"Henkerstochter"-Regisseur Maximilian Geiger im Interview

"Es gibt genug Potenzial"

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Am Tag danach: Maximilian Geiger resümiert zum Festspiel „Die Henkerstochter“.

Schongau – Das Interview haben wir nicht hinter den Kulissen geführt, sondern im offenen Ratssaal, der auf der Freilichtbühne auch am Tag der letzten Vorstellung noch aufgebaut war: Dort steht Regisseur Maximilian Geiger (25) nach den acht Aufführungen der „Henkerstochter“, zu denen mehr als 5000 Besucher gekommen waren, Rede und Antwort. Er sitzt auf dem Stuhl mit der höchsten Lehne, wo der Gerichtsschreiber seinen Platz hatte, Kreisbote-Mitarbeiter Johannes Jais zu seiner Linken auf dem Stuhl, den im Spiel der Bürgermeister-Darsteller einnahm.

Herr Geiger, gleich vorweg: Wie fällt ihr Fazit aus?

Geiger: „Es war so toll. Eine wunderbare Erfahrung. Das ist unbeschreiblich. Alle Mitwirkenden sind zu einer großen Familie geworden.“

Wie haben Sie den enormen Zuspruch erlebt?

Geiger:  „Das ging damit los, dass drei Wochen vor Beginn des Festspiels Manfred Wodarczyk vom Verein Schongauer Sommer strahlend zu uns kam und berichtete, dass schon drei Aufführungen so gut wie ausverkauft waren. Und von da an gab es täglich bessere Wasserstandsmeldungen, die auch für uns motivierend waren.

Wird die „Henkerstochter“ wieder mal zu sehen sein? Es sind doch etliche Leute bei den Kartenanfragen leer ausgegangen?

Geiger:  „2017 keinesfalls. Frühestens im Sommer 2018. Aber es muss nicht unbedingt eine Wiederholung dieser „Henkerstochter“ sein. Sondern es kann durchaus anderer Stoff sein. Es gibt genug Potenzial durch die sechs Bände von Oliver Pötzsch.

Bleiben wir bei Oliver Pötzsch: Welche Rolle hat der Autor gespielt?

Geiger: „Eine wichtige Rolle. Sein Stoff war erst die Basis für Idee und Umsetzung. Erwähnen möchte ich auch dessen Kontakte zum Bayerischen Rundfunk und zum Verlag. Von ihm sind auch Impulse für die Werbung ausgegangen. Der Beitrag von Oliver Pötzsch war – im Gegensatz zu seinem Auftritt bei der Premiere – gewiss keine kleine Nebenrolle. Wie so vieles andere ist auch der Autor ein Mosaikstein zum Erfolg.

Welche Rolle kommt dem Theaterverein Treibhaus zu?

Geiger: „Er hat die Leute erst zusammengebracht und die Mitwirkenden bei den Proben und Aufführungen zu einer Familie gemacht, zu der auch die gehören, die nicht im Verein sind.

Wie viele Leute ward ihr denn im Regieteam?

Geiger:  „Zu fünft. Dazu kommen die fünf Regieassistentinnen.

Ab wann waren die Mitwirkenden an Spieltagen vor Ort?

Geiger:  „Die Hauptdarsteller schon ab 15.15 Uhr. Wir sind zum Friseur gegangen und haben ein professionelles Makeup bekommen. Die anderen Mitwirkenden sind um halb fünf Uhr da gewesen. Sie sind von Helfern und Freundinnen geschminkt worden. Später waren an jedem Spieltag Sprechübungen und eine Motivationsrede unseres Vereinsvorstands Michael Boos angesagt.

Mussten Sie als Regisseur nach der Premiere noch groß eingreifen in den sieben weiteren Vorstellungen?

Geiger:  „Nein. Ab der Premiere hab ich als Regisseur nichts mehr zu sagen. Da sind vielmehr die Regieassistentinnen gefordert.

Ist jemand krank geworden und ausgefallen während der Festspielzeit?

Geiger:  „Nein. Das hat mit Glück zu tun, aber auch mit eiserner Disziplin oder mit der Freude am Spiel. Außerdem haben wir ja gute Kontakte zu einem Mediziner. Mein Vater ist ja Internist. Im Stück war ich ja der Sohn des Medicus.

Es gab die Kritik, dass dieses Festspiel zu lang gedauert hat. Wie gehen Sie damit um?

Geiger: „Das ist auch eine Erfahrung, die wir gemacht haben. Aber so ein Freilichtspiel ist was Besonderes, da muss die Geschichte, da muss die Handlung entfaltet werden. Das Textbuch hatte 160 Seiten. Wir haben es auf 62 Seiten zusammengestrichen. Dreieinhalb Stunden mit einer Pause sind bei einem Freilichtspiel eher wenig. Ich schäme mich jedenfalls nicht für die Länge. Wir wollten ja was Außergewöhnliches auf die Bühne bringen.

Nach acht Aufführungen war am Sonntagabend Schluss –was machen die Spieler jetzt?

Geiger: „Beim Abbau helfen. So mancher wird dann in ein tiefes Loch fallen. Es wird ein paar Tage dauern, wieder ins normale Leben zurückzufinden. Einige haben noch Schlaf nachzuholen, vor allem die Berufstätigen unter uns Laiendarstellern. Die Studenten unter uns haben es ab bisserl leichter. Wobei auch da an Tagen mit Proben und Aufführungen Prüfungen zu schreiben waren.

Was steht bei Ihnen persönlich an?

Geiger: „Wegen der Inszenierung und der Aufführungen habe ich im Studium in Augsburg vieles geschoben. Die nächsten Wochen muss ich einiges voranbringen in meinen Fächern Geschichte sowie Kunst- und Kulturgeschichte. Ich bin grad im letzten Semester und möchte im Oktober den Master machen.

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