Aktionstag: Mit "untypischen" Berufen auf Tuchfühlung

Mehr Girls an die Werkbank

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Jana (re.) fertigt an der Drehbank ein Senklot an und wird von Anja Obermeier fachlich angeleitet.

Weilheim – Jana ist 17 und hat einen konkreten Berufswunsch: „Ich möchte Maschinenbau studieren“, sagt sie selbstbewusst, während sie an der Drehbank ein Messingteil einspannt. Der Girls’ Day kommt der Gymnasiastin aus Uffing gerade recht, um in den Alltag einer metallverarbeitenden Werkstätte hineinzuschnuppern.

„Runter mit den alten Zöpfen“ wirbt Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer dafür, bei der Berufswahl veraltete Rollenklischees über Bord zu werfen. Mädchen für technisch-naturwissenschaftliche und Jungs für soziale Berufe zu gewinnen ist das Ziel des Girls’- und Boys’-Days, zu dem Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren am 25. April bundesweit eingeladen waren. Unter den Betrieben und Einrichtungen, die ihre Werkstätten für den Nachwuchs öffneten, war das Bildungszentrum der Handwerkskammer in Weiheim. 18 Mädchen nutzten den Technik-Tag, um in den Berufsfeldern Elektronikerin, Anlagen-, Feinmechanikerin, Kfz-Mechatroni- kerin, Malerin und Maurerin bei praktischen Übungen ihr handwerkliches Geschick zu testen. 

 „Wir sind zum achten Mal dabei“, berichtete Stefan Biesenberger. Beim Rundgang in den Werkstätten bestätigte sich die Beobachtung, die der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums gemacht hat: „Für die Mädchen bringt dieser Tag nicht nur Abwechslung zur Schule, sie haben auch jede Menge Spaß.“ Künftig will sich das Bildungszentrum auch beim Boys’ Day einbringen und Jungs einen Schnuppertag im Friseurhandwerk anbieten. 

 Zurück zu Jana: Für ihr Maschinenbaustudium bringt die 17-Jährige gute Voraussetzungen mit: „Ich bin ziemlich gut in Mathe und Physik“, verrät sie. Neben ihr an der Werkbank steht die Mittelschülerin Patrizia. Von ihrem Vater – ein Feinmechaniker und leidenschaft- licher Bastler – inspiriert, möch- te sie dieses Handwerk ebenfalls erlernen. „Meine Eltern finden es gut, dass es den Girls’ Day gibt“, plaudert Patrizia munter drauf los. Am Nachmittag wird die Murnauerin daheim stolz den Flaschenöffner herzeigen, den sie an der computergesteuerten Fräsmaschine hergestellt hat. Isabella (13) aus Polling hat sich die Arbeit in der Werkstatt „ganz anders“ vorgestellt. „Die Metallbearbeitung ist nichts für mich“, sagt die Wirtschaftsschülerin und schüttelt den Kopf. Auch dies ist eine wichtige Erfahrung auf der Suche nach dem richtigen Beruf. 

Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl begrüßt den Aktionstag als „Riesenchance für das Handwerk“, den weiblichen Nachwuchs für bisher untypische Berufe zu begeistern. „Die Mädels machen in den von Jungs dominierten Berufen sehr gute Abschlüsse“, weiß Zirngibl zu berichten.

Von Maria Hofstetter

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