Faszinierende Jahresausstellung im Stadtmuseum

Paul Bromberger - Fotograf mit Erfindergeist

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Dürfen in der Jahresausstellung nicht fehlen: Die Atelierkamera (rechts) und die drei Plattenkameras des früheren Schongauer Fotografen Paul Bromberger. Im Bild dessen Tochter Eva Bromberger und Harald Scharrer.

Schongau – Er war ein Künstler, er war ein Reporter, und er hatte einen ausgeprägten Erfindergeist: Dies trifft auf den Fotografen Paul Bromberger (1895 bis 1976) zu, der aus München stammte und 50 Jahre in Schongau gewirkt hatte. Mit dessen umfassenden Schaffen befasst sich die Jahresausstellung im Stadtmuseum, die am jetzt eröffnet wurde. Sie ist bis zum 3. Oktober zu besichtigen.

Paul Brombergers fotografische Ortsansichten sind noch heute vielfach präsent; dessen Postkarten sind noch weit verbreitet, sagte Franz Grundner von der Arbeitsgemeinschaft Museumsgut | Ausstellungen im Historischen Verein. Die Tochter des 1976 verstorbenen Fotografen, Eva Bromberger, hat sich auch aktiv in die Konzeption der Ausstellung eingebracht, wie Grundner ergänzte. Bürgermeister Falk Sluyterman sagte vor mehr als 50 Gästen bei der Eröffnung, an Eva Bromberger gewandt: „Wir sind dankbar, dass Sie diesen Fotoschatz geöffnet haben.“

Die Jahresausstellung im ersten Stock des Stadtmuseums ist inhaltlich und räumlich in drei Rubriken gegliedert. Sie zeigt den Künstler, den Reporter und eine Seite, die bisher wenig bekannt war: den Erfinder Paul Bromberger. Immerhin hatte er elf Gebrauchsmuster beim Deutschen Patentamt angemeldet. Dazu gehörte auch ein praktischer Klemmtisch fürs Auto. Bromberger sei auf allen Gebieten der Fotografie „daheim gewesen“, erklärte Harald Scharrer von der Arbeitsgemeinschaft Museumsgut/Ausstellungen. Alle Facetten seien stark ausgeprägt gewesen. Bromberger habe eine „lebenslange Beseeltheit“ für diese Aufgabe gezeigt.

Harald Scharrer zeichnete die Vita nach. Paul Bromberger wurde 1895 in München geboren. Er machte eine kaufmännische Ausbildung im Automobilbau und war im ersten Weltkrieg Marketender. 1918 erwarb er die erste professionelle Fotoausrüstung „auf dem Ramschmarkt“. Er wurde Mitglied der Münchner Fotografischen Gesellschaft und gab ein Jahr später bereits Unterricht für Fotoamateure.

Nach Schongau kam Bromberger 1925. Er übernahm das Fotogeschäft von Maria Seidenschwanz, weitete den Ansichtskartenverlag zum Fotogeschäft an der Münzstraße 9 (seit 1930), machte 1938 die Meisterprüfung. 1971 hatte der Fotograf – damals bereits 76 Jahre alt – das Geschäft an die Firma Repper verkauft.

Bromberger hat laut Scharrer „die Zeichen der Zeit präzise erkannt“. Die Worte münzt er darauf, dass der Fotograf in Zeiten, als die Apparate handlicher und billiger wurden, diese ins Sortiment aufnahm, Kurse gab, Annahmestellen im Schongauer Land einrichtete und somit die Kunden an sich band.

Der künstlerische Aspekt findet sich in zahlreichen Bildern der Ausstellung wider. Dazu gehören Porträts, aber auch Aufnahmen von Schongau und aus der Umgebung mit kurzen Textzeilen wie das Bild „Stilles Kloster“ auf Bromöldruck (gemeint ist Rottenbuch). Das Steckenpferd des Fotografs war freilich die Gebirgsfotografie.

Von 1925 bis in die Nachkriegszeit hielt Bromberger als Reporter zahlreiche Ereignisse aus dem Schongauer Land im Bild fest. Z.B. wie zwei Arbeitslose, die als „Ballonauten“ mit einer großen Kugel durch Deutschland zogen, 1933 auch nach Schongau kamen. Ein anderes Beispiel ist der Metzgerball in Schongau von 1935 oder ein Bild von der Kohlenförderung im Bergwerk Peiting. Oder vom Eisenbahnunglück nahe Schongau, als 1936 ein Damm instabil wurde, der Zug entgleiste und fünf Passagiere verletzt wurden.

Paul Promberger, der als Kind Ferien bei Tante Therese Köhler und Onkel Andreas Wilhelm Köhler (dem „Sonnenbräu“) verbrachte, war zweimal verheiratet. Er hatte drei Kinder; zwei aus der ersten Ehe und eine Tochter aus der zweiten Ehe.

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