125 Grad in 4900 Metern Tiefe – Geothermiekraftwerk soll Bernried mit Strom und Wärme versorgen – Messungen gestartet

Am Montag, 27. Juli, wurde mit den 3D-seismischen Messungen des Untergrundes im Gebiet Bernried, Wielenbach, Seeshaupt und Tutzing begonnen. Denn hier soll ein hydrothermales Erdwärmekraftwerk entstehen, das Strom und Fernwärme produziert.

Die Gemeinde Bernried und die „BE Geothermal GmbH“ planen gemeinsam dieses Projekt. Seit der vergangenen Woche steht die Finanzierung, die australische „Macquarie Gruppe“ konnte als Investor gewonnen werden. Insgesamt 80 Millionen Euro wird der Bau eines Erdwärmekraftwerkes kosten, dazu kommen nochmal 15 Millionen für das Fernwärmenetz. Begonnen werden kann mit dem Bau allerdings nur, wenn die Messungen ergeben, dass sich der Boden, insbesondere die Wasser führende Kalkschicht, die sich in 4000 bis 5000 Metern Tiefe befindet, für die Gewinnung von Wärme und damit Strom eignet. Erwartet wird 150 ° C heißes Thermalwasser, die geplante Bohrtiefe liegt bei 4900 Metern, für die Rückflussbohrungen bei 4300 Metern. Damit könnte ein Kraftwerk mit einer Leistung zwischen neun und elf Megawatt betrieben werden, bei einer geplanten Auslastung von 90 Prozent wird es 77 Gigawattstunden im Jahr zur Verfügung stellen. 20000 Haushalte könnten so mt Strom versorgt werden. Das entspricht in etwa der Leistung von 25 Windrädern. Der Vorteil der Erdwärme gegenüber der Wind- oder Solarenergie ist, dass sie immer zur Verfügung steht. Das Kraftwerk soll die Gemeinde Bernried und die Klinik Höhenried mit Energie versorgen. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Tutzinger Süden an das Projekt anzuschließen. „Die Vorarbeit ist das Wichtigste“, erklärt der Geschäftsführer der „BE Geothermal“, Lutz Stahl. „Um den Untergrund transparent zu machen und uns ein möglichst exaktes Bild von seiner Beschaffenheit machen zu können, machen wir uns die Vibro-Seismik zunutze.“ Dabei werden wie bei einem Echolot durch Schallwellen Reflexionen aus dem Boden gemessen. Diese werden durch Mikrophonreihen (Geophone), die in einem oberirdischen Gitternetz über das zu vermessende Gebiet verlegt wurden, aufgenommen. Die Schwingungen werden von speziellen Vibrationsfahrzeugen erzeugt. Bis Mitte September werden die Fahrzeuge das betroffene Gebiet abfahren – so lange dauern die Messungen. „Die Bevölkerung steht einem Erdwärmekraftwerk aufgeschlossen gegenüber“, berichtet Bernrieds Erster Bürgermeister Josef Steigenberger. „Wir haben im Vorfeld versucht, die Leute möglichst genau über unser Vorhaben aufzuklären.“ Dies war auch deshalb nötig, da die Messungen nur durchgeführt werden können, wenn die Anlieger informiert und die Genehmigungen und Überfahrrechte für das Messgebiet eingeholt sind. Wenn alles nach Plan läuft, kann im November mit den Bauarbeiten für die Bohrungen begonnen werden. Die eigentlichen Bohrungen sollen im April 2010 starten.

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