Feiern geht auch ohne Alkohol – Projekt "Wir geben Halt" zieht Jahresbilanz: Bislang 3700 Menschen im Landkreis erreicht

"Es ist eines der größten und umfassendsten Projekte, die wir im Landkreis je gestartet haben", betont Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes, die Bedeutung des Projektes. Foto: kb

„Wir geben Halt“ heißt das Projekt, das im Januar 2010 ins Leben gerufen wurde, um dem Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen im Landkreis entgegenzusteuern. Nachdem ein Jahr ins Land gegangen ist, wurde eine Bilanz gezogen, die die Erwartungen der Organisatoren übertraf.

„Suchtprävention hat im Landkreis eine lange Tradition“, bemerkte Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises. Dabei verwies er auch stolz auch die laufenden Projekte und die Erfolge durch den Präventionskreis Sucht. Seit 30 Jahren ist er im Landkreis tätig mit aktuell 20 Mitwirkenden. „Dieses Projekt hier ist aber eines der größten, die wir bisher im Landkreis gestartet haben“, unterstrich Dr. Breu die Bedeutung von „Wir geben Halt“. Traurigen Anlass dafür boten erschreckende Zahlen der vergangenen vier Jahre. Über 300 alkoholvergiftete Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren wurden in dieser Zeit in den Krankenhäusern des Landkreises aufgenommen, acht davon waren Nahtodesfälle, die wiederbelebt werden mussten. „Da haben wir gesehen: Es langt einfach nicht mehr, wir müssen mehr tun“, legte Petra Regauer, Projektleiterin, die Motivation dar. Den Grund für diese Entwicklung konnte Gabi Zeitler, Drogenpräventionsbeauftragte der Mittelschule Peißenberg, klar benennen. „Die Medienflut überfordert nicht nur die Jugendlichen sondern auch die Eltern. Damit sind solche Jugendliche ein Produkt der Gesellschaft und unserer Nachlässigkeit“, stellte Gabi Zeitler fest. So sieht das auch Simon Bräutigam, Jugendbeamter der Polizei Weilheim. Sorgen bereitet ihm vor allem, dass immer mehr und immer jüngere Mädchen sich Alkoholexzessen hingeben. Projektziel war daher zuvorderst den Jugendlichen zu zeigen, dass „man auch ohne Alkohol feiern kann und den maßvollen Umgang mit Alkohol beizubringen“. So bezog das Projekt den gesamten Landkreis mit ein und adressierte Kommunen, Vereine, die Gastronomie, Supermärkte, Schulen und Betriebe, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Das Interesse war dabei groß. So nahmen beispielsweise 21 von 34 Gemeinden an Beratungsgesprächen teil, an weiterführenden Schulen wurden Elternabende und Infogespräche in den Klassen durchgeführt oder über 30 Alkoholschulungen „No alc for kids“ wurden vor Veranstaltungen von Vereinen in Anspruch genommen. Ziel sei, so Regauer, dass Veranstaltungen in Zukunft nur noch nach der Teilnahme an den Alkoholschu- lungen genehmigt werden. Der Erfolg zeige sich am besten am Beispiel des Weilheimer Volksfestes. Wurden 2008 noch zwölf alkoholvergiftete Jugendliche eingeliefert, waren es 2009 und 2010 nach den Schulungen nur noch vier beziehungsweise zwei. „Die Jugendlichen wissen und akzeptieren jetzt, dass das Bedienungspersonal keinen Alkohol mehr an sie ausschenkt“, verrät Bräutigam. Laut Regauer seien schon über 3700 Personen durch das Projekt erreicht worden. Ende November ist die Preisverleihung geplant. Dazu gibt es Ü-14-Parties: 18. März, Pit Two (Weilheim), 25. März, Step in (Peißenberg).

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