"Gipfelgespräch" mit zwei Landrätinnen benachbarter Landkreise

Zum Interview auf den Auerberg

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Andrea Jochner-Weiß (re.) und Rita Zinnecker stehen an der Spitze zweier Landkreise mit vergleichbarer Einwohnerzahl.

Landkreis/Marktoberdorf – Ein Jahr Landrätin: Welcher Ort ist für ein Interview aus diesem Anlass wohl besser geeignet als der Auerberg! Bei einem „Gipfelgespräch“ mit dem Kreisboten betonen Landrätin Andrea Jochner-Weiß und ihre Kollegin Rita Zinnecker aus dem Ostallgäu durchaus einige Gemeinsamkeiten.

Beide sind Anfang Fünfzig, beide haben im Jahr 2014 in der Stichwahl gegen ihren jeweiligen Amtsinhaber gewonnen und beide gehören der CSU an. Für Jochner-Weiß und Zinnecker hat sich im letzten Jahr gar vieles verändert. Sie sehen in der Unterbringung der Asylbewerber eine dringende Aufgabe des nächsten Jahres.

In ganz Bayern gibt es gerade mal vier Landrätinnen. Jochner-Weiß ist die einzige aus Oberbayern, Zinnecker die einzige aus Schwaben.

"Mein Leben hat sich restlos verändert"

Die Landrätin, ihre Arbeitswelt, der Kühlschrank und die Katzenfuttervorräte

Für Landrätin Andrea Jochner-Weiß hat sich im letzten Jahr das Leben „restlos verändert“. Dies bekennt sie im Interview mit dem Kreisboten. Anlass dafür: Sie ist seit Mai 2014 im Amt. Was genauso für ihre Kollegin und „Nachbarin“ Rita Zinnecker aus dem Ostallgäu gilt. Mit ihr hat sie sich kürzlich auf dem Auerberg getroffen. Beide haben zunächst mit einem Glas Sekt auf das Einjährige angestoßen – und dann die Fragen beantwortet, die Johannes Jais gestellt hat.

Wie hat sich Ihr Leben mit der neuen Aufgabe verändert?

Jochner-Weiß: „Mein Leben hat sich restlos verändert. Mein Arbeitstag im Büro beginnt um 7 Uhr und endet meist erst spät abends. Während vorher ein warmes Mittagessen für meine Kinder oberste Priorität für mich hatte, hoffe ich heute ständig, dass noch Essbares im Kühlschrank ist und die Katzenfuttervorräte noch nicht aufgebraucht sind.“

Zinnecker: „In meinen vorherigen beruflichen Tätigkeiten war ich bereits engagiert unterwegs, jetzt ist es noch mehr und intensiver.“

Wie häufig Sind Sie abends und an Wochenenden unterwegs?

Jochner-Weiß: „Gefühlt immer! Mit viel Glück schaffe ich es, ein- bis zweimal in der Woche um 20 Uhr nach Hause zu kommen. Die Wochenenden sind eigentlich alle gut gefüllt. Die ersten Wochen im Jahr geht’s von Neujahrsempfang zu Neujahrsempfang, dann folgen die Jahreshauptversammlungen und Bürgerversammlungen. Und von Mai bis Oktober ist sowieso jedes Wochenende viel los.“

Zinnecker: „Regelmäßig.“

Wie schaffen Sie Freiräume für sich und die Familie?

Jochner-Weiß: „Mein großer Vorsatz: Ein freies Wochenende im Monat. Das habe ich dieses Jahr bisher auch geschafft, dank Urlaub im Januar, Faschingswochenende im Februar, Berlin-Fahrt im März und Ostern im April! Im Mai möchte ich mir das Pfingstwochenende freihalten.“

Zinnecker: „Durch konsequente Planung – anders keine Chance!“

Das Thema Asylbewerber steht ganz oben auf der Agenda – wie sehr nimmt es Sie und die Mitarbeiter im Landratsamt in Anspruch?

Jochner-Weiß: „Das Thema Asylbewerber beherrscht uns voll und ganz. Es ist die größte Herausforderung, die wir derzeit bewältigen müssen, wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen, die der Landkreis jemals bewältigen musste.

Ohne den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde und Liegenschaftsverwaltung und des Amtsvorstandes wäre diese Aufgabe nicht lösbar. Zur Steuerung der vielen Aufgaben habe ich eine Koordinierungsgruppe Asyl eingerichtet.“

Zinnecker: „Das Thema Asyl ist angesichts der globalen Situation zweifellos eines der drängendsten dieser Tage, und es wird uns sicher noch eine längere Zeit beschäftigen.“

Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie im nächsten Jahr?

Jochner-Weiß: „Der Schwerpunkt wird auch im nächsten Jahr in der Unterbringung der Asylbewerber liegen.

Stolz und glücklich bin ich, dass wir mit dem Neubau des Bettentraktes am Weilheimer Krankenhaus beginnen können, gefolgt vom Neubau von vier OPs, der Neugestaltung des Eingangsbereiches und der Notaufnahme. Die Sanierung des Schongauer Schulzentrums sowie des Weilheimer Gymnasiums können eventuell schon begonnen werden. Überglücklich wäre ich, wenn wir auch schon den Spatenstich für den Neubau der neuen Berufsschule in Weilheim machen könnten. Priorität hat – Stichwort Inklusion – auch das Umsetzen der Teilhabe-Planung.“

Zinnecker: „Stichwörter für die politischen Schwerpunkte sind: die Herausforderung Asyl, die Kreisentwicklung über das Leader-Programm, Tourismusprojekte, die Bildungsregion Ostallgäu, Infrastruktur für Straße, Breitband, Schiene sowie die Konsolidierung des Gesundheitsstandortes Ostallgäu, insbesondere Krankenhäuser, und Inklusion.“

Sie haben beide in der Stichwahl gegen den bisherigen Amts- inhaber gewonnen – wie hat sich das anfangs auf die Landkreis-Politik ausgewirkt?

Jochner-Weiß: „Dazu will ich nur sagen: Neue Besen kehren nicht unbedingt besser, aber anders.“

Zinnecker: „Es ist ein anderer Stil – die Herausforderungen bleiben die gleichen. Die Herangehensweise ist eine andere. Notwendig ist eine Brückenbauerin.“

Wie reagieren die Männer im Amt bzw. im Kreistag darauf, dass jetzt eine Frau an der Spitze des Landkreises steht?

Jochner-Weiß: „Ich denke, für einige war es bestimmt sehr gewöhnungsbedürftig, aber vom Gefühl her passt es ganz gut.“

Zinnecker: „Die Aufgabe steht im Mittelpunkt – nicht das Geschlecht. Ich bin es aus früheren beruflichen Tätigkeiten in Männerdomänen gewohnt.“

Weilheim-Schongau gehört zu Oberbayern, das Ostallgäu zu Schwaben: Wie oft haben Sie beide sich schon getroffen bzw. miteinander gesprochen, wo gibt es Berührungspunkte?

Jochner-Weiß: „Berührungspunkte gibt es leider nicht viele, ja eigentlich nur in der Aufteilung unserer LAGs (Lokale Aktionsgruppen). Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn wir uns auf Tagungen und Kongressen, insbesondere bei der Landrätetagung, sehen. Es ist für mich immer ein ganz besonderes Highlight, wenn ich mich mit einer Frau austauschen kann.“

Zinnecker: „Wir sehen uns häufig bei überregionalen Terminen, zum Beispiel beim Landkreistag. Ich freue mich jedes Mal; der Austausch ist intensiv.“

Wenn die Frau Zinnecker mal einen Ausflug nach Weilheim-Schongau unternimmt, dann sollte sie auf jeden Fall …

Jochner-Weiß: „… zu mir nach Hause kommen, damit wir völlig unbeobachtet genug Zeit zum Austauschen und Fachsimpeln haben!“

von Johannes Jais

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