Glenn Miller Orchestra begeistert in Peißenberger Tiefstollenhalle

Zeitreise in die Ära der Big Bands

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Sängerin Ellen Bliek verzauberte mit ihrer warmen Stimme und mädchenhaftem Charme das Publikum.

Peißenberg – Ein weißhaariger Mann schaut seiner Frau tief in die Augen. Er nimmt zärtlich ihre Hand, als „At Last“ im Saal erklingt. Vielleicht haben sie sich vor vielen Jahre zu den Liedern von Glenn Miller kennengelernt, als Jugendliche dazu getanzt. Sie flüstert ihm etwas ins Ohr. Beide lächeln zufrieden.

Auch die anderen Besucher, die am Dienstag in der Tiefstollenhalle zum Konzert des Glenn Miller Orchestras kamen, waren schnell in der Zeit der großen Big Bands angekommen. Wil Salden, der die Band leitet, hat seit 1990 die Lizenz, offiziell als Botschafter Glenn Millers aufzutreten und ist ein daher ein Garant für authentischen Klang.

Genau den gab es auch ab der ersten Note. Die gehörte zur „Moonlight Serenade“, die bereits einen Abend mit Klassikern andeutete. So war es dann auch. Bei nahezu jedem Lied konnten nicht nur Experten der Big Band-Musik schnell bekannte Melodien erkennen. 

Natürlich präsentierte die Band während des zweistündigen Konzerts viele original Arrangements von Glenn Miller. Zusätzlich gab es einige von Mitgliedern selbst arrangierte Hits und Interpretationen von Big Band-Legenden wie „I’ve got rhythm“ von George Gershwin oder „Sentimental Journey“ von Les Brown.

Der studierte Pianist Salden, der sich mit seinem weißen Jackett von den restlichen in schwarz gekleideten Herren und der schwarzen Bühnen deutlich abhob, spielte dabei selbst am Flügel. Dass bei den Berufsmusikern jeder Ton sitzt, konnte man erwarten, dass die Show drumrum ebenfalls präzise ausgefeilt war, erfreute umso mehr. Die Posaunisten agierten dabei als humorvolle „Klassenkasper“, die den Dirigenten auch mal mit ihren Instrumenten umringten, oder ihre Dämpfer als Hüte missbrauchten. Bei dem Rest der Band war die Choreographie genauso durchdacht, so dass sich jeder zum richtigen Zeitpunkt drehte, aufstand oder das Instrument in die Höhe hielt. Musikalisch herausragend war das etwa fünfminütige Schlagzeugsolo bei „Sing Sing Sing“, das durch lauten Beifall gewürdigt wurde. 

Sängerin Ellen Bliek, die einzige Frau in der Band, betörte die Zuhörer in gefühlvollen Balladen immer wieder mit ihrer weichen, warmen Stimme. Im Jazz-Quartett, später sogar im Quintett, zeigte sie aber auch, dass sie fröhliche Leichtigkeit versprühen kann. Im augenzwinkernden Flirt mit den vier Kollegen der „Moonlight Serenaders“, für die es keiner zusätzlichen Musiker bedurfte, da ein Trompeter, ein Posaunist, ein Saxophonist und Salden selbst zum Mikro griffen, brauchte es nicht lange, bis das Publikum mitklatschte.

Aufgefordert dazu wurde es einmal sogar explizit von Salden. „Ohne Hilfe schaffen wir es zwar auch, aber es wäre lustig, wenn sie mitmachen würden.“ Das war es in der Tat. Angesichts des komplizierten Klatsch-Schemas gaben bis auf einige Ehrgeizige die meisten aber schnell wieder auf. Spaß hat es trotzdem gemacht.

Von Ursula Gnadl

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