange Werk überzeugt mit viel Witz und Selbstironie, schlägt aber auch ernstere Töne an.

Normalerweise ist Falk Sluyterman kein Freund emotionaler Sitzungsgäste. Wenn Zuschauer Entscheidungen oder Wortmeldungen im Stadtrat kommentieren, ruft der Bürgermeister diesen schon mal mit bösem Blick auf lateinisch ein „Silentium“ zu. In der jüngsten Sitzung freilich war es Sluyterman selbst, der das Publikum in den hinteren Reihen das Applaudieren gestattete, ja es geradezu dazu aufforderte. Viel Überzeugungsarbeit musste der Rathauschef nicht leisten, denn was zuvor gut vier Minuten über die Leinwand geflimmert war, hatte durchaus Applaus verdient.

Schongau – Entdecke Deine Altstadt“ lautet der Titel des Imagefilms, den der Schongauer Florian Raab mit seiner Firma „Filmbaar“ im Auftrag der Stadt gedreht hat und der in der Sitzung seine Premiere feierte. Die Idee zu der Marketingmaßnahme hatte der Bürgermeister selbst gehabt, das Konzept für die Botschaften, die transportiert werden sollten, stammte von Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt, die dazu eng mit Raab und seinem Team zusammenarbeitete. Voigt war es auch, die die Schauspieler des Theatervereins Treibhaus als Statisten ins Boot holte – ehrenamtlich.

Was es in der Altstadt so alles gibt, zeigt Matthias Lehmann am Marienplatz – digitale Technik macht‘s möglich.

Die Hauptrolle im Film hat Raabs Kollege Matthias Lehmann inne, der als charmanter Stadtführer die Besonderheiten der Schongauer Altstadt und seiner Bewohner herausstellt. Die Bandbreite der Themen ist breit. Mit spektakulären Luftaufnahmen werden die Sehenswürdigkeiten wie Stadtmauer, Türme und historische Gebäude in Szene gesetzt. Als Testesser futtert sich Lehmann durch die Gastronomielandschaft und vor dem Marienbrunnen reiht er dank Greenscreen die vielen Produkte und Dienstleistungen auf, die es in der Altstadt gibt.

Natürlich darf die neue Fußgängerzone genauso wenig fehlen wie das neue Parkraumkonzept. Dass diesen Errungenschaften bis zur Umsetzung langwierige und teils auch umstrittene Entscheidungsprozesse vorausgegangen sind, greifen die Filmemacher mit einem Augenzwinkern auf („Für die einen sind es innovative Konzepte, für die anderen komplizierte Innovationen“).

Überhaupt überzeugt der Film mit viel Witz und Selbst­ironie, wirkt dadurch an keiner Stelle pathetisch oder übertreibend. Das zeigt sich auch an der ehrlichen Feststellung, die zum ernsteren zweiten Teil überleitet, dass es nicht die besagte Vielfalt ist, die die Schongauer Altstadt zu etwas Einzigartigem macht, sondern dass das Besondere eher ein Gefühl ist – „ein Gefühl, dass die Uhren hier noch ein wenig anders zu ticken scheinen. Dass sich die Menschen hier noch für einander Zeit nehmen.“ Zeit, die man sich auch einmal für die Altstadt nehmen sollte.

Einen mittleren vierstelligen Betrag hat die Stadt für den Vierminüter gezahlt, der schon in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung auf der neuen Facebook-Seite der Stadt über 31 000 Aufrufe zählte und 570 Mal geteilt wurde. „Dass der Film sich so schnell verbreitet, hätte ich nicht gedacht“, freut sich Voigt über das große Interesse und das meist positive Feedback. Auch Raab und Lehmann sind natürlich froh, dass ihr Image-Film der etwas anderen Art so gut ankommt. „Etwas Risiko war schon dabei“, sagt Lehmann. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Christoph Peters

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