Fleißige Schüler pflegen den Wald

Mit Säge, „Waldteufel“ und Gartenschere waren die Waldorfschüler aus Landsberg bei der Waldpflege in Penzing/Ramsach mit großen Eifer zugange. Foto: Reiter

Unzählige Telefonate hatte Penzings Bürgermeister Johannes Erhard seit der offiziell verkündeten Bundeswehr-Standortschließung führen müssen. Da war ein Abstecher in den Gemeindewald für ihn eine willkommene Abwechslung: Mit Bauhof-Mitarbeiter Thomas Schmid brachte er der schwer arbeitenden 7. Klasse der Freien Waldorfschule Landsberg eine ordentliche Brotzeit.

Bei Butterbrezen und Wurstsemmeln berichteten die Waldorfschüler über ihr Forstpraktikum. Im Waldgebiet Penzing/ Ramsach haben sie Waldpflege betrieben, über 700 Bäume von jeweils 1,20 Meter Höhe per Hand gepflanzt und einen eingewachsenen Zaun abgebaut. „Ein tolles Projekt! Es ist unglaublich, was die alles geleistet haben“, zeigte sich Erhard begeistert. Und bedankte sich persönlich bei der Klasse sowie Lehrerin Barbara Pfeiffer. „Allein schon mit dem Zaunabbau haben uns die Schüler sehr entlastet, denn das ist eine schwere Arbeit“, freute auch Bauhof-Mitarbeiter Thomas Schmid. Angeleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von Förster Andreas Brem (Geltendorf) und seinen Mitarbeitern. Brem und seine Kollegin Eva Wiecha hatten schon im September einen Einführungstag mit der Klasse absolviert, um sie auf das Praktikum vorzubereiten: „Wir sahen uns Bilder an, wie der Wald früher aussah und heute aussieht. Früher war es Mischwald. Heute sind es immer die gleichen Bäume, meistens Fichten oder Buchen, auch wegen der Möbelindustrie. Die Fichte aber verträgt das warme Klima nicht gut, auch der Waldboden leidet“, haben die Schülerinnen Ramona Gruber und Lisa Wischnewski gelernt. „Außerdem machen die Fichten den Waldboden kaputt. Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten! Daher soll der Bestand an Fichten verringert werden“ – das hat sich Adriana Wassermeyer gemerkt. Gut geeignet für unsere Gegend sind Bergahorn und Hainbuche. Gerodet und gepflanzt Eine Woche lang arbeiteten die Kinder, begleitet von ihrer Lehrerin, einem Förster und mehreren Eltern, im Wald. Zuerst wurde der Boden für die Bepflanzung vorbereitet: Eine Gruppe sägte Hollersträucher, Fichtensprösslinge etc. ab und graste Gestrüpp aus. Eine weitere Gruppe brachte Fluchtstangen zum Bepflanzen ein und setzte erste Bäume. Die nächste Gruppe sägte größere Fichten ab, um Platz für kleine Eichen und Bergahorn schaffen. Brombeersträucher wurden gerodet, Bergahorn und Hainbuche angepflanzt. Andere Schüler bauten um den Jungwald herum einen Zaun ab. Dort, wo überwiegend Ahorn wuchs, mussten bei Bäumen, die mehrere Gipfel hatten, alle bis auf den größten abgeschnitten werden, um dem Ahorn ein besseres Wachsen zu ermöglichen. Arbeitsgeräte waren unter anderem Säge, „Waldteufel“, Rundspaten, Wiedehopfhaue und Gartenschere. „Körperlich waren die Kinder der Arbeit gut gewachsen, anfängliche Unlust wich einem ruhigen Arbeitsrhythmus“, berichtet Lehrerin Barbara Pfeiffer. Zudem hatte man mit dem Wetter Glück, denn nur an einem Tag gab es zwischendurch leichten Regen. „Wir Förster sind mit der Arbeit der Jugendlichen sehr zufrieden, sie waren sehr fleißig und interessiert“, resümierte Förster Jonas Hengler, der die Gruppe am letzten Tag begleitete. Bürgermeister Erhard informierte sich ausführlich über das Projekt, das es so an keiner anderen Schule im Kreis gibt. Das Forstpraktikum nimmt an „Ideen-Initiative-Zukunft“ teil, einem Gemeinschaftsprojekt der UNESCO und des dm-Marktes. Im Februar 2012 werden die Siebtklässler darüber berichten. Sie dürfen dabei auch auf eine finanzielle Zuwendung hoffen, die die Ausgaben für den Bus kompensiert, der die Klasse jeden Tag in den Wald brachte. Penzings Gemeindeoberhaupt war der Meinung: „Soviel positives Engagement muss belohnt werden.“ Und reichte die Brotzeit.

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