Tierschutzverein aus Forst vermittelt Hunde aus Ungarn und Bosnien

Leben retten mit Herz und Verstand

Forst – Tornjak hatte sich aufgegeben. Er saß nur noch apathisch in der Ecke, starrte vor sich hin. Mit gesenktem Kopf und leeren Augen nahm er kaum noch Notiz von seiner Außenwelt, dem Hundezwinger bei Sarajevo. Doch dann kam ein Anruf, der sein Leben verändern sollte.

Als Ilona Birk im Zwinger anfragte, ob es denn einen älteren Hund gebe, der zu den Vorstellungen einer Familie aus Weilheim passen würde, herrschte dort Verwunderung. „Wieso denn einen so alten Hund?“ Doch bald war Tornjak auserkoren. „Er hätte dort nie eine Chance gehabt und wäre eingegangen“, erinnert sich die Forsterin. Gemeinsam mit ihrem Mann Richard leitet sie den gemeinnützigen Verein „Hunde ohne Schutz“.

Richard und Ilona Birk retten Hunde aus Osteuropa. Außerdem versuchen sie, vor Ort zu helfen.

Ein halbes Jahr später ist Tornjak kaum wieder zu erkennen. Heute heißt er Snoopy und tobt mit seinen Hundekumpels durch Weilheim. „Es ist schön zu sehen, dass wir so einem geschundenen Wesen noch ein paar wundervolle Jahre schenken können“, sagt Ilona Birk. 

Schon früher engagierten sich die Birks in zwei anderen Vereinen. In denen lief es allerdings nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatten. „Es gibt viele schwarze Schafe“, bedauert der Vertriebsingenieur. Dann vor zwei Jahren die Idee: „Warum machen wir es nicht selbst?“ 

Es stand sofort fest: „Wir wollen gesunden Tierschutz machen und nicht einfach nur Tiere rauskarren“, sagt Richard Birk. Dafür war eine Sachkundeprüfung nötig und auch die Eintragung beim Amtsgericht. Vom Landratsamt haben die Birks die offizielle Genehmigung, Hunde einzuführen und zu vermitteln.

Alle vier bis sechs Wochen fahren sie mit ihrem Transporter nach Osteuropa. „Wir wollen direkt helfen, wo Hilfe benötigt wird.“ Hauptsächlich kümmert sich das Ehepaar derzeit um zwei Projekte. 

Das eine ist ein Tierheim in Ungarn. „Ein Vorzeigeobjekt für diese Region“, erklärt Ilona Birk. Die Leiterin dort spricht deutsch und kümmert sich liebevoll um die Tiere, auch wenn nur wenig Geld vorhanden ist. Alle Straßenhunde aus Tapolca werden aufgenommen, rund 140 immer beherbergt. Hier warten auch die Tiere, die weiter nach Deutschland vermittelt werden sollen. 44 waren es im letzten Jahr, heuer bereits 22. 

„In Ungarn ist das Leben für die Tiere einigermaßen akzeptabel. In Bosnien ist es der Horror“, zeigt Richard Birk schockierende Bilder des zweiten Projekts: Im einem öffentlichen Hundezwinger bei Sarajevo leben rund 200 Hunde unter widrigen Verhältnissen. Zwar gibt es fließendes Wasser, aber Strom, eine Heizung oder jeglichen anderen Luxus gibt es dort nicht. Hier versuchen die Birks, vor Ort die Situation zu verbessern. Sachspenden wie alte Decken, Halsbänder, Handtücher und Futter können das Leid lindern.

Das Problem: Maximal 60 Kilo Futter dürfen mit einer Fuhre über die Grenze gebracht werden, zurück nur fünf Hunde. Also finanziert der Verein dort private Unterkünfte für kranke Hunde, spendiert medizinische Behandlungen und fördert Kastrationsprogramme. Das geht ins Geld. 

„Bald ist Schluss, die Kasse ist fast leer“, sehen sich die Birks nicht mehr in der Lage, noch viel zu handeln. Auch privat haben sie schon unzählige Euro in das Projekt gesteckt. Doch ohne mehr Spender funktioniert es nicht. Zwar gibt es einige Hundepaten und auch die derzeit 28 Mitglieder unterstützen den Verein, wo es geht, doch das genügt nicht. 

Durch Vermittlungen könnte mehr Geld eingenommen werden. Doch das widerstrebt den Birks und dem gemeinnützigen Grundsatz ihres Vereins. Wer einen Hund adoptiert, zahlt mit der Schutzgebühr nur die tatsächlich angefallenen Kosten für Impfung, Chip, Kastration und Transport.

Außerdem wird jeder Fall einzeln betrachtet. Das dauert. „Der Hund muss zu den Leuten passen und die Leute zu dem Hund“, erklärt Ilona Birk das Konzept. Das bedeutet, es wird nicht einfach nur ein Tier vermittelt, weil es jemandem optisch gefällt. Auch der Charakter des Hundes und die jeweilige Lebenssituation müssen sich vereinbaren lassen. 

Nach der ersten Kontaktaufnahme müssen Interessenten daher einen Fragebogen ausfüllen. Ist der zufriedenstellend, machen sich die Birks auf die Suche nach dem richtigen Hund. „Manchmal lehnen wir auch Anfragen ab“, sagt Ilona Birk. Doch das hat immer einen Grund. Mangelnder Platz oder fehlende Zeit etwa. 

Dennoch sind die Kriterien anders, als in manchen Tierheimen. Denn auch an Familien mit Kindern wird vermittelt; oder an Menschen ohne Garten. Aber eben nur, unter bestimmten Bedingungen: „Ich kann keinen Hütehund in eine Zweizimmerwohnung stecken“, verdeutlicht die Tierschützerin durch ein Beispiel. Vor- und Nachkontrollen sind selbstverständlich. 

Der Erfolg gibt den Tierschützern recht: „Wir hatten bisher keinen einzigen Rückläufer.“

Infos: www.facebook.com/HundeOhneSchutz,  hundeohneschutz@gmx.de,  Tel. 08809/9239821

Spendenkonto: Sparkasse Schongau IBAN:  DE41734514500036142040 BIC: BYLADEM1SOG

Von Ursula Gnadl

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