Mit einfühlsamem Film, informativer Broschüre und neuem Internetauftritt

Hospizarbeit bekannter machen

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Vereinsvorsitzende Renate Dodell (li.) und Pflegedienstleiterin Barbara Rosengart blättern im Klostergarten in den neuen Broschüren, dahinter Hospizleiter Karlheinz Gaisbauer.

Polling/Landkreis – „Ich will, dass meine Kinder ihr Leben leben und ich mein‘s“, sagt eine von schwerer Krankheit gezeichnete Frau in dem 26-minütigen Film, mit dem der Hospizverein Pfaffenwinkel Einblick in seine ambulante und stationäre Arbeit gibt.

Weit über 1000 unheilbar kranke und sterbende Gäste aus Weilheim-Schongau und den vier benachbarten Landkreisen hat der Verein seit 2002 im „Hospiz Pfaffenwinkel“ in Polling aufgenommen und ihnen ein würdiges Abschied nehmen ermöglicht. Die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebenszeit gut versorgt und begleitet in vertrauter Umgebung verbringen. „Ambulant vor stationär“ lautet deshalb ein Grundsatz des Vereins.

Der Ambulante Hospizdienst mit seinen hauptamtlichen Koordinatorinnen und 150 geschulten, ehrenamtlichen Hospizhelfern ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu Hause, in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen ein wichtiger Ansprechpartner. Das Angebot soll weiter ausgebaut werden, kündigte die Vereinsvorsitzende Renate Dodell an. Mit der Krankenhaus GmbH und weiteren Kliniken im Umkreis wurden bereits Kooperationsverträge geschlossen.

Um die Hospizarbeit transparenter zu machen, wurde die Öffentlichkeitsarbeit „auf neue Füße gestellt“, erklärte Dodell bei der Präsentation des neuen Films „Solange du lebst...“ Produziert hat ihn Daniela Baumgartner, die sich zur Hospizhelferin ausbilden ließ und dem Verein damit „etwas zurückgeben“ möchte (Dodell). Feinfühlig zeigt die Dokumentarfilmerin, wo und wie die Menschen im Hospiz in beschützter Umgebung ihre letzte Lebenszeit verbringen. Mit der Kamera fängt sie bewegende Momente ein. Die 15 000 Euro für den Film, der in Schulen, Vereinen sowie Besuchergruppen gezeigt wird und über die Vereins-Homepage abrufbar ist, wurden über Spenden generiert.

„Ganz wichtig“ ist Hospizleiter Karlheinz Gaisbauer, den Gästen – im Hospiz wird die Bezeichnung „Patienten“ vermieden – authentisch zu begegnen und ihnen ein „ehrlicher Gesprächspartner“ zu sein. Auf persönliche Bedürfnisse wird hier flexibel reagiert: Der Gast entscheidet selbst, was er essen möchte. Kuscheln mit dem eigenen Hund ist erlaubt, auf Wunsch wird ein wohltuendes Bad eingelassen. Selbst die Zigarette wird nicht verwehrt, denn „die Menschen sollen ihre letzten Tage genießen können“, sagt Gaisbauer.

Die zehn hell möblierten Zimmer sind zu 90 Prozent belegt, Angehörige können kurzfristig in einem Appartement übernachten. Pro Bett stehen 1,4 Pflegefachkräfte und bei Bedarf weitere ehrenamtliche Hospizhelfer zur Verfügung. Gaisbauer: „Wir haben Zeit, bei unserem Gast zu bleiben. Auch nachts.“

Der Aufenthalt im Hospiz ist für den Gast kostenfrei. Die Finanzierung erfolgt aus Zuschüssen der Kranken- und Pflegekassen, Vereinsbeiträgen und Spenden. Zehn bis 15 Prozent der Kosten trägt der Hospizverein, im ambulanten Bereich kommt er für den Großteil der Sachkosten auf. Von der neuen Gesetzgebung erhofft sich Dodell finanzielle Verbesserungen, vor allem im ambulanten Bereich. Die jährlichen Personalkosten im ambulanten und stationären Hospiz betragen über eine Million Euro.

Das Wirken des Hospizvereins ist beispielgebend für andere, weiß Dodell. So tagt im Herbst die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Hospize in Polling. Zur intensiveren Aufklärung soll eine neue Broschüre beitragen, deren Inhalt alle Tätigkeitsfelder des Vereins umfasst. Erhältlich ist sie unter anderem in Pfarreien und Rathäusern.

Der Internetauftritt wurde ebenfalls überarbeitet. „Die darin enthaltenen Daten waren bislang sehr karg und sachlich. Wir wollen auf verschiedenen Kanälen informieren“, so die Vereinsvorsitzende. Spenden sind jetzt online unter hospiz-pfaffenwinkel.de möglich. Die von ihr persönlich gepflegte Facebookseite, freut sich Dodell, „zählt schon über 500 Fans“.

Genießen so lange es geht wollte auch die todkranke Frau in dem Hospiz-Film, der im Mai/Juni 2015 gedreht worden ist. Wohl wissend, dass jetzt jede Minute ihrer Lebenszeit besonders kostbar ist. „Ein Schatten“, sagt Gaisbauer, das spüren die Pflegekräfte ebenso wie die Betroffenen und Angehörigen, „ist aber immer dabei.“

Von Maria Hofstetter

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