"Gravity Power" plant neues Energiespeichersystem: 

Probebohrungen in Weilheim stehen an

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Clemens S. Martin: „Auf unserer Website wird laufend über den Stand des Vorhabens informiert.“

Weilheim – „Gravity Power“ will loslegen: Sobald die ausführende Baufirma DMT das schwere Gerät verfügbar hat, können die Erkundungsbohrungen in der Kiesgrube auf dem Gelände der Stadtwerke starten. Sie werden darüber Gewissheit geben, ob im Weilheimer Osten die erste Pilotanlage für ein neues Energiespeichersystem gebaut werden kann.

Als Clemens S. Martin von der Geschäftsleitung Bayern der „Gravity Power GmbH“ den Stadträten das Projekt erklärte, stieß er mit seinen Ausführungen durchwegs auf offene Ohren. Wie berichtet, plant „Gravity Power“, 100-prozentige Tochter eines US-Unternehmens, auf der Kiesgrube neben den Stadtwerken an der Deutenhausener Straße ein in sich geschlossenes, unterirdisches Pumpspeicherkraftwerk, das überschüssigen Strom aus Erneuerbaren Energien zwischenspeichert. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Fraunhofer Institut für Bauphysik. Geschätzte Kosten: 13 bis 18 Mio. Euro.

Im Zuge der Altlastensanierung am ehemaligen Standort der Stadtwerke in der Krumpperstraße wird zur Zeit Aushubmaterial entnommen und in der Kiesgrube zwischengelagert, wo „Gravity Power“ sein Vorhaben realisieren will. Von Stadtwerkevorstand Peter Müller hat der Kreisbote erfahren, dass dort noch in dieser Woche die ersten Lkw-Ladungen abgekippt werden. Die zirka 140 Meter tiefen Probebohrungen können nach Auskunft von „Gravity“-Geschäftsführer Martin unabhängig davon sofort beginnen. „Wir brauchen dafür nur wenig Platz“, begründete das Martin. Vom Bohrbeginn bis zur Auswertung der Bohrkerne und Ermittlung der Kostenkalkulation rechnen die Fachleute mit acht Wochen.

Daran schließt sich bei erfolgreicher Bohrung das Genehmigungsverfahren für die Demoanlage an. Als Baubeginn fasst der Geschäftsführer Ende 2016 oder spätestens Anfang 2017 ins Auge, so dass das auf „40 Jahre +“ ausgelegte Pionierprojekt bis Anfang 2018 in Betrieb gehen könnte. Das Grundstück wird von den Stadtwerken gepachtet.

Finanziert wird das Vorhaben, wie Geschäftsführer Martin dem Kreisboten erklärte, von der amerikanischen Muttergesellschaft „Gravity Power LLC“, der „Gravity Power GmbH“ und der separaten Projektgesellschaft „Gravity Energy AG“ mit Sitz am Tegernsee. Eigentümer ist die für den Bau der Weilheimer Demoanlage gegründete „Gravity Energy AG“. Die Anlage könnte später – aber das ist noch Zukunftsmusik – von den Stadtwerken übernommen werden.

Beim Vorgang des Energiespeicherns und -abrufens, erklärte Martin in der Stadtratssitzung, kommen bewährte Techniken aus Tunnel-, Bergbau und Hydrotechnologie zum Einsatz. Für die ein MW-Anlage in Weilheim wird unterirdisch ein 100 Meter tiefer, vertikaler Schacht mit acht bis zehn Metern Durchmesser gebaut. Die Schachtwand besteht aus wasserdicht versiegeltem Stahlbeton. Zum Speichern der überschüssigen Energie wird ein 5 000 Tonnen schwerer Kolben hydraulisch nach oben gedrückt. Beim Abrufen der Energie öffnet sich das Ventil, der Kolben senkt sich langsam nach unten und drückt das Wasser zurück durch die Turbine. Im Gegensatz zu herkömmlichen Pumpspeicher-Kraftwerken wird die Energie nicht im Wasser, sondern im massiven Kolben gespeichert. Mit dem Wasser wird der Kolben hydraulisch bewegt.

Martin nannte weitere Eckdaten: Während der Bauarbeiten werden in der Kiesgrube 4 000 und danach nur noch 400 Quadratmeter Fläche benötigt. Das Aushubvolumen umfasst 5 000 Kubikmeter.

Im Neubau der Stadtwerke soll laut Martin für Interessierte und Fachleute aus aller Welt ein Besucherzentrum entstehen, in dem die Testanlage schon während der Bauphase multimedial vorgestellt wird. Noch im Laufe des Februars wird „Gravity“ für das Weilheimer Vorhaben eine Info-Website einrichten.

Die Stadträte Karl-Heinz Grehl (Grüne) und Klaus Gast (CSU: „Eine faszinierende Technik“) begrüßten es, „dass dieses innovative Projekt nach Weilheim kommt“. Auf die Frage von SPD-Kollege Ingo Remesch nach dem Personalbedarf erklärte Martin, dass die Demoanlage relativ wartungsfrei sei: „Eine Teilzeitkraft genügt.“ Geräuschbelästigungen durch den Kolben seien nicht zu befürchten, da dieser oberirdisch kaum zu hören sei.

Maria Hofstetter

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