Ersatz für Atomstrom schaffen – Energiewende mit Mittelstands-Union Weilheim diskutiert

Dr. Christian Barth (2.v.li), Ministerialdirektor im Ressort für Umwelt und Gesundheit, referierte vor interessiertem Publikum über die Umweltpolitik in Bayern. Foto: Gnadl

„Der Lech ist an vielen Stellen in ein ökologisches Ungleichgewicht geraten“, gab Renate Dodell beim Treffen im Rahmen der Vortragsreihe der Mittelstands-Union Weilheim zu beden- ken. Die intensive Wasser- nutzung durch die vielen Staustufen sei ein „ernst zu nehmendes Problem“. Damit es der Ammer nicht ebenso ergeht, forderte die Landtagsabgeordnete, dass dort keine neuen Wasserkraftwerke gebaut werden.

Ministerialdirektor Dr. Christian Barth, der stellvertretend für den erkrankten Minister Marcel Huber nach Weilheim kam, wies im Verlauf der Diskussion auf neuartige Technologien hin. So gebe es inzwischen beispielsweise langsamere Turbinen mit größeren Abständen zwischen den Flügeln oder Schachtkraftwerke, durch die Fische unversehrt hindurchschwimmen können. Als Lösung der Energiewende in Bayern sieht Barth einen „ökologischen Ansatz mit Maß und Ziel“. Wobei er die Bezeichnung Stromwende für passender hält, da es ja primär um Strom gehe. Die „Bewahrung der Schöpfung“ sei besonders wichtig, hob Hans Medele hervor. „84 Prozent der Bayern“ würden den Umweltschutz für wichtig erachten. Dem versuchen die Vertreter des Ministeriums für Umwelt und Gesundheit Rechnung zu tragen. „Die Umweltpolitik setzt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft“ und beeinflusse somit auch deren Nachhaltigkeit, begann Barth seinen Vortrag. „Energiepolitik beinhaltet den Schutz von Wasser, Boden, Klima und Artenvielfalt“, erklärte er das Aufgabengebiet des Ministeriums. Dies beinhalte vor allem Aufgaben im Bereich von Feinstaub, Trinkwasser, Boden und Klimaschutz aber auch Dinge wie Lebensmittelsicherheit und Hochwasserschutz und eben auch die Energiewende. Um Letztere ging es beim Vortrag zum Thema „Aufbruch Bayern – Umweltpolitik für unsere Heimat“ im Autohaus Medele hauptsächlich. In Sachen Atomausstieg gäbe es „kein realistisches Zurück“, ist Barth sich sicher. Die Abschaltung des Reaktors Isar I sei noch relativ unproblematisch vonstatten gegangen. Doch spätestens, wenn 2015 das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld vom Netz geht, sei die „Versorgungssicherheit nicht unbedingt aufrechtzuerhalten.“ Daher sei es von großer Bedeutung, rechtzeitig Ersatzkapazitäten zu schaffen. Nur sechs Minuten im Jahr falle der Strom in Bayern durchschnittlich aus. Dieser gute Wert solle beibehalten werden und dabei die Qualität des Stroms sowie dessen Preis gesichert werden. Ziel des Ministeriums sei es daher, regenerative Energien auszubauen und den Netzausbau weiter voranzutreiben – denn ohne sei eine Wende nicht möglich. Als Ersatz für die Atomkraftwerke sieht Barth drei bis vier Gaskraftwerke im Freistaat, denn der Netzausbau vor allem in den Norden Deutschlands, sei eine langwierige Prozedur. Momentan würden etwa acht Prozent des bayerischen Stroms in Photovoltaikanlagen erzeugt, der Prozentsatz habe sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Wind- und Wasserenergie seien nur auf geringem Niveau steigerbar und auch bei der Biomasse soll es zu keiner „Vermaisung“ kommen. „Wir müssen uns in den nächsten zehn Jahren intensiv mit dem Thema Energiewendebefassen“, fasste es Stefan Zirngibl zusammen.

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