Asylthema dominiert Hauptversammlung von Haus- und Grund – Vorstandsteam bestätigt

Furcht vor Zwangseinweisung

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Gut besuchte Hauptversammlung: Vorne auf dem Podium v.li.: Dr. Ulrike Kirchhoff, Wolfgang Sartory, Alfred Honisch, Norbert Merk und Dr. Maria Hagenauer, Rechtsanwältin Haus und Grund. Am Rednerpult Geschäftsführer Christian Lex.

Weilheim - Das Interesse an der Hauptversammlung des Haus- und Grundbesitzervereins Weilheims war deutlich größer als in den Vorjahren, so dass noch zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden mussten, um die über 300 Besucher in der Stadthalle unterzubringen. Hauptgrund für das große Interesse waren nicht die Neuwahlen, sondern vielmehr das Asylthema, das auch die Immobilienbesitzer im Landkreis umtreibt.

„Wo sollen die vielen Menschen untergebracht werden?“ zeigte sich nicht nur Vereins- chef Wolfgang Sartory ratlos. Die großen Probleme könnten erst noch kommen, befürchtete Christian Lex. „Derzeit von Wohnungsnot in Weilheim zu sprechen, wäre übertrieben, sie könnte in Zukunft aber drohen“, erklärte der Geschäftsführer des Vereins, der aktuell fast 1800 Mitglieder hat.

Sartory und Lex übten deutliche Kritik an der Politik in Sachen Gesetzgebung, Wohnungsbauförderung und Asylpolitik. Lex schoss sich vor allem auf die Mietpreisbremse ein, die seit 1. August in Weilheim gilt (wir berichteten). „Sie greift massiv in die Vertragsfreiheit ein. Das verunsichert Hausbesitzer und schreckt Investoren ab“, befürchtet Lex aufgrund fehlender Rechtssicherheit eine Vielzahl an Prozessen, nicht zuletzt, weil es im Landkreis sehr schwierig sei, eine ortsübliche Vergleichsmiete, die als Grundlage für die Deckelung der Mietpreiserhöhung hinter der „Bremse“ steckt, zu ermitteln.

Ungeachtet dieses politischen Instrumentariums sind die Mieten und vor allem die Kaufpreise in Weilheim in den letzten Monaten geradezu in den Himmel geschossen. „Quadratmeterpreise von 4 000 Euro werden gefordert und bezahlt“, führte Sartory bei seinem Blick auf den heimischen Immobilienmarkt aus.

In ähnliche Dimensionen stoßen auch die Preise in Penzberg. Die Region Peißenberg, Peiting und Schongau mit Durchschnittspreisen von rund 2 500 Euro ist dagegen im Vergleich günstiger. Bei den Mieten hat sich in den drei vorgenannten Kommunen gegenüber dem letzten Jahr nicht sehr viel getan, erfuhren die Versammlungsteilnehmer. Für den Quadratmeter einer neu gebaute Wohnung werden um die acht Euro gezahlt. In Weilheim und Penzberg sind dafür inzwischen bis zu zwölf Euro fällig.

„Es gibt genügend Angebote. Aber eine Traumwohnung für wenig Geld wird man in unserer Region schwer finden“, erklärte Sartory, der bei den Neuwahlen wie der zweite Vorsitzende Siegfried Thalmeier für weitere drei Jahre im Amt bestätigt wurde.

Nach den Wahlen referierten Rechtsanwalt Jörg Potthast über das Bestellerprinzip im Maklerrecht und Kreiskämmerer Norbert Merk über die Arbeit des Landratsamts in Sachen Asylproblematik.

„Alles ist endlich, auch die Unterbringungsmöglichkeiten“, machte Merk dabei unmissverständlich klar. Gleichzeitig warnte er vor den Auswirkungen der zweiten Welle nach der Anerkennung der Flüchtlinge und einem eventuellen Nachzug der Familienmitglieder. „Das wird zu großen Problemen am Mietmarkt führen“, befürchtet Merk, dessen Ausführung nahtlos in die anschließende Podiumsdiskussion überleitete, in der auch die Unterbringung von Asylbewerbern im Mittelpunkt der Diskussion stand.

Mehrfach kam dabei die Zwangseinweisung zur Sprache. „Das ist das schlimmste Szenario und darf erst ganz weit hinten kommen“, stellte Integrationsbeauftragter Alfred Honisch klar, der als Vertreter der Stadt Weilheim auf dem Podium saß. Umwidmen von Gewerbeimmobilien in Wohnraum war für Sartory ein Weg, die Zwangseinweisung, die viele Immobilienbesitzer als Damoklesschwert über sich schweben sehen, zu verhindern.

„Wir lehnen Zwangsmaßnahmen ab,“ erklärte Dr. Ulrike Kirchhoff. Den Mitgliedern werde empfohlen, „auf freiwilliger Basis Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, führte die Vorsitzende von Haus- und Grund Bayern aus. Diesen Ball nahm auch Merk auf. „Wir sind interessiert, den Wünschen den Vermieters zu entsprechen“, umwarb der Kreiskämmerer vehement die Hauseigentümer.

Einig waren sich am Ende dieser Veranstaltung alle Beteiligten vor allem in einem Punkt: dass Asylverfahren beschleunigt werden müssen und Europa als Ganzes gefordert ist. „Das Thema Flüchtlinge wird uns noch lange beschäftigen“, orakelte Honisch.

Von Roland Halmel

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