Beate Sitek, die neue Schulleiterin des Gymnasiums Weilheim, im Interview

Pädagogin aus Leidenschaft

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„Ich betrachte es als Geschenk, meine Schullaufbahn mit diesem Amt krönen zu können“, so Beate Sitek bei ihrer Amtseinführung.

Weilheim – Am vergangenen Freitagmittag war die offizielle Amtseinführung von Beate Sitek, der neuen Leiterin des Gymnasiums Weilheim. Was die seit 23 Jahren in Tutzing lebende Schulleiterin mit Weilheim verbindet, wie sie das Profil des Gymnasiums sieht, die Lehrpläne und das G8 einschätzt, erzählte sie vorab im Gespräch mit dem Kreisboten.

Sie waren schon mal in Weilheim am Gymnasium tätig, oder?

Beate Sitek: „Richtig. Von 2008 bis 2011 war ich stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium und habe unterrichtet. Dann bin ich als Schulleiterin nach Olching gegangen und jetzt wieder zurück nach Weilheim.“

Was macht Weilheim zu einer besonderen Stadt für Sie?

Sitek: „Ich habe das Gefühl, es gibt hier so eine gewisse Lebensart. Die Leute sind fröhlich, offen und freundlich. Es ist die Wärme des Oberlandes, die ich vermisst habe. Ich habe auch das Gefühl, dass hier doch eine stärkere Identifikation in der Stadt vorhanden ist. Weilheim hat eine Unverwechselbarkeit und die Leute sind stolz darauf, Weilheimer zu sein. Ich war lange in Starnberg, München und Olching und habe da entdeckt, wie kuschelig es hier ist. Ich lebe zwar in Tutzing, aber Weilheim war schon meine Einkaufsstadt, als ich nichts mit der Schule zu tun hatte.“

Wie sind Sie hier am Gymnasium aufgenommen worden?

Sitek: „Es war ein ganz warmes Willkommen. Ich habe mich schon eingelebt. Was mich neben vielen Dingen für diese Schule einnimmt ist, dass hier zugehört wird.“

Sie sind seit 32 Jahren Lehrerin, haben Sie als Schulleiterin noch Zeit zum Unterrichten?

Sitek:  „Wir sind eine Seminarschule, das heißt, wir bilden Referendare aus. Wir sind für deren gesamte Referendarzeit verantwortlich. Ich überwache als Seminarvorstand die Ausbildung und unterrichte die Referendare, nicht aber die Schüler.“

Vermissen Sie das Unterrichten in Ihren Fächern Englisch, Ethik und Psychologie?

Sitek:  „Ja. Ich bin gerne Lehrerin. Mir fehlt es wirklich sehr. Aber es macht keinen Sinn irgendwo ein paar Stunden rauszuholen.“

Wie sehen Sie das Profil des Gymnasiums und gibt es etwas, das Sie verbessern möchten?

Sitek:  „Die Musikveranstaltungen, die Sprachen und der Auslandsaustausch – es ist ein klares Profil da. Die Schüler sind auch über den Unterricht hinaus engagiert, zum Beispiel als Streitschlichter oder Tutoren. Es ist eine sozial eingestellte Schule mit viel außerschulischem Engagement, aber auch mit Leistungsorientierung. Es kommt hier auf eine gute Balance an. Ich möchte das Profil noch mal deutlicher herausarbeiten. Ich werde zunächst Gespräche auf der Führungsebene führen und wenn da deutlich wird, wo man noch was machen kann, können konkrete Pläne erarbeitet werden. Ich spreche auch mit vielen Eltern und Schülern, wie sie die Schule sehen.“

Was ist unter dem LehrplanPlus zu verstehen?

Sitek: „Es ist der erste Lehrplan, der zwischen den Schulen – schon mit der Grundschule – eine Anschlussfähigkeit herstellt. Es geht bei diesem Lehrplan neben dem Inhalt auch um die Herangehensweise und die Methoden. Der Lehrer sollte den Unterricht konsequent mit den Augen des Schülers betrachten, das ist der Dreh an dem LehrplanPlus. Es geht um nachhaltiges Lernen, nicht darum, den Schülern das Wissen einzutrichtern. Lernen soll erfahrbar sein. Dazu gehört auch, Querverweise zu anderen Fächern herzustellen. Das setzt auf der Ebene der Lehrer viel Nachdenken und Reflexion voraus. Ich weiß nicht, ob die Schule die Nachhaltigkeit alleine schaffen kann, ob es da nicht auch außerhalb noch mehr braucht. Letztlich geht es um eine permanente Weiterentwicklung der Schule.“

Wie schätzen Sie die G8/G9-Frage ein?

Sitek:  „Der Kultusminister (Dr. Ludwig Spaenle) hat zwei Eckpunkte festgelegt: nach sechs Jahren soll die Mittlere Reife geschafft sein und die Oberstufe dauert zwei Jahre. Das bedeutet, das G8 bleibt. Man könnte eine ‚Gelenk-11. Klasse‘ einfügen. Das ist der einzige Schluss, den ich sehen. Das wären dann insgesamt 13 Jahre. Die Befürworter des G9 stellen sich aber eine Streckung des Lernstoffs vor und das wird so nicht funktionieren. Wir sind durch das Kultusministerium und den europäischen Referenzrahmen gebunden.“

Hat sich der Lehrplan inhaltlich durch das G8 verändert?

Sitek:  „Ja. Es wird mehr exemplarisch gearbeitet, was auf Kosten der Tiefe gehen kann.“

Womit beschäftigen Sie sich gerne, wenn Sie mal Freizeit haben?

Sitek: „Ich habe immer viel gearbeitet und ich arbeite gerne. Wenn ich Freizeit habe, was selten der Fall ist, dann gehe ich gerne in die Berge oder lese. Ich schreibe auch noch Artikel über die Schule und bilde Führungskräfte aus.“

Vielen Dank für das Gespräch.

 Von Melanie Wießmeyer

 

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