Die Frühförderung der Kinderhilfe Oberland feiert 35-jähriges Bestehen

"Anderssein wurde normaler"

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Hoffen auf viele weitere schöne und erfolgreiche Jahre (v.li.): Wolfgang Greza, Dr. Christoph Wittermann, Angelika Barton, Irmgard Blattenberger-Remesch, Mechthild Roder, Ruth Merk, Sigrid Klasmann.

Weilheim – Ein Frühchen, ein Kind mit körperlicher oder geistiger Behinderung, oder eines, das hyperaktiv ist. „Kinder, die mehr brauchen“, wie es Angelika Barton, Psychologin und Leiterin der Frühförderung in Weilheim, aus- drückt. Oft fühlen sich Eltern in solch einer Situation hilflos und wissen nicht, was sie tun sollen und welche Möglichkeiten es gibt. Doch zum Glück weiß die Frühförderstelle der Kinderhilfe Oberland Rat. Und das seit 35 Jahren. 

Frühförderung sei eine „äußerst segensreiche Entwicklung“, findet Kinderarzt Dr. Christoph Wittermann, stellvertretend für die Kinderärzte in Weilheim und Peißenberg. „Viele Kinder haben mehr erreicht, als sie ohne Frühförderung geschafft hätten.“ Das liege nicht zuletzt an der engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten in allen Bereichen, ambulant oder mobil. 

Egal ob in schweren Fällen  oder bei leichten Störungen, etwa bei der Sprache, der Aufmerksamkeit oder der Motorik – Eltern können sich mit allen Problemen, Auffälligkeiten und Bedenken, die sie in Zusammenhang mit der Entwicklung ihrer Kindern haben, jederzeit an die Kinderhilfe wenden. „Bei einem Kind mit Trisomie 21 ist beispielsweise recht klar, dass Probleme auftauchen werden, bei vielen Kindern stellt sich aber erst im Laufe der Zeit heraus, dass es Verzögerungen in der Entwicklung gibt“, erklärt  Wittermann. Ganz nach den Bedürfnissen des Kindes werden dann Maßnahmen durchgesprochen und ergriffen. „Es ist wichtig, kleine Schritte zu erreichen“, spricht Ergotherapeutin Irmgard Blattenberger-Remesch aus Erfahrung. „Fähigkeiten rauskitzeln“, hält Sigrid Klasmann, Geschäftsführerin der Kinderhilfe, für die beste Methode. „Die Kinder sollen lernen, mit ihren Stärken und Schwächen umzugehen.“ 

Doch auch die Eltern werden nicht alleine gelassen. „Wir wollen ihnen helfen, zu verstehen und zu lernen, das Kind anzunehmen, wie es ist.“ Wichtig sei dabei auch, dass „Kinder jeder Couleur“ miteinander aufwachsen. Bereits seit 1985 wird daher großer Wert darauf gelegt, die Inklusion auch tatsächlich zu leben. 

An viele Erfolge aber auch an Zeiten, in denen es Probleme gab, erinnert sich Ergotherapeut Wolfgang Greza, der seit 1980 dabei ist, zurück. In den Anfangsjahren waren es nur ein paar Angestellte, die ein riesiges Gebiet abdeckten und zu den Kindern fuhren. Um die 15 Kinder konnten damals begleitet werden. Als der Bedarf immer größer wurde, entstanden nach und nach mehr Frühförderstellen im ganzen Landkreis. Heute gibt es insgesamt sechs Stück in Weilheim, Penzberg, Schongau und Peiting. 

Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt können hier und in den angegliederten Horten und Tagesstätten betreut werden. 40 psychologische, logopädische, ergo- und physiotherapeutische Fachkräfte sind dabei involviert. Zwischen 500 und 600 Kinder werden jährlich betreut. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Frühförderung gut angenommen wird und sich die Akzeptanz in der Gesellschaft verändert hat. Heute gebe es wesentlich seltener Probleme als früher, glaubt Greza. „Anderssein wurde mit der Zeit normaler“. Und allein daran zeigt sich, welch wichtigen Beitrag die Kinderhilfe leistet.                            Von Ursula Gnadl

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