Steht das Biotop am Narbonner Ring in Weilheim vor dem Aus?

Wohin mit den Problemgoldfischen?

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Auch wenn Unbekannte es wohl gut gemeint haben: Die eingesetzten Goldfische richten im Amphibienbiotop erheblichen Schaden an.

Weilheim – Keiner weiß, wo sie auf einmal herkamen, die Goldfische, die im Biotop am Narbonner Ring ausgesetzt wurden. Doch es ist sicher: Wenn sie bleiben, werden sie alle Frösche in dem Tümpel umbringen. Wie soll es nun mit den Fischen weitergehen?

„Wenn nichts geschieht, ist der Laubfrosch an dieser Stelle in ein bis zwei Jahren ausgestorben.“ Schockierend ist die Bilanz, die Marcus Reichenberg hinsichtlich des Biotops am Narbonner Ring zieht. Unbe- kannte setzten im letzten Jahr Goldfische darin aus. Diese gefährden nun das Überleben der Laubfrösche. Vor knapp 20 Jahren bemerkte Reichenberg in den Reifenspuren von Lastwägen Froschlaich. Da die nahegelegenen Teiche kurz zuvor zugeschüttet wurden, fanden die Amphibien keine anderen Gewässer. Der damalige Teenager wandte sich an die Stadt und fand Gehör. Bald darauf entstanden zwei Biotope, in denen die Frösche einen Rückzugsort finden sollten. Das funktionierte auch sehr gut – vor allem das Biotop nahe des Tennisplatzes wurde schnell angenommen. Seitdem lauschen Spaziergänger Jahr für Jahr einem atemberaubenden Froschkonzert. Doch das Quaken könnte bald verstummen. Denn irgendwann im Sommer letzten Jahres setzten Unbekannte in dem kleinen Tümpel mehrere Goldfische aus. „Die Leute meinen es ja nicht böse“, ist sich Reichenberg sicher. Vielleicht wollte jemand den Teich mit den Fischen nur verschönern. Dieser Schuss ging jedoch nach hinten los. Die Fische fressen nämlich den Laich der Frösche und vernichten so sukzessive die Population der Amphibien. Der Winter hätte das Problem eigentlich von alleine gelöst. Das Wasser wäre zugefroren, die Fische wären erstickt. Dieses Schicksal wollten Unbekannte den Tieren ersparen und brachten zwei Plastikbojen an, die dafür sorgen, dass Luft unter das Eis gelangt. „Finger weg!!! Jede mutwillige Zerstörung wird angezeigt!!! Achtung“, schrieb ein Fischfreund in roten Buchstaben auf die weißen Plastikbojen. Am Balken vor dem Biotop klebt ein Zettel: „Bitte die weiße Glocke nicht entfernen. Nur so können die Fische im Teich überleben“. Zwölf Ausrufezeichen unterstreichen dieses Anliegen. Bis zum Frühling dürfen die Goldfische bleiben. Doch Marcus Reichenberg und sein Vater Jürgen müssen handeln, damit die Frösche eine Chance haben. Deshalb wollen die Naturschützer, wenn die Eisschicht geschmolzen ist, gemeinsam mit dem Fischereiverein die Goldfische fangen, in Gartenteichen unterbringen und so den Laubfrosch retten. Dieser steht auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. Das Problem ist vor allem, dass es ihm an geeigneten Lebensraum mangelt. „Das ideale Laubfroschgewässer ist flach, gut besonnt und vor allem fischfrei“, steht auf den Seiten des Naturschutzbundes. Dies trifft auf das kleine Biotop am Narbonner Ring zu. Auch die Wassertemperatur und Umgebung stimmen. Nicht zuletzt, da sich die Reichenbergs seit Jahren unermüdlich für die Erhaltung des Biotops einsetzen. Die Stadt unterstützt das Vorhaben. Bei zu wenig Wasser wird nachgefüllt. „Das Biotop soll erhalten bleiben“, sagt Andreas Wunder vom Ordnungsamt. „Die Menschen sollen Verständnis aufbringen“, wünscht sich Marcus Reichenberg. „Wahrscheinlich weiß derjenige, der die Fische eingesetzt hat, gar nicht, was er da anrichtet“, fügt sein Vater hinzu. Die beiden Versicherungskaufmänner würden sich auch freuen, wenn weitere Froschfreunde helfen und beispielsweise Müll entfernen. Doch die größte Hilfe ist ganz einfach: „Bitte keine Fische einsetzen!“


Von Ursula Gnadl

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