Dem Himmel nahe – Für das alte Geläut der Weilheimer Stadtpfarrkirche einen würdigen Platz gefunden

Die alten Glocken haben ihren Dienst getan. Als Gegenpol zu ihrem eisernen Material sieht Künstler Henselmann die auf den Ringen spielenden Putten. Fotos (5): Müller

57 Jahre lang riefen die fünf Glocken der Marienkirche die Gläubigen zum Gebet, jubelten zu Feiertagen, verkündeten Geburten und Sterbefälle. Jetzt haben vier der fünf Glocken auf dem Friedhof eine würdige „Ruhestätte“ gefunden.

Der neu gestaltete Platz vor den Priestergräbern am Haupteingang des Weilheimer Friedhofs ist ein gut gewählter Ort für die mit rötlicher Rostpatina überzogenen Glocken. Stadtpfarrer Dr. Ulrich Lindl hatte für die Vorstellung den Ostersonntag gewählt und verband seine Andacht mit österlichen Gedanken. „Heute ist ein schöner Anlass, diesen Platz seiner neuen Bestimmung zu übergeben. Der Bauhof konnte kein dauerhafter Ort sein. Wir haben mit der Friedhofsverwaltung lange gesucht und ihn gefunden. Wo sind sie dem Himmel näher als hier?“, fragte Lindl. Die Glocken ziehen durch ihre Anordnung die Blicke auf sich. Lindl dankte der Stadt, dem Steinmetzbetrieb Philipp Mößmer, der Schlosserei Stefan Zirngibl sowie dem Künstler Professor Dr. Josef Henselmann. Für die fünfte Glocke des alten Ensembles hat sich eine neue Aufgabe gefunden. Sie wird künftig Dienst auf dem Unterhausener Friedhof tun. Friedhofsreferent Dr. Joachim Heberlein erinnerte daran, dass die Vorgänger 1940 abgehängt und eingeschmolzen wurden. Er verwies auf die Material- und Geldknappheit, die 1947 nach vielen Problemen zur Anschaffung von Blankstahlglocken führte. Dafür wurden von den Gemeindemitgliedern 9 480 Mark aufgebracht. „Danach riefen sie wieder zum Gebet, waren treue Begleiter in Freude und Trauer. Jetzt sind sie im verdienten Ruhestand angekommen“, so Heberlein. Die katholische Friedhofsstiftung St. Sebastian hatte den Münchner Bildhauer Professor Dr. Josef A. Henselmann damit beauftragt, den alten Glocken von Mariae Himmelfahrt einen würdigen Rahmen zu geben. Der Künstler sah das Ensemble erstmals auf dem Bauhof, wo es zur Zwischenlagerung abgestellt war. „Ich hatte das Gefühl, ich muss sie mit meinen Möglichkeiten visuell wieder zum Klingen bringen“, erklärte Henselmann bei der feierlichen Vorstellung am Ostersonntag. „Die Schrägstellung zweier Glocken erinnert an Bewegung, die aufgesetzten Stahlringe an Schallwellen oder einen Heiligenschein, und die Putten sind ein Anklang an ihre Weihe“, beschrieb Henselmann sein Kunstwerk. Musikalisch umrahmt wurde die Andacht von der Bläsergruppe des Gymnasiums Weilheim. Die Kosten des Glocken-Arrangements in Höhe von 12 000 Euro übernahmen die Centa Böhm-Stiftung sowie private Spender.

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