Neuerungen im Schongauer Stadtmuseum

Exponate ins richtige Licht gerückt

+
Hohenfurcher Leihgabe an das Stadtmuseum und dank neuer Technik in bestem Licht: Bestandteile des Altars aus der Ursulakapelle. Links Harald Scharrer und Helmut Schmidbauer (Stadtmuseum,) rechts Bürgermeister Guntram Vogelsgesang mit Ehefrau Sabine.

Schongau – „Kommt’s bittschön mit in die Kirche“: Diese Worte von Helmut Schmidbauer waren nicht als Aufforderung zum Besuch der Messe gedacht. Er richtete sie vielmehr an die Gäste, die zur Matinee ins Stadtmuseum kamen. Schmidbauer, Kreisheimatpfleger und innerhalb des Historischen Vereins in der Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum aktiv, nahm die Besucher mit in die ehemalige Erasmuskirche, wo dank technischer Neuerungen Exponate ins richtige Licht gerückt werden.

Im Chor der Erasmuskirche, die zusammen mit dem südlich anschließenden Gebäude das Stadtmuseum Schongau beherbergt, hängt nun ein Ring mit zahlreichen Strahlern. Es ist der erste Teilbereich der neuen Beleuchtung. Weitere Abschnitte sollen in den nächsten Jahren folgen.

Welchen entscheidenden Einfluss die richtige Beleuchtung auf die Präsentation Exponate hat, wird besonders an einer neuen Aufstellung ersichtlich: Gemeint sind Bestandteile des gotischen Altars der Ursulakapelle bei Hohenfurch, die im Chor der Erasmuskirche einen würdigen Platz bekommen haben.

Dazu gehören an der linken und rechten Flanke zwei Reliefs, die nach der zweimaligen Beraubung der Ursulakapelle im Oktober 1967 und nach Weihnachten 1971 lange Zeit verschollen waren, wie Harald Scharrer vom Historischen Verein beim Rundgang erwähnte.

Diese Figuren tauchten im Jahr 2010 bei einer Kölner Auktion wieder auf. Rechtzeitig vor einer Versteigerung wurden sie von der damaligen Besitzerin an die Gemeinde Hohenfurch zurückgegeben. Bürgermeister Guntram Vogelsgesang kann sich noch gut erinnern, wie er die Reliefs aus dem Rheinland zurückholte und dort alles andere als freundlich empfangen wurde.

Es sind die eher schlichten Darstellungen des Heiligen Wolfgang (Bischof von Regensburg) und des Eremiten Antonius. Sie bilden nun zusammen mit der prächtigen Holzskulptur der Maria Magdalena und der Predella – so heißt das Verbindungsstück zwischen Altartisch und Flügelaltar) eine Dauerleihgabe der Gemeinde Hohenfurch an das Stadtmuseum Schongau.

Beim Museumstag sind noch weitere neue Aufstellungen gezeigt worden. Das ist zum einen die restaurierte Pöllandt-Pieta vom Haus am Marienplatz 18. Die Giebelskulptur aus dem späten 17. Jahrhundert stand bis 2012 in einer Nische, bevor sie nach der Restaurierung als Leihgabe der Familie Anderl ins Museum kam. Pöllandt war laut Kreisheimatpfleger Schmidbauer eine „herausragende Figur in der Stadtgeschichte“, er war auch Bürgermeister der Stadt; und nach ihm ist in Schongau-West eine Straße benannt.

Vorgestellt wurde im Foyer auch das Hinterglasbild zu Karoline Friederike, der zweiten Gemahlin des bayerischen Königs Max Joseph, der in Schongau das im spanischen Erbfolgekrieg verwüstete Maxtor wieder aufbauen ließ. Die 26 Scherben sind nach aufwändiger Arbeit kaum noch zu erkennen. Das Hinterglasbild befand sich früher im Ballenhaus und zuvor wohl im alten Rathaus zu Schongau.

Stadtmodell von 1840

„Für uns ein Juwel“ – mit diesen Worten deutete Schmidbauer auf die Vitrine mit dem kleinen Stadtmodell aus dem Jahr 1840. Es zeigt das Ballenhaus noch in der alten Länge, bevor der vordere Teil abgerissen wurde. Die kleine Stadtansicht, geschaffen von Martin Fichtl und Kajetan Miller, wurde bei Prozessionen mitgeführt. Besucher können interaktiv werden. Wenn sie bestimmte Gebäude suchen, dann leuchtet es an verschiedenen Stellen auf. Das Stadtmodell wurde 2015 von Michaela Gräper aus Burggen restauriert.

Schmidbauer betonte beim Rundgang zur Matinee, dass es nicht nur ums Zeigen der wertvollen Exponate gehe, sondern vor allem „um das Bewahren“. Geschichte sei für die Bevölkerung zu „erschließen“. Das Stadtmuseum sei nicht nur für Schongau, sondern auch regional eine wichtige Stätte.

Zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer richtete den Dank der Stadt, die finanziell zur Beleuchtung und zu Restaurierungen beigetragen hatte, an all diejenigen, die im Museum mithelfen.

Johannes Jais

Meistgelesene Artikel

Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Schongau – Mit dem Zug von Schongau nach München ohne umzusteigen: Bislang ist das für Fahrgäste der Pfaffenwinkelbahn nur ein Wunschtraum. Ginge es …
Ohne Umsteigen von Schongau nach München

Auf frischer Tat ertappt

Schongau/Peiting – Waren da die gleichen Täter am Werk? Am Sonntagabend ist es der Polizei gelungen, einen Einbrecher in Schongau zu verhaften. Seine …
Auf frischer Tat ertappt

Spatenstich fürs Haus für Kinder

Schongau – Während am Schongauer Schulzentrum schon seit längerem die Bagger rollen, ist nun auch auf der anderen Seite der Marktoberdorfer Straße …
Spatenstich fürs Haus für Kinder

Kommentare