Im Weilheimer Osten soll Pilotanlage entstehen – Erkundungsbohrungen voraussichtlich noch vor Weihnachten

Speicher für grüne Energie

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Auf der Kiesgrube neben dem Stadtwerke-Neubau (Foto) könnte eine Demo-Anlage errichtet werden, die überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien zwischenspeichert.

Weilheim – Nachdem die „Gravity Power GmbH“ in Penzberg keinen geeigneten Standort zur Errichtung ihres neuartigen Energie-Speichersystems gefunden hat, soll das Pilot-Projekt im Weilheimer Osten realisiert werden. Wie „Gravity“-Geschäftsführer Clemens Martin auf Nachfrage des Kreisboten in Aussicht stellte, könnte noch heuer mit den drei- bis vierwöchigen Erkundungsbohrungen begonnen werden.

Mit Problemen wie in Penzberg wird in Weilheim aufgrund anderer geologischer Voraussetzungen nicht gerechnet. Einen zügigen Ablauf des Genehmigungsverfahrens vorausgesetzt könnte es laut Martin im Sommer oder Herbst 2016 mit dem Bau losgehen.

„Das Kiesgrundstück neben dem Stadtwerke-Neubau ist ideal dafür“, sagt Vorstand Peter Müller. Der überschüssige grüne Strom aus der 400 kWp Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaues könnte dann für die Stadtwerke oder andere Grünstrom-Nutzer dort gespeichert werden, wirft Stadtwerke-Chef Müller einen Blick in die Zukunft.

Die Stadtwerke hatten sich bereits 2014 bei der „Gravity Power GmbH“ für das Projekt beworben. Die deutsche Tochter eines internationalen Spezialisten für Energie-Speichersysteme entschied sich jedoch für ein Grundstück am Penzberger Nonnenberg. Ein Jahr später steht nun fest, dass auch zwei weitere favorisierte Standorte in Penzberg nicht für den Bau dieser Demo-Anlage geeignet sind.

Kommt jetzt Weilheim zum Zug? Bürgermeister Markus Loth wird in einer Pressemitteilung der Stadtwerke mit den Worten zitiert: „Nun hat sich der lange Atem ausgezahlt, und das weltweit erste Pilotprojekt dieser Art könnte nach Weilheim kommen.“ Die praktische Umsetzung solcher innovativen Projekte sei „ein wichtiger Meilenstein für die Energiewende vor Ort“.

Das Areal, das sich in Weilheim als Bauplatz anbietet, gehört den Stadtwerken. Der Kiesuntergrund eignet sich voraussichtlich gut für Bohrung und Schachtbau, berichtet Müller und führt einen weiteren Vorteil ins Feld: Da die Solaranlage auf den Dächern der Stadtwerke mehr Strom erzeugt als für den Eigenverbrauch nötig ist, wird der Rest ins Stromnetz eingespeist. Ab Sommer 2016 war deshalb ohnehin das Installieren eines Stromspeichers geplant. Wenn nun neben den Stadtwerken ein solcher Speicher errichtet wird, könnten die Stadtwerke ihren regenerativen Strom einspeisen.

Unterirdisches Kraftwerk

In Penzberg wurden in den vergangenen zwölf Monaten drei Standorte untersucht. Bei allen ergaben sich Ausschlusskriterien für „Gravity Power“.

Die Berghalde war wegen ihres aufgeschütteten Aushubs ungeeignet, das Gebiet bei der ehemaligen Kläranlage bei Schönmühl schied aus, weil es sich um ein vertragliches Naturschutzgebiet handelt. Im Untergrund des Nonnenwalds muss mit Kohleflözen gerechnet werden, was für den Bau der Anlage mit unerwarteten Risiken verbunden wäre, wie Clemens Martin, Geschäftsführer der Firma „Gravity Power“, erklärte. Bei einem Pressegespräch im Penzberger Rathaus wurde von Seiten des Unternehmens und der Stadt bedauert, dass der Bau eines Schachtes für die Anlage aufgrund der Bergbaugeschichte gut zu Penzberg gepasst hätte. Doch „irgendwann ist ein Standort ausgeprüft“, warf Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner schließlich das Handtuch.

Die Kosten für das rund 100 Meter tiefe und im Durchmesser zehn Meter große Pilot-Projekt bezifferte Geschäftsführer Martin mit 13 bis 18 Mio. Euro. In Penzberg war eine kleinere Demo-Anlage geplant, die „Gravity Power“ nun in Weilheim bauen will.

Wie ein solches Pumpspeicher-Kraftwerk von „Gravity Power“ (GP) in der Praxis funktioniert, wird wie folgt beschrieben: Das GP Speicherkraftwerk besteht aus einem tiefen vertikalen Schacht, der mit Wasser gefüllt ist. In dem Schacht befindet sich ein massiver schwerer Kolben, der die halbe Schachthöhe einnimmt. Wird überschüssige grüne Energie gespeichert, wird der Kolben hydraulisch nach oben gedrückt. Beim Abrufen der Energie wird das Ventil geöffnet. Der Kolben senkt sich durch sein Eigengewicht sehr langsam nach unten und drückt dabei das Wasser zurück durch die Turbine. Etwa 80 Prozent der gespeicherten Energie kann wiedergewonnen und ins Netz eingespeist werden.

Im Unterschied zu herkömmlichen Pumpspeicher-Kraftwerken wird hier die grüne Energie im massiven Kolben gespeichert und nicht im Wasser. Das Wasser dient nur dazu, den Kolben hydraulisch zu bewegen. Die Schachtwand besteht aus wasserdicht versiegeltem Stahlbeton.

Von Maria Hofstetter und Alexander Kraus

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